INNSIDE Innterview: Alexander und Lorenz Maier

Über den Klimawandel, alternative Antriebe, neue Technologien und Konzepte sowie einen innovativen und nachhaltigen Weg in die Zukunft


SEIT 100 JAHREN VERSORGT MAIERKORDULETSCH ALS

KLIMANEUTRALES UNTERNEHMEN DIE REGION

BEREITS IN DER VIERTEN GENERATION

MIT STROM, WÄRME UND MOBILITÄT


Die Fragen stellte Claudia Saller

Lorenz Maier (li.), Geschäftsführer und Alexander Maier, Geschäftsführender Gesellschafter des Energiedienstleisters MaierKorduletsch
auf den Dächern des klimaneutralen Logistikzentrums in Pleinting


Ihr in Vilshofen an der Donau ansässiger Betrieb blickt mittlerweile auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurück. Welche Ereignisse waren prägend für das Unternehmen Maier Korduletsch?
ALEXANDER MAIER: In erster Linie haben die Generationenwechsel, wir befinden uns momentan beim 3. Wechsel in die 4. Generation, das Unternehmen MaierKorduletsch geprägt. Alle Generationenwechsel fanden innerhalb der Familie Maier statt und alle sind gelungen.
Ein weiteres prägendes Ereignis war eine Fusion im Jahr 2002. Die Maier Mineralöle GmbH und die Fritz Korduletsch GmbH führten ihre Produkte und Leistungen unter einem Dach zusammen. Seit 2003 befindet sich das Unternehmen zu 100 % im Besitz der Familie Maier.
Ein Meilenstein in unserer Firmengeschichte ist sicherlich auch der in diesem Jahr vollzogene Umzug in eine neue Firmenzentrale oder die Inbetriebnahme unseres neuen klimaneutralen Schmierstofflagers im Jahr 2017 und des Logistikzentrums im Jahr 2018 in Pleinting.
Ein Ereignis, auf das wir keinen Einfluss hatten, das die Firma jedoch sehr geprägt hat, war die Einführung der sogenannten Ökosteuer von Rot/Grün vor 20 Jahren, die den Treibstoff in der Bundesrepublik im Gegensatz zum benachbarten Ausland
erheblich verteuerte und damit den Tanktourismus vorantrieb. Viele Mitbewerber konnten dies nicht kompensieren und sind vom Markt verschwunden, was für den Kunden eine geringere Auswahlmöglichkeit zur Folge hat, d. h. der Markt wurde dadurch
geschwächt. Gleichzeitig ist der CO2-Ausstoß durch die zusätzlichen Tankfahrten nach Österreich angestiegen.

Sie bezeichnen sich selbst als „Klimaneutrales Unternehmen“. Können Sie uns kurz erklären, wie ein Energielieferant nachhaltig und klimafreundlich handeln kann?
ALEXANDER MAIER: Als Unternehmen handeln wir klimaneutral. Die Ressourcen, die wir einsetzen, LKWs, Gebäude usw. stellen wir klimaneutral. Für jedes Kilogramm CO2, das wir ausstoßen, kaufen wir Klimazertifikate. Der Erlös aus diesen „Verschmutzungsrechten“ fließt in Projekte, mit denen
effizient CO2 vermieden wird, zum Beispiel die Errichtung von Wasserkraftwerken oder Windrädern, vordergründig in Entwicklungsländern.
LORENZ MAIER: Das klimaneutrale Handeln durch den Kauf von Klimazertifikaten ist ein ähnlicher Ansatz, wie er jetzt politisch mit dem Emissionshandel diskutiert wird. Nicht nur wir als Unternehmen handeln so klimaneutral, wir bieten auch unseren Kunden an, ihren durch die Brennstoffe verursachten CO2-Ausstoß freiwillig zu kompensieren. Leider ist die Bereitschaft dazu nur sehr gering und liegt im einstelligen Prozentbereich.
Des Weiteren bieten wir qualitativ hochwertige und somit effiziente sowie additivierte Brennstoffe an. Auch arbeiten wir mit Partnern zusammen, die eine sehr engagierte Produktentwicklung betreiben, wie z. B. im Bereich des verflüssigten Erdgases oder beim Wasserstoff .
ALEXANDER MAIER: Ein weiteres Gebiet, auf dem wir nachhaltig und klimafreundlich handeln, ist die Einführung des Mehrwegsystems für Schmierstoffe vor fast 25 Jahren. Das von uns entwickelte OILTAINER SYSTEM®, ein mit dem Blauen Engel ausgezeichnetes Mehrwegfass, vermeidet jedes Jahr 50 Tonnen an Problemmüll und Restmengen bei der Schmierstoffbewirtschaftung.

Mit Greta Thunberg geht eine ganze Generation auf die Straße, um eine konsequente Klimapolitik zu fordern. Welche Parole würde auf Ihrem Schild bei einer Freitags-Demo stehen?
LORENZ MAIER: Diese Bewegung gibt meines Erachtens die richtigen Impulse vor, die Politik darf sich dadurch aber nicht zu Kurzschlussreaktionen hinreißen lassen, der Ansatz muss technologieoffen bleiben und wirtschaftlich tragbar sein. Auf meinem Schild steht deshalb: „Klimaschutz mit Technologieoffenheit“.
ALEXANDER MAIER: Politische Änderungen zu fordern ist leicht, aber die Frage ist, ob wir das Klima schützen können, ohne etwas an unserem Lebensstil zu verändern. Im Moment wird durch technische Lösungen versucht, die Emissionen zu verringern, aber solange nicht jeder einzelne bei sich anfängt und die Verantwortung trägt, wird das nicht gelingen. Deshalb lautet meine Parole: „Ich fordere keine Klimapolitik sondern ein kollektiv-nachhaltiges Verhalten“.

Ihr Unternehmen betreibt ca. 40 Tankstellen in der Region, wollen Sie diese in Zukunft noch ausbauen oder erweitern Sie Ihr Portfolio um E-Zapfsäulen oder gar Wasserstoff-Tankstellen?
LORENZ MAIER: Bei den E-Zapfsäulen muss die Infrastruktur mit Schnellladesäulen ausgebaut werden. Da die Bereitstellung der dafür benötigten Energie durch den Netzbetreiber sehr aufwändig ist, mit eigenen Trafos usw., sind die Investitionssummen enorm hoch. Als erste Tankstelle rüsten wir derzeit eine Tankstelle in München mit einer Schnellladesäule auf, jedoch möchten wir das eher als Prestigeprojekt bezeichnen. Solange es nicht genügend Fahrzeuge gibt, die hier überhaupt tanken können, ist das nicht wirtschaftlich zu betreiben. Zudem ist aktuell nur ein kleiner Teil der E-Fahrzeuge überhaupt dafür geeignet, an einer Schnellladesäule aufzuladen.
ALEXANDER MAIER: Die Politik in Deutschland legt meist nicht nur das Ziel fest, sondern auch den Weg dahin. Bei dem Thema „Alternative Antriebe“ wurde der Weg über batterieelektrische Antriebe definiert. Wir vertreten den Standpunkt, dass man den Weg technologieoffen gehen muss und einen Wettbewerb zwischen den verschiedensten Technologien zulassen muss. Nur so werden wir zeitnah eine Lösung haben, die sich global durchsetzen wird, weil sie die beste ist.
LORENZ MAIER: Die Entwicklung von Brennstoffzellen für einen Wasserstoff-Antrieb steht im Gegensatz zur Entwicklung von Akkus noch ziemlich am Anfang, bietet aber nach Expertenmeinung ein hohes Potential. Aber egal, von welchen alternativen Antrieben wir sprechen, solange man die ursprüngliche Energieerzeugung nicht zu 100 Prozent neutral stellt, wird das Klima auf diesem Planeten belastet.
ALEXANDER MAIER: Was man aber bei der ganzen Diskussion um E- oder Wasserstoffantriebe nicht außer Acht lassen darf, sind E-Fuels, synthetische Kraftstoffe, die mittels Strom aus Wasser und CO2 hergestellt werden. Wird das CO2 aus der Atmosphäre entnommen und verwendet man zur Herstellung Strom aus regenerativen Quellen, können Verbrennungsmotoren damit klimaneutral angetrieben werden. Der ganz große Vorteil dabei: die vorhandene Infrastruktur kann dafür ohne zusätzlichen Aufwand genutzt werden. Was für eine rentable Vermarktung Voraussetzung ist, ist eine großtechnische Produktion und die Anpassung des Steuersatzes.

Stellen Sie sich vor, Sie wären Bundesverkehrsminister, wie würden Sie die geforderte Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes realisieren?
ALEXANDER MAIER: Drei Dinge: Erstens würde ich den Wettbewerb unter den verschiedensten Technologien fördern, statt nur auf ein Pferd zu setzten. Zweitens würde ich die konsequente Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene fordern und drittens würde ich ein Tempolimit auf Autobahnen einführen, ein kostenloses Mittel, um unmittelbar CO2 einzusparen.
LORENZ MAIER: Ich würde auf jeden Fall den Gleisausbau und den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs vorantreiben, und vor allem, wenn ich ein Verkehrsminister aus der Region
wäre, würde ich den zweigleisigen Ausbau zwischen Landshut und Plattling vorantreiben.

Die Große Koalition legt ein Klimaprogramm vor, das die Einhaltung der Klimaziele bis 2030 sicherstellen soll. Darin enthalten ist ein CO2-Preis im Energie-, Gebäude und Verkehrssektor sowie ein Verbot des Einbaus neuer Ölheizungen ab dem Jahr 2026, sofern “eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist”. Wie ist Ihre Meinung dazu?
ALEXANDER MAIER: Die Bundesregierung hat angekündigt, dass Öl-Brennwertkessel weiterhin erlaubt sein sollen, wenn sie gemeinsam mit Solarthermie oder einer Wärmepumpe betrieben werden. Das ist vernünftig, da nicht überall die Möglichkeit besteht, auf klimaneutrale Lösungen umzusteigen. Eine gute Alternative sind hier auch Holzpellets, jedenfalls besser als Erdgas, welches ja auch fossil ist.
Die Milliarden aus der Lkw-Maut müssen zur Finanzierung umweltfreundlichen Verkehrs also vor allem der Schiene freigegeben werden und nicht nur in den Bau von Autobahnen
investiert werden. Dafür brauchen wir eine Änderung des Bundesfernstraßenmautgesetzes, ansonsten ist der CO2-Aufschlag bei der Lkw-Maut Pseudo-Klimaschutz.
LORENZ MAIER: Gerade bei der Wärmeerzeugung muss man sich beinahe jeden Einzelfall genau ansehen, da sind pauschale Aussagen oder sogar Verbote bestimmter Technologien nicht zielführend. Die Effizienz von modernen Brennwertheizungen ist (theoretisch >100%) viel höher als bei jeder anderen Nutzung von fossilen Energieträgern. Es gibt keinen anderen Anwendungsbereich (z.B. Verkehr, Stromerzeugung) wo man eine annähernd effiziente Nutzung der eingesetzten Energie (flüssige
Energieträger, Gas) erreicht.
Entscheidend ist, bei der Stromerzeugung ambitionierte Ziele vorzugeben, denn wenn 2030 auch noch 35% der Stromerzeugung von fossilen Energieträgern stammen, ist das
immer noch zu viel, verglichen mit anderen europäischen Ländern. Bis dahin helfen uns beispielsweise Elektroautos oder Wärmepumpen nicht ausreichend, den CO2 Ausstoß in Deutschland zu senken.

Sie wurden vor kurzem von ExxonMobil als bester Schmierstoffhändler Europas 2018 ausgezeichnet. Welchen Stellenwert haben solche Auszeichnungen für ein Vilshofener
Familienunternehmen?
LORENZ MAIER: Wir sind schon stolz über diese Auszeichnung eines weltweit agierenden und führenden Unternehmens, zeugt sie doch von der qualitativ hochwertigen Arbeit unseres Teams. Sie ist Bestätigung und gleichzeitig ist sie auch Ansporn.

Blicken wir in die Zukunft, wo sehen Sie in 30 Jahren unsere Gesellschaft, unsere Region und Ihr Unternehmen?
ALEXANDER MAIER: Ich wäre schon froh, wenn ich wüsste, was in 10 Jahren ist, wenn man bedenkt, dass vor gerade mal dieser Zeit das erste iPhone auf den Markt kam und man die digitale Entwicklung seither betrachtet. Aber ich kann sagen, was ich mir wünsche: Ich hoffe, dass die zunehmende Spaltung der Gesellschaft aufgehalten wird zwischen arm und reich, gebildet und weniger gebildet, vermeintlich gut und vermeintlich schlecht. Wir haben gemeinsam etwas zu bewahren und sollten einen gemeinsamen Nenner finden.
Für unser Unternehmen hoffe ich, dass wir in den nächsten Jahren einen Kurs finden, wie wir durch eine Anpassung unseres Geschäftsmodells weiterhin die Verantwortung für unsere Mitarbeiter wahrnehmen können.

Wie immer, am Ende eines jeden Innterviews, unsere Flussfrage: In welchem Fluss erkennen Sie sich wieder und wieso?
ALEXANDER MAIER: Die Isar, sie ist am Anfang so klar und wild und wird am Ende immer ruhiger, bis sie sich in die Donau ergießt und vergeht.
LORENZ MAIER: Der Sankt-Lorenz-Strom in Kanada, weil er meinen Namen trägt.


Die Geschäftsführung des Energiedienstleisters MaierKorduletsch
v. l. Johann Berger, Lorenz Maier und Alexander Maier