Fredrik Lindqvist

„Die alte Technik des Holzschnitts und die modernen Bildinhalte ergeben einen Crash der Zeiten“

Der in Schweden geborene Künstler Fredrik Lindqvist beschäftigt sich seit nunmehr 15 Jahren mit dem Thema Holzschnitt. Allerdings nicht ausschließlich auf Papier, sondern in erster Linie auch auf Stoff.
Zunächst fertigt der Künstler eine Collage mit Bildern aus Popmagazinen. Zeitungen, Werbeprospekten oder Tierbüchern. Diese dienen ihm sozusagen als kleine Skizzen für seine weitere Arbeit.
Anschließend werden diese Collagen mit Kreide auf die Holzplatten übertragen und das Motiv herausgeschnitten.
Der Druck erfolgt auf unterschiedlichste Stoffe. Lindqvist verwendet hierfür karierte, gestreifte, gepunktete, geblümte, einfarbige oder aber auch Kinderstoffe.

In mehreren Druckvorgängen werden kleinere Teile gedruckt, denn das Drucken auf Stoff gestaltet sich schwieriger als auf Papier. Sind alle Teile fertig gedruckt, werden die einzelnen Teile mit einem dicken, schwarzen Wollfaden zusammengenäht. Die bunten Stoffe und der dicke Faden verstärken den ohnehin schon expressiven Duktus der Arbeiten. „Durch den Wollfaden wirkt die Bildoberfläche nicht so eben. Das passt gut zum Holzschnitt, der ja auch eher grob wirkt“, sagt der Künstler.


Neuerdings ersetzt der Frederik Lindqvist den Wollfaden mitunter auch durch Sicherheitsnadeln. Seine Arbeiten hat der Künstler vorab bereits im Kopf, die Farbgebung beispielsweise ergibt sich jedoch spontan im Prozess. Manchmal entscheidet er dann auch einen neuen Druck zu fertigen, wenn ihm der ursprünglich ausgewählte Stoff nicht mehr passend.

Die aus vielen Bildelementen zusammengesetzten Arbeiten von Frederik Lindqvist thematisieren Stress und Hektik unserer Zeit. Wie beim Fernsehen, beim Zappen von einem Sender zum nächsten, trifft Tierwelt auf die urbane moderne Welt, Popikonen stehen neben Menschen des Alltags.
Durch die Technik des Holzschnitts, die schon im Mittelalter Anwendung fand und Bildinhalte der heutigen Zeit, entsteht vergleichsweise ein Crash der Zeiten. Teilweise erzählt er Märchen in seinen Arbeiten. Seine Bilder wirken oftmals fröhlich und bedrohlich zugleich.
Neuerdings arbeitet Lindqvist auch dreidimensional. Es entstehen beispielsweise Insekten, Puppen, Schmetterlinge aber auch Blumen. Diese Arbeiten vereinen sowohl Skulptur als auch Druck, wobei der Holzschnitt auch hier eine wesentliche Rolle spielt.



Geb. 1968 in Kristianstad, Schweden

1988-90 Kunstschule in Kristianstad
1993-97 Umea Kunstakademie., Schweden, bei Professor Staffan Kihlgren
1997-2000 Kunstakademie Düsseldorf bei Professorin Irmin Kamp
1999 Meisterschüler

2000 Kunsthalle Smalands Konstarkiv
2001 Galerie Persson, Malmö, Karlskrona Kunsthalle Grafikens Hus, Mariefred
2002 Västerbotten Kunstverein, Umea Boras Kunstmuseum, Ystad Kunstmuseum, Neon Gallery Galerie im unteren Tor, Bietigheim-Bissingen
2003 Kunsthalle Kuben, Falkenberg, Kunsthalle M3, Berlin
2004 Galerie Renate Schröder, Köln, Kunsthalle Krognushuset, Lund, Karlshamn, Kunsthalle
2005 Kungsbacka Kunsthalle, Galerie Lindqvist, Söndraby
2006 Kunstverein Graz, Regensburg, Kunsthalle Hishult, Galerie im Büro BOA, München
2007 Sölvesborg Kunsthalle, Konstfrämjandet i Örebro, Kulturens Hus, Lulea, Städt. Galeri, Harderbastei, Ingolstadt

Im INNSIDE erschienen im Mai ’11