INNSIDE Innterview

City Marketing Passau: "Wir bieten vieles, was der Online-Handel gar nicht leisten kann"

Die Fragen stellte Claudia Saller

ZAHLENMÄSSIG STEHT DIE EINKAUFSSTADT PASSAU LAUT DEN NEUESTEN ZAHLEN DES IHK-HANDELSATLAS HERVORRAGEND DA. SOWOHL BEI DER EINZELHANDELSKAUFKRAFT WIE AUCH BIEIM EINZELHANDELSUMSATZ FINDET SICH PASSAU IM NIEDERBAYERISCHEN VERGLEICH BEI DEN SPITZENREITERN.
INNSIDE FRAGTE BEIM VORSTANDSVORSITZENDEN VON CITY MARKETING PASSAU, ANDREAS ROTHERUND DER NEUEN GESCHÄFTSFÜHREREIN ELISABETH SALWICZEK NACH, OB DIE HERVORRAGENDEN ZAHLEN DIE REALITÄT BEI DEN EINZELHÄNDLERN WIEDERGEBEN ODER OB DOCH HIN UND WIEDER DER SCHUH DRÜCKT.

Herr Rother, wie weit entsprechen diese
hervorragenden Zahlen der Realität?

Andreas Rother: Je nachdem, welche Parameter man heranzieht, können Statistiken und  Zahlen  unterschiedlich interpretiert werden. In diesem Fall entsprechen die Zahlen auf jeden Fall der Realität. Die Einpendler, die auch aus einem größeren  Umkreis jeden Tag zu uns kommen, beweisen, dass die Zahlen nicht lügen. Passau ist eine sehr schöne und liebenswerte Stadt, in der es sich gut leben und auch einkaufen lässt.

Sind es die „Big Player“, die die Zahlen nach oben treiben oder ist das Verhältnis zwischen den großen Händlern und den kleinen Geschäften ausgewogen?
Andreas Rother: Die großen Handelshäuser ziehen  sicherlich Kunden nach Passau. Im Gegensatz zu manch anderen „kleineren“ Orten, die bei dem Ranking ebenfalls weit oben zu finden sind, sind es in Passau die vielen verschiedenen Fachhändler und Handwerker, die mit ihrem breit gefächertem Angebot die Menschen zum Einkaufen nach Passau führen.

DIE MARSCHRICHTUNG
FESTLEGEN

Frau Salwiczek, seit 1. Juli sind Sie Geschäftsführerin von CMP. Was wollen Sie verändern und was von dem Altbewährten beibehalten?
Elisabeth Salwiczek: Das ist letztlich nicht meine  Entscheidung. Unsere Mitglieder machen täglich die Erfahrung, was funktioniert und was weniger gut ist. Sie sind es, die gemeinsam entscheiden und Impulse geben, wo der Weg hinführt. Ich sehe es als meine Aufgabe, den Mitgliedern zuzuhören, Kompromisse zu finden und zu
sehen, was am Ende auch umsetzbar ist. Ich habe
in der kurzen Zeit versucht, so viele Betriebe wie möglich kennenzulernen. Auf jeden Fall werden wir wieder Arbeitsgruppen bilden und regelmäßige Treffen mit den Gassensprechern organisieren, um so die Marschrichtung festzulegen.

IMMER MEHR
FILIALISTEN

Die Einzelhandelslandschaft in Passau wird immer mehr von Filialisten geprägt. Bringen sich diese Händler in die Gemeinschaft ein und findet hier eine Zusammenarbeit statt?
Elisabeth Salwiczek: Ich möchte natürlich so viele Filialisten wie möglich mit ins Boot holen, wir werden sehen, in wie weit sich die Filialleiter hier überhaupt einbringen dürfen, wie die Strategie der jeweiligen Konzernzentrale ist; und natürlich kommt es auch auf die Einstellung der einzelnen Geschäftsführer an, wie weit
sie sich engagieren wollen.

Herr Rother, wie hat sich das in der Vergangenheit dargestellt?
Andreas Rother: Bei den Filialisten war es schon immer schwierig, es gibt meistens von oben die Maßgabe, keine Mitgliedschaft bei regionalen Einkaufsgemeinschaften einzugehen. Trotzdem gibt es Gott sei Dank noch Filialleiter die sich dennoch für Passau und den Handel einsetzen, der Großteil hält sich jedoch raus, was für das
Citymarketing sehr schade ist. Wir unterstützen vordergründig schon unsere Mitglieder, aber im Allgemeinen ist es wichtig und nötig, dass die Einkaufsstadt Passau als Ganzes attraktiv ist. Und von diesem Einsatz für Passau profitieren dann auch die Filialisten, die sich nicht beteiligen.

Was würden Sie einem kleinen StartUp empfehlen, das in Passau einen Einzelhandel eröffnen will?
Elisabeth Salwiczek: Das Allerwichtigste ist
Kommunikation und ein funktionierendes Netzwerk, der Austausch mit den Mitbewerbern – am einfachsten geht das natürlich über die Mitgliedschaft beim CMP.

DEM ONLINE-HANDEL
DIE STIRN BIETEN

In der heutigen Zeit kommt man am Online-Handel nicht mehr vorbei. Herr Rother, Sie betreiben selbst zwei Geschäfte in Passau, ist der stationäre Handel gerüstet, um der Digitalisierung die Stirn zu bieten?
Andreas Rother: Der stationäre Handel bietet vieles, was der Online-Handel gar nicht leisten kann. Darauf müssen wir uns konzentrieren: dem Kunden durch eine Wohlfühlatmosphäre ein Einkaufserlebnis bieten. Wir vom CMP haben die Aufgabe, dies in der Stadt umzusetzen, aber jeder einzelne Händler muss das auch in seinem Geschäft bieten. In meinen Geschäften ist es oberste Prämisse, dass der Kunde mindestens einmal gelacht hat, bis er den Laden verlassen hat. Der Online-Handel ist ohne Zweifel eine große Konkurrenz, aber wenn wir die Freundlichkeit, den Service, die Menschlichkeit in den Vordergrund stellen, hat der stationäre Handel immer seine Daseinsberechtigung.

IN PUNKTO GEMÜTLICHKEIT GIBT ES DEFINITIV
NOCH LUFT NACH OBEN

Was kann man in Bezug auf die Aufenthaltsqualität in der Fuzo verbessern? Würde etwas mehr Grün und weniger Beton noch mehr Menschen nach Passau zum
Einkaufen locken?

Andreas Rother: Vor 10, 12 Jahren ist man dazu übergegangen, den Innenstadtbereich zu „entramschen“ und freier zu machen, das war die damalige Linie und auch sehr gut so. Gerade im letzten Jahr haben wir aber schon versucht, das ganze wieder etwas mehr zu begrünen, in Punkto Gemütlichkeit gibt es definitiv noch Luft nach oben. Hier gilt es für uns, verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen, viele wollen
Bänke und Grün in der Fuzo, aber natürlich sollen dabei die Schaufenster nicht verstellt werden und es soll sich harmonisch einfügen.
Elisabeth Salwiczek: Ich glaube, dass es auch möglich ist, mit vielen kleinen Dingen etwas zu machen, was einen tollen Effekt erzielt. Man muss das Rad nicht neu erfinden, sondern mit offenen Augen durch die Städte gehen, da finden sich viele gute Inspirationen.

Wie sehen Sie als Einzelhändler und als Marketing-Profi die Forderung nach einer Erweiterung der Ladenöffnungszeiten, gerade sonntags?
Elisabeth Salwiczek: Die bestehenden Ladenöffnungszeiten, auch mit den maximal vier
Sonntagsverkäufen, reichen meiner Meinung nach vollkommen aus. Ich glaube, auch für den Konsumenten ist es schön, einen verkaufsoffenen Sonntag mit dem entsprechenden Rahmenprogramm als Event zu erleben. Das Besondere an den Einkaufssonntagen sollte erhalten bleiben.
Andreas Rother: Eine Kernöffnungszeit ist sicherlich erstrebenswert. Für den Filialisten ist es in der Regel auch kein Problem, sein Geschäft 12 Stunden täglich mit Personal zu bestücken, der greift auch gerne auf 450-EUR-Kräfte zurück. Für den kleinen Händler und Handwerker ist es jedoch sehr schwierig, sein Geschäft von 8 – 20 Uhr mit Fachkräften zu besetzen. Von einer generellen Freigabe der Ladenöffnungszeiten würde ich
absehen, davon würden ausschließlich die großen
Einzelhandelsketten profitieren.

Am Schluss wollen wir auch Ihnen die INNSIDE-Flussfrage stellen: Mit welchem Fluss können Sie sich am ehesten identifizieren?
Andreas Rother: Mit der Donau! Ich bin ein Hacklberger, meine Großeltern und meine Eltern hatten ein Haus direkt an der Donau. Die ruhige Donau, bei der alles zusammen läuft, ist mir als tiefenentspanntem Menschen am nächsten.
Elisabeth Salwiczek: Ich verbinde mit allen drei Passauer Flüssen schöne Erinnerungen: ich habe lange am Inn gewohnt, für die Donau habe ich lange gearbeitet und in der Ilz gehe ich gerne zum Baden. Alle drei Flüsse gehören zu Passau und machen Passau aus und deshalb möchte ich mich gar nicht für einen entscheiden, ich habe alle drei sehr gern.

WIR DANKEN EUCH FÜR DAS GESPRÄCH

VITA
ANDREAS ROTHER

Nach dem Abitur in Passau und dem Mathematik-Studium in Regensburg
wechselte Andreas Rother in die Augenoptik,
wo er sich nach Ablegen der Meisterprüfung und bestandener Prüfung zum technischen Fachwirt in Passau mit zwei Augenoptik- und Hörgerätegeschäften selbständig machte.
Dabei sind ihm Netzwerke immer sehr wichtig und daher folgte 2012 die Wahl zum Vorstand und 2015 zum Vorstandvorsitzenden des Citymarketing Passau.
2016 wurde er zum Ortsvorsitzenden des Bayerischen Handelsverbandes gewählt.
Seit 2008 sitzt Andreas Rother im Passauer Stadtrat und ist in vielen Passauer Vereinen engagiert.

VITA
ELISABETH SALWICZEK

Nach dem Abitur am Johannes-Gutenberg-Gymnasium Waldkirchen
studierte Elisabeth Salwiczek
Medien und Kommunikation an der Universität Passau.
Im Anschluss absolvierte sie ein Volontariat bei der Passauer Neuen Presse.
Weitere berufl iche Stationen führten sie vom Concertbüro Forster in Passau
über die Grenzkraftwerke GmbH in Simbach am Inn
unter anderem auch nach Oberösterreich ins Brucknerhaus Linz,
wo sie die Unternehmenskommunikation
verantwortete,
sowie zu den Festspielen Europäische Wochen Passau.