Alice Dittmar

“Meine Biographie zieht sich wie ein roter Faden durch mein Werk”


In erster Linie versteht sich Alice Dittmar, die ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München absolviert hat, als Zeichnerin.
Charakteristisch für die Künstlerin ist das Arbeiten in größeren zusammenhängenden Serien. So sind in den vergangenen Jahren zwei Arbeitskomplexe, “My daily Beijing diary, 2008, und “Alice-D in Wonderland”, 2009/2010, entstanden.
Beide setzen sich inhaltlich mit Dittmars Reisen und der Konfrontation mit den jeweiligen kulturellen (Denk)Unterschieden auseinander.
Dokumentarische Fotoarchive und Texte sind integraler Bestandteil ihrer Aufzeichnungen, die ihr u.a. als Grundlage für die weitere bildnerische Arbeit dient. Mit den Fotos fängt Dittmar zunächst ihre Umwelt ein. Ihre Texte können sowohl Tagebuchaufzeichnungen, aber auch e-mail-Korrespondenzen oder Zitate sein. So ergibt sich eine umfangreiche Materialsammlung, oftmals sehr private, ja intimen Inhaltes, aus der die Künstlerin schöpft.

“Das Sampeln und neu Zusammenstellen von, für mich wichtigen Bild- oder Textteilen, Exzerpte aus meinem persönlichem Wahrnehmungsschatz, ist wohl ein recht zutreffender Ausdruck für meine Findung von Bildern und deren Bildtiteln.” Alice Dittmar

Ihre Bilder sind Collagen, die aus dem Kopf, wie aus dem Bauch, und darauf “beim Machen”, in der Auseinandersetzung mit dem Material “erwachsen”. Dittmar zeichnet mit Tusche und Kugelschreiber auf Chinesischem Papier.

Der Gedanke des Ornaments ist sowohl für ihre Zeichentechnik, dem “Stricheln”, der schier unendlichen Aneinanderreihung feiner Striche zu einer Fläche, ausschlaggebend, wie für den Bildaufbau, wo gerne Spiegelungen oder Vervielfachungen auftauchen oder mit sich wiederholenden Motiven gespielt wird. In ihrer „Spielkartenserie” kombiniert sie z.B. zeichnerisch das universell verständliche Symbol der Karte für Liebe, Schicksal, Hoffnung, Vanitas mit handgeschriebenen philosophischen oder literarischen Texten.Fließend wird hier Schrift zum Duktus.

Dittmars Arbeiten sind narrativ. “Meine Biographie zieht sich wie ein roter Faden durch mein Werk.”
“Alice – D in Wonderland”, so der Titel dieser ersten Soloshow und des dazu entstanden Kataloges, anlässlich der ihr 2010 verliehenen Debütantenförderung schildert in der Tat “Alices” Welt im vergangenen Jahr: ihre Aufenthalte in Peking, Düsseldorf, Perth (WA) und zurück nach Peking und „home“, nach Passau und Wernstein am Inn.

Thematisch spielt die Landschaft eine Hauptrolle. “Landscape” weiter gefasst, bezogen auf all das, was “Alices Sinne” konkret umgibt: ob reale Umgebung, in der sie sich bewegt oder Gedanken – oder Musik… Gerade in Australien sei jene verstärkt Inspirationsquelle gewesen, da die Musikszene dort extrem innovativ sei und Popkultur im englischsprachigen Raum generell einen bei weitem grundlegenderen Einfluss auf den Alltag der Menschen ausübe als bei uns in Deutschland, so die Künstlerin.


Alice Dittmar


geb. 1978, Ried im Innkreis

1999 Studium an der Akademie der bildenden Künste, Prof. Friedhelm Klein
2003 Studium an der Akademie der bildenden Künste, Prof. Nikolaus Lang
2005 Meisterschülerin bei Prof. Nikolaus Lang

2008 Residency Program, Red Gate Gallery, Peking
2009 Residency Program, ChenLingHui Gallery, Peking
2010 Aufenthalt in Perth

2000 „maps, art in public spaces“, Haus der Kunst, München
2004 „Invasion II“, Pasinger Fabrik, München
2004 „Landschaftsverhältnisse“, Akademie der bildenden Künste, München
2005 “transgressing-systems”,Innsbruck
2005 „When the moon was falling in love with the sun“, Artothek, München
2007 „through“,„apollo13“, „lothringer13“, „Städtische Kunsthalle“ München
2007 „4. Berliner Kunstsalon“, Berlin
2008 „My daily Beijing diary“ at „798“ Dashanzi Art District,Peking
2008 „tease“ Art Fair, Köln
2010 Yvonne Simon & Alice
Dittmar, Kubin Galerie, Wernstein am Inn

Im INNSIDE erschienen: Nov ’10