Erklärung der Verbände Bildender Künstlerinnen und Künstler

Forderung kurzfristiger Massnahmen

30.3.2020


Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), der Deutsche Künstlerbund, die
GEDOK – Verband der Gemeinschaften der Künstlerinnen und Kunstfördernden, die Internationale
Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) und das Internationale Künstlergremium (IKG) begrüßen die
geplanten Hilfsmaßnahmen des Bundes und der Länder zur Unterstützung von Unternehmen, Freiberuflichen
und Solo-Selbstständigen, um die Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern.
Betriebsmittelzuschüsse, Unterstützungen in persönlicher Notlage und die Erhöhung rechtlicher Schutzmechanismen
sind Maßnahmen, die auch zahlreiche Akteure aus dem Kultur- und Medienbereich in Anspruch
nehmen müssen.

Sie reichen allerdings nicht, um Kunst und Kultur in ihrer bisherigen Vielfalt zu schützen, wiederaufzubauen
und langfristig zu sichern. Um Bildende Künstlerinnen und Künstler als wichtigen Teil des kulturellen
Lebens zu unterstützen, fordern wir folgende kurzfristigen Maßnahmen:
Keine Koppelung der Betriebskostenzuschüsse an einen Antrag zur Grundsicherung: Die Selbstständigkeit
professioneller Künstlerinnen und Künstlern muss erhalten bleiben. Ihnen sind auch
dann Zuschüsse zu gewähren, wenn sie beabsichtigen, individuell für die Sicherung der persönlichen
Lebenshaltungskosten zu sorgen, ohne Grundsicherung zu beantragen. Ihre Selbständigkeit
ist Voraussetzung und Grundlage ihrer künstlerischen Praxis und ihres Selbstverständnisses.
Ausgleich der Kurzarbeit Freischaffender: Neben der Grundsicherung sollte freiberuflichen Bildenden
Künstlerinnen und Künstlern analog zum Kurzarbeitergeld nach SGB III 60 % bzw. 67 % ihres
Umsatzes auf Basis ihrer letzten drei Steuerbescheide gewährt werden.
Bildende Künstlerinnen und Künstler aus anderen Ländern: Insbesondere denjenigen aus dem
Nicht-EU-Ausland ist bei Bedarf Grundsicherung zu gewähren, ohne dass ihr Aufenthaltsrecht in
Frage gestellt wird.
Nothilfefonds für die Bildende Kunst: Ein Nothilfefonds unter Schirmherrschaft und finanziert mit
Mitteln der Kulturstaatsministerin sowie verwaltet durch die Stiftung Sozialwerk der VG Bild-Kunst,
soll berufsspezifische Notlagen Bildender Künstlerinnen und Künstler in diesem und nächsten Jahr
entschärfen.

Kunst und Kultur sind unverzichtbar, nie wurden sie so vermisst wie in diesen Zeiten. Die Auswirkungen
dieser Pandemie werden noch lange zu spüren sein, auch für die Bildenden Künstlerinnen und Künstler.
Deshalb bedarf es eines nachhaltigen Kultur-Konjunkturförderprogramms zur Sicherung des künstlerischen
Einkommens, u. a. durch
■ verbindliche Ausstellungsvergütung
■ die Stärkung der Urheberrechte
■ eine ermäßigte Mehrwertsteuer für den Kunsthandel
■ Förderprogramme zur Stärkung des künstlerischen Schaffens und der Wiederherstellung der Kunstinfrastruktur
■ verbindliche Kunst am Bau bei allen öffentlich geförderten Bauwerken
■ Aufstockung bzw. Wiederherstellung der Ankaufsetats städtischer und staatlicher Museen von
Bund, Ländern und Kommunen, um die kontinuierliche Sammlung zeitgenössischer Kunst wieder
aufzunehmen.

Die unterzeichnenden Verbände unterstützen auch die Forderung des Deutschen Kulturrats, die kulturelle
Infrastruktur durch einen nationalen Kulturinfrastrukturförderfonds zu sichern.