Christiane Gentsch

„Künstlerisches Schaffen ist für mich wie eine Therapie“


Eigentlich ist Christiane Gentsch akademische Malerin. Sie absolvierte ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München.
Das Material der aktuellen Arbeiten der 1945 geborenen Künstlerin ist eher ungewöhnlich: Als Grundlage dienen ihr sogenannte Blister, also Medikamentenverpackungen. Als sie in ihrer zweiten Lebenshälfte mit einer Krankheit konfrontiert wurde, entdeckte sie eben diese Blister als Material aus dem sie skurrile Gebilde – ihre so genannten Pillenbilder – formt.
So drückt sie beispielsweise mit Nadeln Gesichter in die Verpackungen und füllt diese anschließend mit Gips. Oder sie malt Gesichter auf weiße Plastikblister.

Man muss schon genau hinsehen, um zu erkennen, dass keine zwei Gesichter identisch sind. Mittlerweile sind es jedoch nicht nur Gesichter sondern auch Figuren, die Gentsch auf die Blister zeichnet oder modelliert. Anschließend werden die verschiedenen Blister aufgeklebt und setzt sie zu einem neuen Bild zusammen. Unter anderem kombiniert die Künstlerin diese Arbeiten auch mit Malerei: beispielsweise dadurch, dass Figuren um das eigentliche Pillenbild gemalt werden und so einen Rahmen ergeben.
Die Pillenbilder sind eine Mischung aus Malerei und Bildhauerei im Kleinstformat. „Es ist kaum zu glauben wie sehr sich Blister in Größe und Form unterscheiden“, so die Künstlerin.
Die Arbeit mit den Medikamentenverpackungen ist für die Künstlerin zum einen eine Form der Krankheitsbewältigung, zum anderen verdeutlichen sie für die Künstlerin auch die Macht der Pharmaindustrie.
Das Schnitzen ist eine große Leidenschaft der Künstlerin. Mit großer Fingerfertigkeit schnitzt sie Figuren aus den verschiedensten Materialien wie z.B. Holz, Horn, Knochen, Nüssen oder Avocado-Kernen.

Das kleine Format spielt auch bei diesen Arbeiten eine wesentliche Rolle. Im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens steht die Figur, insbesondere die Frau.
In früheren Zeiten setzte sich Christiane Gentsch unter anderem auch mit dem Medium der Druckgraphik auseinander. Radierung, Lithographie und Siebdruck. Aktuell allerdings beschäftigt sie sich damit nicht mehr.
Auch die Malerei, ursprünglich das Hauptmedium der Künstlerin entsteht im Prozess. Sie hat vorher kein konkretes Bild im Kopf, erst kommt die Farbe, dann der Malprozess. Die Arbeiten sind durchwegs gegenständlich.
Neben ihrem künstlerischen Schaffen war Christiane Gentsch über 20 Jahre Mitgesellschafterin des Kulturcafé Ruffini in München.

Christiane Gentsch

geb. 1945
1964-66 Meisterschule für Kunsthandwerk Berlin
1966-72 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München
diverse Ausstellungen im Café Ruffini, München
sowie Ausstellungsbeteiligungen u.a. im Kunstpavillon München
Gemeinschaftsausstellung mit ibi Wanninger im Klinikum Passau