INNSIDE INNTERVIEW | DANIELA LEIPELT & MANUELA BAUHUBER

WIR SIND NICHT MIT EINEM SPASSBAD GLEICHZUSETZEN

BAD FÜSSING | 29.10.2021

Seit April dieses Jahres ist Daniela Leipelt die neue Kur- & Tourismusmanagerin in Bad Füssing. Wir haben mit ihr über ihren Start unter erschwerten Bedingungen und ihre Zielsetzungen gesprochen.

Manuela Bauhuber ist seit mehr als 20 Jahren Leiterin des VeranstaltungsServiceCenters und somit für das jährlich wiederkehrende Kulturfestival verantwortlich. Sie gab uns einen Ausblick auf die zukünftige Ausrichtung dieses Events.

Die Fragen stellte Gerd Jakobi

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Im neu gestalteten Restaurant "x'avers !" im Großen Kurhaus Bad Füssing sprachen wir mit Daniela Leipelt (m.), seit April Kur- und Tourismusmanagerin in Bad Füssing und mit Manuela Bauhuber (r.), Leiterin des VeranstaltungsServiceCenters. | Foto: C. Saller

Die Bäderorte haben in der Covidkrise ganz besonders gelitten. Wie ist die augenblickliche Situation und mit welche Hygienevorschriften müssen Besucher aus der Region rechnen?

Daniela Leipelt: Im Vergleich zu den Bedingungen, mit denen wir nach dem Neustart im Frühjahr dieses Jahres konfrontiert waren, können wir mit der derzeitigen Situation gut umgehen. Für unsere Besucher, ob in den Thermen oder bei den Kulturveranstaltungen, gilt derzeit die 3G-Regel, an der wir bis auf weiteres auch festhalten werden. Dass die Besucher für den Eintritt und Kontrollen etwas mehr Zeit einplanen müssen, hat sich mittlerweile etabliert und wird inzwischen auch von fast allen akzeptiert.

Manuela Bauhuber: Für die Sicherheit unserer Gäste ist uns kein Aufwand zu groß. Da wir im Innenbereich die Abstände einhalten müssen, kontrollieren wir natürlich die Anzahl der Besucher und die entsprechende Kontaktdatenerfassung. Für die Einhaltung der 3G-Regeln sorgt ein Security-Team. Für die geplante Wiedereinführung der Tanzveranstaltungen werden wir die identischen Regelungen einhalten, wie sie für Diskotheken und Clubs gelten, d. h. es werden zusätzlich auch die Personalausweise kontrolliert.

Frau Leipelt, Sie sind nun ein halbes Jahr als Kurdirektorin im Amt. Was konnten Sie trotz der Krisensituation für Bad Füssing verwirklichen und wohin geht die Reise für Europas beliebtestes Kurbad?

Daniela Leipelt: Mein Start im April war etwas surreal, der gesamte Kurort war verwaist, insbesondere die Thermen und Vermietungsbetriebe waren geschlossen und wenig Informationen und Perspektiven, wie und wann eine Wiederöffnung möglich sein kann. Als dann die stufenweisen Lockerungen in Kraft traten, konnten wir unsere geplante Restart-Kampagne umsetzen. Mir persönlich war es dabei besonders wichtig, alle im Kurort am Tourismus beteiligten Institutionen und Betriebe in dieser Kampagne zu integrieren, und so gemeinsam als WIR unsere Gäste willkommen zu heißen. Wir sind sehr dankbar, dass unsere Kampagne eine so große Unterstützung gefunden hat und zu einem echten Erfolgsprojekt geworden ist, der Zuspruch unserer Gäste und Besucher war enorm.

HEILWASSER WIRD ALS MEDIKATION GEBRAUCHT

Dieses WIR, die Zusammenarbeit mit allen Protagonisten, hat es uns auch erleichtert, bei der Politik den Neustart des Kur- und Tourismusstandortes voranzutreiben. Bad Füssing konnte so wirksam unter Beweis stellen: Wir sind nicht mit einem Spaßbad gleichzusetzen, sondern müssen unseren Gästen als Kurort und Heilbad unser Heilwasser wieder über unsere drei Thermen zugänglich machen, da es als wirksame Medikation dringend gebraucht wird. Das haben auch die vielen Briefe unserer Stammgäste unterstrichen, die uns regelrecht darum gebeten haben, unsere Thermen wieder zu öffnen, damit sie die heilende Wirkung unseres Heilwassers in Kombination mit unseren Gesundheitsangeboten wieder in Anspruch nehmen können.

Es stehen wichtige Themen und Projekte auf meiner Agenda und aufgrund der Corona-bedingten Warteschleife konnte ich zu Beginn meiner Amtstätigkeit leider nur wenige Gespräche führen und noch zu keiner Vermieterversammlung einladen. Vieles fand bislang nur online statt. Ich hoffe, die neuen Rahmenbedingungen lassen künftig auch wieder einen persönlichen Austausch zu. Mir ist wichtig, die Gespräche aufzunehmen, wie sich Bad Füssing künftig als exponierter Kurort und Gesundheitsstandort aufstellen will und welche Rolle und Aufgaben hier das Kur- und Tourismusmanagement einnehmen und übernehmen kann und sollte. Zentrale Fragen sind: Wo sind die wichtigen Kontaktpunkte und wie können wir den Gast am besten erreichen und ihm die relevanten Informationen bereitstellen? Hier spielt die Digitalisierung auch eine große Rolle. Corona hat diese Entwicklung weiter verstärkt. Auch die Gästekommunikation und gelungene Aufbereitung von Bild- und Texten in unseren Printmedien stellt uns vor neue Herausforderungen. Im Rahmen der Neuproduktion des Gastgeberverzeichnisses 2022 stellen wir wieder unsere über 300 Bad Füssinger Gastgebervor, aber auch die Urlaubsdestination insgesamt. Zielsetzung ist, die zentralen Erlebnisthemen Bad Füssings weiter zu profilieren und eine neue Gestaltungslinie und Bildsprache umzusetzen, ohne den etablierten Markenauftritt zu tangieren. Dies ist meines Erachtens gut gelungen. Das Gastgeberverzeichnis mit Imageteil soll vor allem Neugierig und Lust machen, hier einen gesunden aber auch entspannenden und genussreichen Urlaub zu verbringen und eine Reise nach Bad Füssing zu buchen. Zusätzlich werden wir erstmals eine weitere und damit ergänzende Informationsbroschüre zu den Kur- und Gesundheitsangeboten Bad Füssings herausgeben.

PRÄVENTION UND GESSUNDHEITSFÖRDERUNG DURCH AMBULANTE BADEKUREN FÜR ARBEITNEHMER

Was bedeutet für die Bäder die Wiedereinführung der ärztlich verordneten Kur für Bad Füssing und was sollte man beachten?

Daniela Leipelt: Bad Füssing als Kurort hat sich jahrelang sehr hartnäckig für die Gesetzesänderung eingesetzt und wir sind über die Verabschiedung des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) und damit der Einführung der ambulanten Badekur als künftige Pflichtleistung der Krankenkassen sehr froh und hoffen, dass nun wieder mehr ambulante Vorsorgeleistungen vergeben werden. Corona hat uns gezeigt, wie wichtig Gesundheit ist und das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung wird sicherlich weiter steigen und hierbei auch Prävention und Gesundheitsförderung noch stärker ins Blickfeld rücken. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass gesundheitsaffine Urlauber über diese neue Möglichkeit der Kurbewilligung informiert werden. Auch mit Folgen von Long- oder Post Covid werden wir uns noch lange beschäftigen müssen. Auch hierzu wollen wir passgenaue Angebote für unsere Gäste erstellen und auch Pakete, in denen die Familie integriert sein könnte. Gerade die noch im Berufsleben stehende Altersgruppe, die sich bisher noch nicht mit dem Thema Kur befasst hat, ist hier besonders anzusprechen. Ähnlich wie zum ReStart, möchten wir hierzu eine eigene Kampagne starten, um diese potentiellen neuen Gäste zu erreichen und zu informieren.

KULTURFESTIVAL WAR UNTER ERSCHWERTEN BEDINGUNGEN EIN ERFOLG

Bad Füssing ist auch in kultureller Hinsicht ein Highlight in der Region. Werden Sie das Kulturfestival in dieser Form fortsetzen oder sogar ausbauen?

Manuela Bauhuber: Seit den Anfängen vor 22 Jahren hat sich das Kulturfestival kontinuierlich weiterentwickelt, Formate, die vom Publikum verstärkt nachgefragt werden, werden wir natürlich weiterhin ausbauen. Ein Programmpunkt, den wir auch weiterhin unbedingt anbieten wollen, sind die Kindertheater, um schon die Kleinsten an die Kultur heranzuführen. Es ist immer wieder eine Freude, die strahlenden Augen unserer jüngsten Besucher zu sehen.

Das diesjährige Kulturfestival im Oktober wurde wieder sehr gut angenommen, die Besucherzahlen liegen in etwa 100 Prozent über denen von 2020, ein Erfolg hinsichtlich der Einschränkungen, die ja nach wie vor herrschen.

Daniela Leipelt: Hier möchte ich hervorheben, dass das gesamte Team im VeranstaltungsService Center unter der Leitung von Frau Bauhuber hervorragende Arbeit geleistet hat, gerade in Anbetracht des enormen Aufwandes bei der Einhaltung und Umsetzung der Corona-bedingten Hygienevorschriften.

Ich bin sehr glücklich und stolz auf unser Festival und dass wir es auch in diesem Jahr unter den erschwerten Bedingungen wieder reibungslos auf „die Bühne gebracht“ haben. Unser Kurorchester ist ebenfalls einzigartig und überzeugt mit großartiger Leistung und genießt auch bei unseren Gästen große Anerkennung. Wir werden dann auch mit Blick in die Zukunft im Team besprechen, welche neue Akzente man noch setzen könnte und ob wir weitere Elemente evtl. auch mit Kunst und Literatur ins Programm aufnehmen oder ob wir die Veranstaltungsreihe weiter bis in den November verlängern könnten.

Manuela Bauhuber: Dabei ist auch zu bedenken, was wünschen sich die Gäste und was die Bad Füssinger Bürger und regionalen Besucher. Hier sind auch finanzielle Aspekte zu prüfen - bei der Programmgestaltung dürfen wir die Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht lassen und müssen genau abwägen, welche Veranstaltungen finanzierbar sind.

Auch Ihnen möchten wir unsere Flussfrage stellen: Gibt es einen Fluss in Ihrem Leben mit dem Sie sich besonders identifizieren können?

Daniela Leipelt: Ich habe nun zuletzt viele Jahre im Allgäu gelebt und die räumliche Nähe zum Bodensee hatte einen hohen Wirkungsgrad auf mich. Ich durfte dort viele großartige Kulturevents mit internationalem Flair miterleben. Aber tatsächlich ist es bis heute auch die raue Nordsee mit ihren Gezeiten, die mich nachhaltig fasziniert. Aber diese Einschätzung kann sich ja als neue Niederbayerin auch künftig noch ändern, lacht.

Manuela Bauhuber: Für unsere Region gibt es ja die beiden Bezeichnungen Inntal und Rottal, und ich muss sagen, ich sehe mich selbst als Rottalerin, wahrscheinlich weil meine Wurzeln näher an der Rott liegen als am Inn. Trotz allem ist es aber eher der Inn, mit dem ich mich identifizieren kann. Und es gibt noch so viele schöne Flüsse auf der Welt…

WIR DANKEN IHNEN FÜR DAS GESPRÄCH!