Ausstellung meisterklasse WOTRUBA | erwin REITER im Dialog mit manfred DARINGER

Ausstellung im DARINGER Kunstmuseum Aspach vom 14. Mai bis 30. Oktober 2022

ASPACH | 9. MAI 2022

Nach langer sorgfältiger Konzeption wird diese einmalige  Ausstellung erstmals im Innviertel, im DARINGER Kunstmuseum Aspach präsentiert. Gemeinsam mit dem großen österreichischen Lehrmeister Fritz Wotruba werden aus seinen Meisterklassen zwei der bedeutendsten oberösterreichischen Bildhauer im Dialog gezeigt.


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Kirche „Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“, Wien-Mauer,  Entwurf und Planung von Fritz Wotruba | Foto: Belvedere, Wien, Johannes Stoll

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Erwin Reiter | Die Strömung | Großskulptur Donaulände Linz | als Modell in der Ausstellung | Foto:  Fotoarchiv Kunst Werk Julbach, Sammlung Edda Seidl-Reiter & Erwin Reiter
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Manfred Daringer | Doppelkopf – „Der Inhalt braucht reine Form, mehr nicht“ | Foto: Daringer Kunstmuseum Aspach

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Erwin Reiter | Großskulptur | Vogelgottheit II | erstmalig in Aspach bei der Sonderausstellung im Daringer Kunstmuseum | Foto: Sammlung Edda Seidl-Reiter & Erwin Reiter, DARINGER Kunstmuseum

An Erwin Reiter und Manfred Daringer kann man sehen, wie prägend die Zeit an der Kunstakademie in Wien für sie war. Schwerpunktthemen im feinen Ambiente des DARINGER Kunstmuseums Aspach wird die menschliche Figur, insbesondere die Köpfe und die Darstellung der Familie, sein.

Besonders stolz ist das gesamte DARINGER Team, dass man aus dem Bestand von Erwin Reiter zwei seiner Großskulpturen für den Außenbereich des DARINGER Kunstmuseums  für diese Begegnung erhält. Diese einzigartige Ausstellung zeigt auch in vielen Text- und Bildtafeln den Werdegang des Lehrmeisters Fritz Wotruba, wie er seine Arbeiten umgesetzt hat.

In sehr intensiver Zusammenarbeit mit Mag. Gabriele Stöger-Spevak und Werner Ganser wurde diese vor Jahren noch als Vision angesehene Ausstellung jetzt erstmalig nach Aspach ins Innviertel in die Heimat von Manfred Daringer gebracht. Es ist erstaunlich, wie sehr die beiden oberösterreichischen Bildhauer durch das Studium bei Fritz Wotruba geprägt wurden und jeder dann seinen eigenen Weg erfolgreich ging.

Dies ist klar und deutlich in der Auswahl der Skulpturen und Zeichnungen im Museum zu betrachten. Mit viel Liebe zum Detail, berührenden Aussagen, Darstellungen und Skulpturen, ganz im Sinne von Manfred Daringer.


DARINGER KUNSTMUSEUM ASPACH

MARKTPLATZ 9 | 5252 ASPACH

FR - SO | 14 - 17 UHR

14. MAI - 30. OKTOBER 2022


ERWIN REITER | 1933-2015
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Erwin Reiter bei der Arbeit im Atelier in Julbach | Foto: Fotoarchiv Kunst Werk Julbach, Sammlung Edda Seidl-Reiter & Erwin Reiter

Der renommierte Plastiker und Objektkünstler, geboren 1933 in Julbach im Mühlviertel, studierte 1954-59 an der Wiener Akademie der bildenden Künste in der Meisterklasse Fritz Wotrubas. 1968 wurde er Lehrbeauftragter an der Hochschule für angewandte Kunst bei Wander Bertoni. 1973-2001 Professur an der Hochschule für Gestaltung in Linz, Leitung einer Meisterklasse für Bildhauerei. In diese Zeit fällt auch die Verleihung des OÖ Landeskulturpreises 1999.

Sein über die Grenzen Oberösterreich bekanntestes Werk ist die Großskulptur "Strömung", welche an der Donaulände Linz, gleich nach dem Kunstmuseum Lentos, steht. Erwin Reiter zu seinem Werk: „Die Welle ist jenes Element unter allen geometrischen Formen und Figuren, das imstande ist, Emotionen maximal und ohne Verlust durch die Geometrisierung aufzunehmen und darzustellen.“

Ein Schwerpunkt von Erwin Reiter sind auch seine Bilder und Zeichnungen. In den Ausstellungen sind Arbeiten zum Thema Familie zu sehen. Diese haben unübersehbar mit seinen skulpturalen Arbeiten zu tun, jedoch völlig eigenständig und nicht bloß Studien für die Skulpturen. Diese Gedanken gelten für den Künstler selbst, aber auch für diejenigen Betrachter, die sich auf seine Kunst einlassen.

In Aspach sieht man zwei seiner Großskulpturen im Außenbereich des DARINGER Kunstmuseums und im Museum tritt er mit seinen Köpfen und Familienarbeiten in Dialog mit Manfred Daringer.

MANFRED DARINGER | 1942 – 2009
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Der bedeutende oberösterreichische Bildhauer Manfred Daringer bei der Arbeit | Foto: Daringer Kunstmuseum Aspach

Manfred Daringer absolvierte das Studium der Bildhauerei an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Prof. Fritz Wotruba. Er wurde 1975 mit dem Wotruba-Preis ausgezeichnet und kehrte in seinen Heimatort Aspach zurück, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 2009 erfolgreich künstlerisch tätig war. Fernab der pulsierenden Großstädte, umgeben von Wiesen und Wäldern, stellte die ruhige Gegend rund um Aspach den Mittelpunkt und die Inspirationsquelle des Lebens und des künstlerischen Schaffens von Manfred Daringer dar.

Mit seinen in Marmor geformten Körperlandschaften hat er die sanfthügelige Landschaft des Innviertels mit menschlich weichen Formen verbunden, mit einer körperlichen Bedeutungsebene aufgeladen. Grundlage der skulpturalen Werke des akad. Bildhauers Manfred Daringer ist der Mensch, sowohl in seiner körperlich-räumlichen Beziehung als auch in geistig-seelischer Hinsicht. Seine in ihrer klaren Formensprache und in ihrer Aussage sehr dichten Skulpturen zeigen die Auseinandersetzung des Bildhauers mit den intensiven Empfindungen des Lebens – Liebe, Leid und Tod. Viele seiner Werke haben eine in sich gekehrte und ruhende Wirkung. „Der Inhalt braucht reine Form, mehr nicht!“ Treffender hätte Manfred Daringer den Zugang zu seiner bildhauerischen Arbeit nicht ausdrücken können.

FRITZ WOTRUBA | 1907-1975
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Fritz Wotruba in seinem Atelier in der Böcklinstraße in Wien bei der Arbeit | Foto: Belvedere, Wien, Nachlass Fritz Wotruba, Fotoarchiv

Fritz Wotruba ist einer der wichtigsten europäischen Vertreter der klassischen modernen Bildhauerei. Er prägte mit seinem Werk und als Lehrer an der Akademie der bildenden Künste in Wien die österreichische Bildhauerei der Nachkriegsjahrzehnte und führte sie an die internationale zeitgenössische Plastik heran. Als er 1938 mit seiner jüdischen Frau in die Schweiz emigrierte, hatte er bereits ein beeindruckendes Frühwerk geschaffen.

Nach 1945 entwickelte er in Wien in Auseinandersetzung mit der internationalen Moderne sein charakteristisches Konzept der zunehmenden Abstraktion und Architektonisierung der menschlichen Figur mit Kuben- und Zylinderformen, wobei er an einer figurativen Ausgangsform festhielt. Er schuf auch ein umfangreiches zeichnerisches und druckgrafisches Werk. In den 1960er-Jahren kamen noch bühnenarchitektonische Arbeiten, u. a. für einen Sophokles-Zyklus am Wiener Burgtheater und Wagners Ring des Nibelungen an der Deutschen Oper in Berlin, hinzu. 1974 bis 1976 wurde in Wien nach Wotrubas künstlerischem Entwurf und gemeinsamer Planung mit dem Architekten Fritz G. Mayr die Kirche Zur Heiligsten Dreifaltigkeit als monumentale skulpturale Architektur erbaut. Durch eine enorme Ausstellungspräsenz in Europa und den USA fand Wotrubas klassisch-modernes Werk große internationale Beachtung. Bedeutende Museen erwarben seine Arbeiten und zahlreiche Plastiken wurden im öffentlichen Raum in Europa positioniert. Der künstlerische Nachlass Fritz Wotrubas befindet sich im Besitz des Belvederes in Wien.