Immaterielles Kulturerbe für das „Gedenken an die Aidenbacher Bauernschlacht von 1706“?

Bewerbungsformular des Marktes Aidenbach mit seinen Tradtitionsvereinen eingereicht

AIDENBACH | 30. NOVEMBER 2021


Im Rahmen bundesweit einheitlicher Bewerbungsphasen besteht alle zwei Jahre die Möglichkeit, eine Bewerbung zur Aufnahme ins Verzeichnis der UNESCO „Immaterielles Kulturerbe“ beim Bayerischen Heimatministerium einzureichen. Aufgenommen werden lebendige Traditionen, die einer Gemeinschaft ein Gefühl von Kontinuität und Identität vermitteln.

Für die diesjährige Bewerbungsrunde hat sich der Markt Aidenbach dazu entschlossen, das „Gedenken an die Aidenbacher Bauernschlacht von 1706“ in seiner Gesamtheit zur Annerkennung als IKE in den Ring zu werfen.


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Haben die vielfältigen Gedenkveranstaltungen, über Generationen hinweg, mit dem Festspiel ‚Lieber bairisch sterben... Aidenbach 1706‘ eine Chance, die begehrte Auszeichnung zu bekommen? | Foto: Toni Scholz

Für die diesjährige Bewerbungsrunde hat sich der Markt Aidenbach dazu entschlossen, das „Gedenken an die Aidenbacher Bauernschlacht von 1706“ in seiner Gesamtheit zur Annerkennung als IKE in den Ring zu werfen. „Wir sind davon überzeugt, dass die vielfältigen Gedenkveranstaltungen über Generationen hinweg, mit dem Festspiel ‚Lieber bairisch sterben... Aidenbach 1706‘ als lebendigen, aktuellen Höhepunkt, eine Chance haben, die Auszeichnung zu bekommen“, so der Bürgermeister. Für die professionelle Formulierung und inhaltliche Ausschmückung konnte die Marktgemeinde Dr. Wilfried Hartleb, den ehem. Kulturreferenten des Landkreises und jetzigen Kreisheimatpfleger, als federführenden Berater gewinnen. Ihm zur Seite gestellt wurde ihm seitens der Gemeinde Stephanie Loibl, die ihm medial unter die Arme griff und das Bild-, Ton- und Archivmaterial für die Bewerbung aufbereitete.

Recherchiert wurde vor allem im reichen Erfahrungsschatz der involvierten Vereine und auch diverser Einzelpersonen, die zur Geschichte des Gedenkens an die Bauernschlacht und vor allem zum Festspiel Angaben machen konnten. Auch die Archivarin Gisela Stadler wurde mit einbezogen und im von Nikolaus Arndt erstellten Pamler Archiv gestöbert. „Ich bin ganz begeistert von der tief verwurzelten Gedenkkultur in Aidenbach und Umgebung“, so Herr Dr. Hartleb. Beim Ausfüllen des Bewerbungsformulars stießen die Bearbeiter bei den Formulierungen aber an Grenzen: „Wir konnten die Fülle an Informationen nur sehr schwer auf die wenigen erlaubten Zeichen in den Eingabefeldern zusammenkürzen“, bedauerte Stephanie Loibl, „Das war eine mehrere Tage füllende Herausforderung.“ Hilfestellung erhielten sie von Dr. Helmut Groschwitz vom Institut für Volkskunde, der ihnen sehr freundlich und wohlgesonnen zahlreiche konstruktive E-Mails schickte. Die wissenschaftlichen Begleitschreiben zur Bewerbung verfassten die Professorinnen Dr. Britta Kägler (Professur für Bayerische Landesgeschichte und europäische Regionalgeschichte an der Uni Passau) und Dr. Hannelore Putz (Archivdirektorin des Archivs des Bistums Passau und Professorin an der LMU München).

„Wir sind guter Dinge“, so die Anwesenden beim Unterschriftstermin im Rathaus, „Aber auch wenn wir nicht ins bayerische oder internationale Verzeichnis des IKE aufgenommen werden würden, sind wir stolz auf unser Aidenbacher Bauernschlachtgedenken.“ Dr. Hartleb betonte in einem kurzen Vortrag, dass in der Liste der Immateriellen-Kulturerbe-Inhaber für Niederbayern eine große Lücke besteht; lediglich die Goldhaubentradition im Passauer Land hatte, aufgrund seines damaligen Antrages, mit ihrer Bewerbung Erfolg. Er sieht gute Chancen für Aidenbach ebenso aufgenommen zu werden, denn es handele sich hier um echte bayerische Geschichte.

Unterschrieben haben den Aidenbacher Antrag neben dem Bürgermeister und Stephanie Loibl als Vertreter des Marktes Aidenbach, der Kultur- und Festspielverein in persona der 1. Vorsitzenden Nicole Plattner, der Bayer. Patriotische Verein Aidenbach mit Geschäftsführer Norbert Cyllik, für die Aidenbacher Bauernkämpfer hat der 1. Vorstand Jürgen Lottner unterschrieben und für den Theaterverein „Die vom Reschndobl“  in Vertretung von Uli Schütz (1. Vereinsvorsitzende) Michael Spiel.

Wann die Entscheidung über die Aufnahme ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes getroffen wird seitens der übergeordneten Stellen, ist noch nicht ganz klar. Vermutlich wird im Laufe des Frühjahrs 2022 darüber entschieden.