INNSIDE Innterview: Franz Meyer

Das letzte Sommer-Innterview mit dem Landrat


„ES IST EINE FREUDE UND EHRE, FÜR DEN
LANDKREIS ZU ARBEITEN!“

Wie jedes Jahr seit seinem Amtsantritt durfte die INNSIDE-Redaktion auch in diesem Jahr ein Sommergespräch mit dem Passauer Landrat Franz Meyer führen. Immer stand er uns offen Rede und Antwort. Nun wird Franz Meyer im nächsten Frühjahr sein Amt abgeben und sich nicht mehr zu Wahl stellen. Sein langes Politikerdasein neigt sich dem Ende zu und er hat im letzten INNSIDE-Sommerinnterview Bilanz gezogen.


Die Fragen stellte Gerd Jakobi | Fotos: Claudia Saller


Sie treten bei der nächsten Wahl nicht mehr für das Amt als Landrat an. Da ist es Zeit für ein Resümee. Was sind für Sie die wichtigsten Ergebnisse Ihrer Zeit als Landrat des Landkreises Passau?
Oft besteht ja so ein Resümee in der Aufzählung von einzelnen Projekten und erfolgreich umgesetzten Vorhaben. Das möchte ich an dieser Stelle nicht tun, weil …

… es zu viele gibt?
Na ja, vielleicht auch das. Aber eine Bilanz soll ja auch zeigen, was sich bewegt hat. Und nach fast 12 Jahren an der Spitze unseres Landkreises Passau kann ich feststellen, dass wir in vier sehr wichtigen Bereichen wesentliche Fortschritte gemacht haben. Wir haben heute mit einer Vielzahl von Maßnahmen
eine wegweisende sozial- und seniorenpolitische Arbeit im Landkreis auf den Weg gebracht.
Und hier schließe ich auch das wichtige Feld der Integration
ein. Wir haben im Klimaschutz – übrigens einer meiner Programmpunkte bereits zu Beginn meiner ersten Amtszeit und damals zum Teil noch etwas belächelt – heute den Ruf, ein Macher-Landkreis zu sein. Viele reden über Klimaschutz, wir
machen etwas. Wir haben in Salzweg mit der neuen Dienststelle eines der modernsten Verwaltungsgebäude aus Holz realisiert, und das als Passivhaus. Wir haben unsere Liegenschaften und Schulen so saniert, dass sie viel weniger Energie verbrauchen
als früher. Als dritten Bereich nenne ich Schule und Bildung. Hier sind wir mitten drin in großen Sanierungsprojekten, ich nenne nur das Gymnasium Untergriesbach oder den Neubau der Berufsschule Vilshofen. Und dann natürlich als vierter Bereich unsere Gesundheitsversorgung mit starken, sicheren Standorten in Vilshofen, Rotthalmünster, Bad Füssing und Wegscheid. Jetzt sind wir doch bei einer Aufzählung gelandet! Dabei habe ich noch gar nicht das Technologiezentrum in Ruhstorf a.d. Rott, den Kunststoffcampus in Hutthurm, unsere Breitbandoffensive und die herausragende Kulturarbeit erwähnt – und noch vieles mehr.

Was haben Sie sich noch für die verbleibende Zeit vorgenommen?
Im Wesentlichen ist es die Fortführung der bisherigen Arbeit. Dazu zählt eben die Sicherung der Standorte und der Ausbildungseinrichtungen der Landkreis Passau Gesundheitseinrichtungen. Hier stehen Investitionen von über 80 Mio. Euro an. Was uns aktuell stark beschäftigt ist die Digitalisierung in unseren Bildungseinrichtungen. Für das „digitale Klassenzimmer“ haben wir im Haushalt 2019 rund 800.000 Euro eingeplant. Und zum Großprojekt der neuen Berufsschule in Vilshofen an der Donau sage ich hier deutlich: Die berufliche Bildung ist eine der Zukunftsinvestitionen überhaupt, sie ist der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit unserer Heimat.

Was geben Sie ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
Meine Erfahrung, dass es eine Freude und eine Ehre ist, für einen Landkreis zu arbeiten, dessen Menschen fleißig, engagiert und zukunftsfroh sind. Denn so habe ich unseren Landkreis Passau stets erlebt – und diese Erfahrung wird ganz sicher jeder machen, der künftig an dieser Position Verantwortung für unsere Heimat übernehmen darf.

Sie haben nicht nur als Landrat ein bewegtes und sehr erfolgreiches politischen Leben hinter sich. Was war für Sie das persönliche Highlight als Politiker?
Da eine Wertung vorzunehmen, ist nicht möglich. Es gab so viele bewegende Momente und Ereignisse. Ob die erste Wahl in den Landtag, die Berufung ins Kabinett oder eine sehr persönliche Begegnung mit Papst Benedikt. Auch Erfolge wie etwa den
Erhalt des Vermessungsamts-Standortes Vilshofen mit der Außenstelle Passau gehören dazu. Was ich heute feststellen kann: Im Rückblick auf eine lange Zeit politischer Arbeit gewinnen gerade die vielen „kleinen Dinge“, die guten Gespräche und die Erfahrung, dass auch in komplizierten Dingen Lösungen möglich sind, wenn man die Menschen zusammenbringt, immer mehr an Bedeutung. Das sind die eigentlichen Highlights.

Sie werden sicher als politisches Urgestein nicht gänzlich aufhören sich zu engagieren. Gibt es schon Überlegungen für Sie, wie Sie sich künftig einbringen wollen?
Jetzt steht erst einmal noch die Arbeit als Landrat im Mittelpunkt, mit aller Kraft und ohne große Überlegungen für die Zeit danach.

Als Landkreis an einer europäischen Nahtstelle kommt unserer Region eine besondere Bedeutung in der EU zu. Wie sehen Sie hier die Entwicklung und was können wir zur Verbesserung tun?
Wir müssen ehrlich sein und feststellen, dass die Tendenzen in Europa viel zu oft auf Trennung zeigen und nationale Vorstellungen das überlagern, was Europa im Kern ist: Das erfolgreichste Friedensmodell der Geschichte. Wir als Europaregion – und diese Bezeichnung wähle ich bewusst – müssen vor Ort zeigen, was der vereinte Kontinent konkret
bedeutet. Natürlich sind das viele EU-geförderte Projekte, die wir etwa mit unserer Aktion „Europa leuchtet“ ins Bewusstsein gerufen haben. Das ist aber auch der ungeheure Gewinn für uns alle, dass wir uns über Grenzen hinweg frei bewegen und sich die
Menschen mit offenen Herzen begegnen können.

Sie haben sich bei unserer Flussfrage immer sehr diplomatisch zu allen Flüssen bekannt. Gibt es nicht doch einen unserer Flüsse, der Ihnen besonders am Herzen liegt und Ihrem Naturell entspricht?
Ich gebe zu, hier manchmal etwas diplomatisch geantwortet zu haben. Aber jetzt sage ich es frei heraus: Wer zwölf Jahre Landrat des schönsten Landkreises Bayerns sein darf, kann gar nicht anders, als alle drei Flüsse gleich gern zu haben.

WIR DANKEN IHNEN FÜR DAS GESPRÄCH!