INNSIDE Innterview: Alois Hartl

VOM LUFTKURORT ZUM GRÖSSTEN GOLFRESORT EUROPAS

Vor 47 Jahren, am 6. Dezember 1973 stieß man in der kleinen, nach der Gebietsreform unbedeutend gewordenen Stadt Griesbach in 1.522 Metern Tiefe auf 60 Grad heißes Wasser. Dieser Tag markiert den Beginn der Erfolgsgeschichte des Kurortes Bad Griesbach.


In Auftrag gegeben hat die Bohrung der Jurist Alois Hartl, Geschäftsführender Gesellschafter, ein Visionär und Vordenker, der nicht nur durch die Thermalwasserbohrung und den Betrieb diverser Hotels zum Vorreiter Bad Griesbachs wurde, er hat durch die Errichtung des 18-Loch-Meisterschaftsplatzes in Sagmühle im Jahr 1988 auch den Golfsport in Bad Griesbach etabliert.

Die Fragen stellte Claudia Saller


Herr Hartl, wie kamen Sie damals, vor fast 50 Jahren, auf die Idee in Griesbach nach Thermalwasser zu bohren?
Ausgangspunkt war die Gebietsreform, Griesbach verlor den Status der Kreisstadt und somit viele Arbeitsplätze und die finanzielle Basis. Der damalige Landrat von Griesbach, Hans Winkler, hatte aufgrund der Nähe zu Bad Füssing die Idee, nach Thermalwasser zu bohren. Daraufhin kaufte mein Vater ca. 600.000 m² Grundstücksfläche, die Bohrung sollte durch Eduard Zwick vorgenommen werden. Da dieser jedoch überraschenderweise ablehnte, wurde eine Gesellschaft gegründet mit Dr. Fischer, Chefarzt aus Passau, meinem Vater und mir. Als geschäftsführender Gesellschafter habe ich dann die Bohrungen durchgeführt und wir hatten Glück, am Nikolaustag 1973 stießen wir auf Thermalwasser. Dann ging alles ziemlich schnell, schon 1976 eröffnete das erste Hotel, der Summerhof.

Sie haben sich damals Geld geliehen, um das Gelände zu kaufen und die Bohrungen durchzuführen, wie groß war das Risiko?
Ganz am Anfang war das Risiko überschaubar, da ja angedacht war, die Grundstücke an Herrn Zwick weiterzuverkaufen, der ja auch die Bohrungen machen sollte. Erst als uns dieser eine Absage erteilte, wurde das Risiko praktisch unkalkulierbar. Aber man kann nicht gewinnen, wenn man daran denkt, dass man verlieren könnte. Ich habe immer daran geglaubt, dass es funktioniert.

Hatten Sie einen Plan B, falls die Bohrungen erfolglos gewesen wären?
Es gibt ja hier im Rottal und im Innviertel die Innviertler Gasbrunnen, Grundlage für die Entstehung der Kurorte Bad Höhenstadt und Pilzweg. Diese Heilquellen haben hier sehr lange Tradition, man hat mit dem schwefelhaltigen Wasser die Augen ausgewaschen. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, ist aber im Vergleich zu dem, was wir hier durch das Thermalwasser aufgebaut haben, unbedeutend.

Die Gesundheitsreform hat den Kurorten landesweit sehr zugesetzt, welche Anstrengungen waren und sind noch nötig, um die fehlenden ärztlich verordneten Kuren zu kompensieren?
Bad Füssing hatte in den besten Zeiten 3,4 Millionen Übernachtungen, jetzt sind es ca. 2,4 Millionen. Bei uns in Bad Griesbach haben sich die Übernachtungszahlen von 1.350.000 auf jetzt wieder 1 Million reduziert. Für den Landkreis Passau ist es sensationell, dass mit Bad Füssing und Bad Griesbach zwei Orte im Bayerischen Tourismusranking auf Platz 1 und 4 stehen, wenn man den Städtetourismus herausrechnet. Da sich die Verweildauer aber dramatisch reduziert hat, brauchen wir immer mehr Gäste. Darin begründet sich auch das finanzielle Problem der Kurorte. Die Infrastruktur ist ausgelegt auf die damaligen Übernachtungszahlen, früher hatten wir eine Belegung von ca. 90 Prozent, derzeit kämpfen wir mit 70 Prozent Belegung. Ich fürchte, die Folgen der Gesundheitsreform können auch mit sehr viel Anstrengung nicht ganz kompensiert werden.
Dazu kommt auch noch die Marktverzerrung in der Reisebranche. Wenn ein Flug nach Mallorca 34 Euro kostet und allein die Taxifahrt von Passau nach Bad Griesbach 40 Euro, kann man den Menschen nicht böse sein, wenn sie nach Mallorca fliegen.
Was für das Bäderdreieck sehr wichtig ist, ist der schnelle Ausbau der A 94. Damit rücken wir, von der Entfernung her, an München ran, ähnlich wie Garmisch oder Kitzbühel und können diesen Markt erschließen.

Wie kam es dazu, den ersten Golfplatz zu errichten?
Franz Beckenbauer ist seit 40 Jahren ein guter Freund von mir. Zum Golf spielen sind wir immer nach Pfarrkirchen gefahren. Andere Regionen haben Berge oder Seen, wir in Bad Griesbach hatten nur viel Landschaft. Ausgangspunkt war auch hier wieder Bad Füssing. Dort wollte man in den Inn-Auen einen Golfplatz errichten, aber das war wenig sinnvoll, da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Und so trafen wir mit Bad Füssing die Absprache, dass dort ein Golfplatz errichtet werden sollte, wo zuerst die Grundstücke dafür zur Verfügung standen. Da hatten wir die Nase vorne, und so wurde der Bad Füssinger Golfplatz in Bad Griesbach gebaut.
Ich war damals auch der Meinung, man müsse den Golfsport für alle Menschen zugänglich machen und habe mir durch die niedrigen Preise nicht nur Freunde gemacht. Nur Franz Beckenbauer und Bernhard Langer sind hinter mir gestanden. Heute weiß ich, dass die Entscheidung richtig war, wir haben den größten Golfclub Europas mit 4.500 Mitgliedern.

Wie entstehen Ihre Ideen und woher nehmen Sie den Mut und die Kraft, diese umzusetzen?
Mein Mut ist sicherlich ein Geschenk Gottes. Es ist wie beim Reiten, wenn das Pferd vor dem Hindernis steht aber der Reiter sein Herz nicht hinüberwirft, dann wird das Pferd nicht springen. Man ist auf der richtigen Spur, wenn man weiß, dass man etwas bestimmtes machen MUSS, dann gibt es keinen Zweifel und kein Hadern, und dann kommt auch der Erfolg. Erzwingen kann man aber nichts, man muss auf die richtige Welle warten.

Das Quellness Golf Resort ist das größte Golfresort Europas, wie oft stehen Sie selbst auf dem Platz?
Ich versuche, in der Woche drei Mal 9 Loch zu spielen. Mit dem Golf spielen habe ich vor über 40 Jahren begonnen, ich habe auch Eishockey und Tennis gespielt, aber die einzige Sportart, die in meinem Alter noch bleibt, ist das Golfen. Hinterher kommt höchstens noch Bridge.

Welche Visionen haben Sie für die Zukunft des Kurortes Bad Griesbach?
Wir müssen als gemeinsames Rottaler Bäderdreieck werben und uns nach außen präsentieren. Es geht nicht um die einzelnen Orte, sondern um die Region. Die Politik will es so, dass wir als Mitglied im Verband „Bayerisches Golf- und Thermenland“ werben. Das ist touristisch für das Rottaler Bäderdreieck nicht sinnvoll.
Deswegen bin ich dabei, ein Modell zu entwickeln, die Besonderheit unserer Region hervorzuheben und das Rottaler Bäderdreieck bekannt zu machen. Wir sind die größte Thermalbadregion Europas und haben das größte Golfresort Europas. Wir könnten eine „Golfstraße Rottaler Bäderdreieck“ gründen, da auch Bad Füssing und Bad Birnbach Golfplätze haben. Dann gibt es noch den Haslinger Hof, das Kapfhammer Volksfest, die Donauschifffahrt von Wurm & Noé, gemeinsam könnte man da was voranbringen. Aber das muss von privater Hand umgesetzt werden. Ich starte noch einmal den Versuch, die Unternehmer aus den Orten dafür zusammenzubringen.

Mit Verlaub, Sie sind in einem Alter, in dem die meisten Menschen sich im wohlverdienten Ruhestand vom Arbeitsleben erholen, wann hören Sie zu arbeiten auf?
Für mich ist die Arbeit keine Arbeit, arbeiten ist für mich wie atmen. Die größte Strafe für mich wäre, wenn man mir die Arbeit wegnehmen würde. Ich habe mit 20 Jahren mein erstes Hochhaus gebaut, mit 22 Jahren mein erstes Elektrizitätswerk, mit 25 Jahren habe ich die Bohrungen hier durchgeführt, bin seit 55 Jahren im Geschäft. Die Zukunft, meine Tochter Victoria, sitzt mit am Tisch und ich möchte alles so bereiten, dass die nächste Generation gut weiterarbeiten kann, aber aufhören zu arbeiten, das will ich nicht. In manchen Sitzungen bin ich mit meinen 75 Jahren zwar ein Exot, aber mit meiner Energie kann ich es mit vielen Jungen noch aufnehmen.

Am Ende wollen wir auch Ihnen die INNSIDE-Flussfrage stellen: Mit welchem Fluss können Sie sich identifizieren und warum?
Ich identifiziere mich mit dem Meer. In den Urlaub fahre ich nicht so gern, aber ans Meer schon, das Meer ist, einem Spruch meiner Tochter nach, das „unverhüllte Sein“.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.