“Fridays For Future”

Diskussionsrunde über die aktuellen Schülerstreiks für Klimaschutz

Am 24.04.2019 trafen sich Aktivisten sowie Vertreter aus Universität und Schule in der Universität Passau, um über Klimaschutz und insbesondere über die aktuellen Schülerstreiks „Fridays for Future“ zu sprechen. Ebenfalls diskutiert wurden die Rolle und die Verantwortung, in der etwa Pädagoginnen und Pädagogen, die Medien und auch die Politik stehen.


In rund 100 Ländern weltweit erfreuen sich die „Fridays For Future“-Demonstrationen großer Beliebtheit. So auch in Passau: weit über 1000 Schüler demonstrieren hier für den Klimaschutz.

Die schulartübergreifende „open mic“-Aktion gibt Interessierten außerdem die Chance, aus der anonymen Masse der Demonstranten hervorzutreten und auf einer offenen Bühne selbst verfasste Texte zum Thema Klimaschutz zu präsentieren. „Schülern, denen man es innerhalb des Klassenzimmers gar nicht zugetraut hätte, stehen hier vor einem großem Publikum und überzeugen durch richtig gute Texte.“, so Matthias Weigl.

Von links:
Hannes Wenzel, Franziska Mönnich, Matthias Weigl, Dr. Sarah Makeschin, Ida Berschl, Jessica Knaur, Tobias Korter
Ida Berschl, Klima-Aktivistin und Schülerin aus Schärding/Österreich

Franziska Mönnich, Teach First Fellow an einer Gesamtschule in Duisburg, pädagogisch tätig im Bereich der Sprachförderung und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit marginalisierten Jugendlichen

Matthias Weigl, Student der Staatswissenschaften, Fachreferent für Bildung im Bezirksverband der Grünen und Fridays-for-Future-Aktivist

Tobias Korter, Lehrer an der Heimvolksschule St. Maria in Fürstenzell, Beiratsmitglied der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft GEW in Niederbayern, Kreisvorstandsmitglied DGB

Hannes Wenzel, Lehramtsstudent für Geographie an Gymnasien; Forschungsfokus auf Klimawandel und globale Umweltveränderungen Abteilung Kommunikation und Marketing

Jessica Knauer, Allgemeine Pädagogin im Projekt „Information and Media Literacy“;
Lehr- und Forschungsschwerpunkte in der Kulturell-Ästhetischen Medienbildung sowie dem Diskurs zur Partizipation und über Beteiligungsformate in der (kulturellen) Bildungspraxis

Die Diskussion moderiert Dr. Sarah Makeschin

Klimawandel in der Schule


Die Gründerin der „Fridays for Future“- Bewegung in Oberösterreich Ida Berschl hält es für essentiell, das Phänomen Klimawandel in der Schule umfangreich zu behandeln. „Wenn man es nicht in der Schule zum Thema macht, wo dann?“, so die Klima-Aktivistin.

Dass gerade die Schulzeit sehr prägend für die späteren Werte und Einstellungen ist, ist nicht vereinbar mit der Tatsache, dass das Thema Klimawandel in den deutschen Lehrplänen viel zu kurz kommt.

Lehrer sollten sich mehr als „Inspiratoren“ wahrnehmen, so Hannes Wenzel. Ihr pädagogische Grundstudium prädestiniert die Lehrkräfte dazu, den Schülern Werte und Einstellungen vorzuleben und diese zu motivieren,


sich mit wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Das Interesse von Seiten der Schüler ist vorhanden, denn auch außerschulische Angebote werden oftmals gerne in Anspruch genommen.

So auch in der Heimvolksschule St. Maria in Fürstenzell, in der Tobias Korter unterrichtet. Hier treffen sich Schüler in ihrer Freizeit mit Mitschülern und Lehrern, um relevante Begebenheiten wie den Klimawandel zu besprechen. „Dieses Interesse sollte gefördert werden, denn auch Lehrkräfte profitieren von den neuen Perspektiven des Austauschs.“ Ideal wäre es, wenn die Schulen aktuellen, aktuellen Themen eine Plattform bieten könnten, in welcher Lehrer als Inspiratoren ihren Schülern den Weg in die richtige Richtung weisen.

Eltern für die Zukunft – oder dagegen?


Neben den Schulen, die die Teilhabe an „Fridays for Future“-Demonstrationen teilweise mit Verweisen und sogar Bußgeld sanktionieren, sind auch Elternhäuser, in welchen die politische Teilhabe der Schüler nicht unterstützt bzw. untersagt wird, ein gewaltiges Problem.


Doch es geht auch anders: Inspiriert von ihren Kindern beteiligen sich nun auch immer mehr Eltern an Demonstrationen für den Klimaschutz. An der so genannten „Parents For Future“-Bewegung lassen sich laut Ida Berschl Zusammenhänge zwischen der Umgehensweise der Eltern mit dem Thema Klimawandel und der Einstellung ihrer Kinder erkennen. Oftmals finden sich auf den „Parents For Future“-Demonstrationen die Eltern von Schüleraktivisten.

Die Verhaltensmuster und Denkweisen aus ihrem Elternhaus prägen und beeinflussen die Schüler, gerade deshalb müssen Eltern ihre Rolle als Vorbildfunktion wahrnehmen und ihre Kinder für die Relevanz des Klimaschutzes sensibilisieren. Ebenjene Elternhäuser, in welchen die Kinder und Jugendlichen in ihrem Tatendrang und ihrer Motivation gehemmt werden, bezeichnet Matthias Weigl als „ein massives Gewicht auf der Bremse“.

Kurzer Hype oder langfristige Veränderungen?


In der politischen Dimension entsteht beim Thema Klimawandel ein Generationenkonflikt. In den „Fridays for future“-Demonstrationen spiegelt sich wohl auch der Frust der Schüler wider, auf politischer Ebene noch nicht grundlegend mitgestalten zu dürfen, aber letztendlich die Verantwortung für die Entscheidungen, die getroffen werden, mittragen zu müssen. Die Schülerdemonstrationen lassen einen generellen Aufschwung erkennen, zusammen möchte die jüngere Generation ihre politische Ohnmacht durchbrechen.

Beim Klimawandel handelt es sich um ein abstraktes Konstrukt, dessen Auswirkungen auf der individuellen Ebene noch nicht direkt spürbar sind, so Hannes Wenzel. Dadurch, dass sich dessen fatale Folgen in ihrer Gänze erst in der Zukunft entfalten werden, besteht die Gefahr, dass die Dringlichkeit zu Handeln unterschätzt wird. Daher ist die steigende Präsenz des Themas und die politische Teilhabe der jüngeren Generation angesichts


der bevorstehenden Konsequenzen ein großer Erfolg.

Trotzdem befürchtet Matthias Weigl, dass der aktuelle Hype um das Thema Klimawandel auf langfristige Sicht wieder abflachen könnte. „Das gesellschaftliche Interesse und die politische Teilhabe handeln sich eventuell nur um ein Zeitfenster, das wieder geschlossen wird, weil man nicht unendlich lang die mediale Aufmerksamkeit darauf richten kann“, so der Student.
Dennoch bleibt die Zuversicht. „Dass ein Thema in dieser Größenordnung aus einer Bewegung heraus entstanden ist und so eine immense Reichweite erreicht hat, ist ein riesiger Schritt.“

Das Ziel ist, die Menschen für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren und ein Bewusstwerden über die dringliche Situation in den Köpfen der Menschen zu schaffen und zu verankern. Erst dann können Resultate folgen.

Klimaschutz kann jeder!


Am Ende sind sich alle Anwesenden einig. Ob beim zeitaufwendigen, bewussten Einkauf regionaler und möglichst plastikfreier Produkte oder bei wesentlich längeren Zugfahrten im Vergleich zum Flugzeug: Klimaschutz bedeutet, kleine Opfer in Form von Zeit, Geld und Aufwand in Kauf zu nehmen. Es bedeutet, bei sich selbst anzufangen und nicht immer den einfachsten und bequemsten Weg zu wählen. Und es bedeutet auch, auf der individuellen Ebene jeden Tag kleine Entscheidungen zu treffen, damit irgendwann eine strukturelle Wandlung des kompletten Systems geschehen kann.