“200 Jahre Bruder Konrad”

Ausstellung im Artrium feierlich eröffnet


Die große Bruder-Konrad-Ausstellung im ländlichen Bad ist eröffnet. Die beiden Sammler Josef Frankenberger und Georg Niederleiter zeigen noch bis 6. Januar weit über hundert Exponate und beschreiben damit Leben und Wirken des Heiligen, aber auch die Zeit, in der er gelebt hat. Den Buchautor und stellvertretenden Chefredakteur des Passauer Bistumsblattes, Werner Friedenberger, konnte man als Festredner gewinnen, der einmal mehr seinem Ruf als renommierter Kenner des Rottaler Heiligen alle Ehre machte.


Freilich, gar mancher der gut 130 Besucher im Saal Servatius staunte über das erste Bild, denn das zeigte nicht Johannes Birndorfer aus dem nahen Parzham, sondern Hans im Glück. Doch schnell war klar, warum der redegewandte Journalist aus Passau den Vergleich mit Grimms Märchen wählte. „Bruder Konrad ist steinreich geworden, weil er die Armut wählte“, sagte er. In seinem frei gehaltenen, einstündigen Vortrag erinnerte er an die Wallfahrer, die noch heute, 200 Jahre nach seiner Geburt aus allen Richtungen kommen. Wie in Stein gemeißelt sei Bruder Konrads Bekenntnis: „Das Kreuz ist mein Buch“. In eine gläubige Familie hineingeboren, habe er schnell erkannt, dass dem Menschen nur ein bestimmtes Aufenthaltsrecht zuteil werde. Er habe auch erkannt, dass der Mensch nicht tiefer fallen kann, als in die Hand Gottes. „Deshalb hat er den Weg zu Gott gewählt“.


An seinem Geburtstag, dem 22.12.1818 gab es übrigens noch eine Premiere: „Stille Nacht, Heilige Nacht“ wurde uraufgeführt. Eine Antwort hat Werner Friedenberger auf die Frage, ob Johannes Birndorfer vor der Welt fliehen wollte: „Nein, er hat nicht DAS Weite gesucht, sondern DIE Weite“. Dann kommt er auf Birnbach zu sprechen, zu Bruder Konrads Zeiten noch weit entfernt vom „Bad“, aber eben versehen mit wichtigen Orten für den Heiligen. Sonntags besucht er die Frühmesse in Griesbach, den Hauptgottesdienst in Weng, am Nachmittag dann die Andacht in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Birnbach und auf dem Heimweg kommt er an der Holzkapelle in der Lugenz vorbei. Dass es heute einen Bruder-Konrad-Weg, eine schmucke Bruder-Konrad-Kapelle, sogar Themenwanderungen und vieles mehr in Bad Birnbach gebe lasse spüren, „dass er hier geerdet ist, einer von uns ist und dass er hier seine Heimat hat“. Ja, die Holzkapelle, sie fasziniert auch Werner Friedenberger. „Sie ist wie eine Schnittstelle zwischen Himmel und Erde. Man meint, Bruder Konrad müsste gleich um die Ecke kommen“.


Werner Friedenberger hat mit „Einer von uns“ quasi Geschichte über Bruder Konrad geschrieben. Er signierte die beiden Buchexemplare, die in der Bücherei
im Artrium zur Ausleihe
verfügbar sind.


Friedenberger erzählt die Geschichte des Rottaler Heiligen weiter, bis hin zur Frage, ob er denn tatsächlich einmal nach Amerika auswandern wollte. Berührungspunkte gab es wohl. „Aber sind wir froh, dass er es nicht getan hat“, so der Festredner. Auch seine Arbeit im Kloster beschreibt er. Bis zu 200 Mal am Tag läutet die Glocke, manchmal spielen die Buben ihm damit einen Streich. Bruder Konrad erträgt all das und noch viel mehr mit großer Geduld. „Es heißt, 38.000 Liter Scheps und 1.000 Liter gutes Bier für die Kranken hat er im Jahr ausgeschenkt“. Dazu kamen bis zu 80 Laib Brot in der Woche, zu acht Pfund der Wecken.

Aufmerksam hängen die Besucher Werner Friedenberger bis zur letzten Silbe an den Lippen. Er kommt auch auf
die Wunder zu sprechen und die Zeit nach seinem Ableben, auf unschöne Begebenheiten gerade in der NS-Zeit, denn bei den Nazis war Bruder Konrad nicht hoch angesehen. Viele Menschen hätten darunter gelitten, weil ihnen das Reich Gottes wichtiger war als das Reich der Nazis, sagte Friedenberger.

Dagegen zeigte er sich „fasziniert, wie es die Kapuziner geschafft haben, ohne Internet, Vierfarbkatalog und mehr den Bruder Konrad und seine Geschichte so unter die Leute zu bringen“. Das war eine wunderbare Überleitung zur Ausstellung. Dort werden zunächst einmal Zeit und Lebensumstände von Georg Niederleitner und Josef Frankenberger beschrieben. Es folgen Vitrinen, die Aufschluss über die Jugend, aber auch über seine Selbstfindung geben. Schließlich kommt der Dienst in Altötting und nach mehr als 40 Jahren der Tod des Bruder Konrad. Weitere Vitrinen widmen sich mit der Selig- und der Heiligsprechung.

2. Bürgermeister Franz Thalhammer dankte Werner Friedenberger und den beiden Sammlern für ihre Tätigkeit symbolisch mit kleinen Geschenken. Bevor er die Ausstellung eröffnete, hatte aber Pater Norbert Schlenker das Wort. Der Guardian aus Altötting freute sich über die vielen Aktivitäten in Sachen Bruder Konrad in Bad Birnbach. Er lud zum gemeinsamen Gebet und spendete hinterher den Segen auf besondere Weise. Die Altöttinger Delegation hatte nämlich eine Reliquienmonstranz mitgebracht.

Unter den zahlreichen Gästen begrüßte Franz Thalhammer auch Pfarrer Hans Heindl, die evangelische Pfarrerin Pia Werner und Ehrenbürger Hans Putz. Sein Dank galt außerdem Magdalena Müller für die grafische Umsetzung, Georg Stahlbauer vom Bauhof und allen Mitwirkenden, die das Zustandekommen der Ausstellung ermöglichten.


Mit symbolischen Geschenken bedankte sich 2. Bürgermeister Franz Thalhammer (rechts) bei (v.l.) Werner Friedenberger sowie den Sammlern Josef Frankenberger und Georg Niederleitner