Hypnose – der Schritt Richtung Unterbewusstsein

Selbstversuch bei der jüngsten Hypnotiseurin Deutschlands


Lara Kaiser empfängt mich mit einem strahlenden Lächeln. Sie hält mir die Tür auf und lotst mir den Weg zu einem gemütlichen, hellen Raum. Sofort fallen ihre „Conscious Life Master Coach“-Zertifikate auf, welche eingerahmt auf einer Kommode stehen und einen professionellen, seriösen und ressourcenorientierten Umgang mit der Hypnose bescheinigen. Ich schaue mir die junge Frau, die mich heute das erste Mal hypnotisieren soll, genauer an. Sie wirkt sympathisch und ich merke, wie meine anfängliche Nervosität zunehmend verschwindet, da ihre empathische, warme Ausstrahlung eine beruhigende Wirkung auf mich ausübt.

Chiara Schmid (l.) aus der INNSIDE-Redaktion im Vor-
gespräch mit Hypotiseurin Lara Kaiser (r.)

Bevor ich im Selbstversuch den Sprung ins kalte Wasser wage, möchte ich zunächst mehr über die Risiken, Chancen und Besonderheiten der Hypnose erfahren.
Lara Kaiser beschreibt Hypnose als Werkzeug, mit welchem sich die Schwelle zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein überschreiten lässt. „Auf nur rund 3% unseres Gehirns haben wir durch unser Bewusstsein Zugriff. Die restlichen 97%, die unser Unterbewusstsein ausmachen, lassen sich in Trance erforschen.“ Diese Trance, ein Zustand tiefster Entspannung, kann theoretisch jeder erfahren, Voraussetzung dafür ist aber, dass man sich auf die

Hypnose einlässt und keine innere Abwehrhaltung einnimmt.
Sogar sich selbst kann man hypnotisieren. Das gleicht dann einem inneren Selbstgespräch ähnlich einer Meditation und hat Lara Kaiser beispielsweise einen viel entspannteren Umgang mit Prüfungssituationen ermöglicht.

Therapeutische Hypnose als alternative Behandlungsweise

Besonders faszinierend findet Lara Kaiser die vielschichtigen Möglichkeiten der therapeutischen Hypnose. In einer einjährigen Hypnoseausbildung in ihrer Heimatstadt Kempten wurde der Grundstock für diesen Anwendungsbereich gelegt. Hier in Passau hat sie sich nun mit ihren Hypnosetherapien selbstständig gemacht und hilft beispielsweise bei der Rauchentwöhnung, beim Abnehmen, bei der Stärkung des Selbstbewusstseins oder bei innerer Unruhe. Zuviel versprechen darf man sich aber nicht. „Es ist nicht so, dass man sofort geheilt ist, wenn man von der Trance aufwacht. Das ist ein Prozess“, so Lara Kaiser. Wie lang dieser Prozess dauert, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, denn jeder reagiert anders auf die Hypnose. Manche bleiben zunächst eher an der Oberfläche und brauchen mehrere Hypnosen, damit sie so tief gehen können, wie andere schon beim ersten Mal.
Entscheidend für den Erfolg einer Hypnose ist zum einen das Vertrauen zwischen Therapeut und Klient, weshalb das Kennenlernen in Vorgesprächen ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist. Zum anderen setzt die menschennahe Arbeit und insbesondere das verantwortungsbewusste Führen von Bewusstsein zu Unterbewusstsein beim Hypnotiseur unabdingbare Charakteristika wie Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis und Auffassungsgabe voraus.

Lara Kaiser bestätigt: „Man sollte schon sensibel sein, um auf jeden individuell eingehen zu können und die Hypnose an den Klienten anzupassen.“ Das fällt ihr aber leicht, denn die menschliche Psyche und der Umgang damit interessiert sie schon immer. Gerade innere psychische Vorgänge sowie das Erleben und Verhalten des Menschen wecken Lara Kaisers Interesse, was sie neben der Hypnose mit einer Ausbildung im Bereich der Psychologie weiter vertiefen möchte.

Ihr Umfeld reagiert meist neugierig, aber teilweise auch skeptisch auf ihren unkonventionellen Beruf. Insgesamt ist sich Lara Kaiser aber sicher, dass sich das Wahrnehmen therapeutischer Hypnosen wachsender Beliebtheit erfreut, da das generelle Interesse bezüglich alternativer Therapieansätzen und spirituellen Anwendungsbereichen ansteigt. Mit der wachsenden Nachfrage geht auch ein sich stetig vergrößerndes Angebot selbstständiger Hypnotiseure einher, doch ein Alleinstellungsmerkmal kennzeichnet sie in diesem aufblühenden Markt: Sie ist die jüngste Hypnotiseurin Deutschlands.

Die jüngste Hypnotiseurin Deutschlands: Lara Kaiser (18)

Therapeutische Hypnose als alternative Behandlungsweise

Am Ende des Gesprächs versichert Lara Kaiser mir, dass Hypnose für psychisch gesunde Menschen keine Gefahren berge. Außerdem vergewissere sich die Hypnotiseurin immer sehr genau, ob es dem Klienten gut geht und beobachte, wie er reagiert, denn beispielsweise an dessen Schluck- und Blinzelverhalten lasse sich schon einiges ablesen. Die Angst, die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren, ist unberechtigt, da man in hypnotisiertem Zustand nur das macht, was man selbst zulässt. Selbst in tiefster Trance geschieht nichts gegen den eigenen Willen.

So individuell wie der Verlauf einer Hypnose ist auch die Art, wie man den Klienten in den Trancezustand versetzt. Während in der Showhypnose oftmals die Blitzhypnose verwendet wird, in welcher der Teilnehmer von einer auf die andere Sekunde in Trance versetzt wird, geschieht dies bei der therapeutischen Hypnose auf eine weniger unvermittelte Weise. Die unterschiedlichen Arten der so genannten Tranceinduktion sind zwar nahezu grenzenlos, führen aber immer zum selben Ziel. „Sobald der Klient die Augen schließt, befindet er sich in Trance“, so Lara Kaiser. Sie selbst verwendet gerne die Fixationsmethode, bei welcher der Klient einen Punkt fixieren muss, seine Augenlider dabei immer schwerer werden, bis er sie dann letztlich schließt. Diese Induktion wird sie auch bei mir anwenden.

Bevor es dazu kommt, erfahre ich in einem Suggestionstest, wie empfänglich ich für die Hypnose bin bzw. wie bereit ich bin, mich darauf einzulassen. Hierfür strecke ich beide Arme auf Schulterhöhe horizontal zu meinem Körper von mir. Nun soll ich mir vorstellen, dass auf meiner rechten Hand immer mehr Bücher liegen und diese zunehmend schwerer wird, während links ein Heliumballon befestigt ist, der meine Hand nach oben zieht. Meine rechte Hand fühlt sich unfassbar schwer an, während ich die linke in selber Position federleicht von mir strecke. Nach einiger Zeit darf ich die Augen öffnen und stelle fest: Die rechte Hand ist viel tiefer gesunken als die linke, die sich nun weiter oben als in der Ausgangsposition befindet. Nach diesem verblüffenden Einstieg bin ich noch gespannter auf das, was mir wohl bevorsteht.

Der Weg zu meinem inneren Wohlfühlort

Ich mache es mir gemütlich, bekomme noch eine Kuscheldecke gereicht und merke, jetzt wirds ernst. Ich soll mich auf einen Punkt in Lara Kaisers Gesicht konzentrieren, ich wähle das Linke ihrer blauen Augen. Nachdem sie von drei heruntergezählt hat, schließe ich gleichzeitig zu dem Wort „Schlaf!“ meine Augen. Zunächst ertappe ich mich dabei, wie ich immer wieder abschweife und mich in Alltagsgedanken verliere. „Stell dir vor, wie alle deine Gedanken wie Wolken an dir vorbeiziehen“, höre ich ihre ruhige Stimme. Sie führt mich auf einen steinigen Waldweg, auf dem ich immer wieder Päckchen zurücklasse, die mit meinen Ängsten und Sorgen gefüllt sind.

Lara Kaiser begleitet die Klienten auf ihrer Reise
zwischen Bewusstsein und Trance.

Je länger ich mich auf diesem Weg befinde, desto bunter und detaillierter nehme ich die Welt um mich herum wahr und ich merke genau, dass ich mich immer mehr der Trance hingebe. Ich fühle, wie Lara Kaiser mich am Arm berührt, ihn lockert, und mich vorwarnt, dass er gleich steif und unbeweglich sein wird. Sie tippt ihn drei Mal an und tatsächlich: Mein Arm ist steif von mir gestreckt, ich bin gleichzeitig ein bisschen irritiert, weil ich ihn nicht bewegen kann. Nun soll ich all meine negativen Gefühle in ihn fließen lassen. Ich spüre, dass er immer voller wird, doch obwohl ich ihn schon eine gewisse Zeit von mir gestreckt habe, empfinde ich die Position nicht als anstrengend. Auf Lara Kaisers Kommando „entleeren“ sich alle negativen Gefühle und fließen aus meinem Arm heraus, der neben mich sinkt und sich wieder entspannt.

Der Waldweg führt weiter zu einem bunten Licht. „Das Licht leuchtet in deiner ganz persönlichen Farbe. Du kannst es spüren und sogar einatmen.“ Hinter diesem Licht befindet sich mein Wohlfühlort. Das zweite Mal des Tages also, an dem ich mich von Lara Kaiser an einen Ort des Wohlfühlens leiten lasse. Nur diesmal befindet er sich in mir selbst und besteht aus einer großen, grünen Wiese und einem blauen See mit kristallklarem Wasser.

Lara Kaiser beschreibt die Umgebung auf eine Art und Weise, dass in mir ganz deutliche Bilder entstehen, die ich mit allen Sinnen wahrnehme. Ich kann genau spüren, wie sich das Gras unter meinen Füßen anfühlt und wie die Sonnenstrahlen meinen ganzen Körper mit Wärme erfüllen. Die Wurzeln an meinen Füßen sollen mir Kraft und Stärke geben und indem ich in das kühle Wasser eintauche, tanke ich Gesundheit und Energie. Dann beginnt der Aufwachprozess und ab dem Moment, als ich die Augen öffne, realisiere ich erst, dass diese sanfte Stimme, die mich gerade so souverän durch mein Unterbewusstsein geführt hat, einer Frau gehört, die erst 18 Jahre alt ist. Ich bin beeindruckt.

Erfahrung einer „alternativen“ Welt

Die Hypnose habe ich als kontrollierten Kontrollverlust empfunden, zu welchem man sich bewusst entscheidet und der tatsächlich die Tore zu einer „alternativen“ Welt öffnet. Nachdem ich mich in Lara Kaisers vertrauensvolle Hände fallen lassen habe, wurde ich mit einem Zustand tiefster Entspannung belohnt. Ich habe mich von der Stimme, die ich gehört habe, treiben und mitnehmen lassen und die Worte in ganz persönlichen, bunten Bildern visualisiert. So haben sich mir im Geist neue Wege geöffnet, die eine extreme Ruhe aber auch Energie freisetzen können. Das Beste ist, dass ich auch langfristig etwas von der Hypnose mitnehmen kann. Denn Lara Kaiser hat mir den Weg geleitet zu einem inneren Wohlfühlort der Erholung, zu dem ich jederzeit zurückkehren und meine Energiereserven auftanken kann.


Text: Chiara Schmid
Fotos: Theresa Baumhauer