INNSIDE Innterview: Hans Well

GSTANZLTEXTER MIT SCHARFER ZUNGE


HANS WELL, AUTOR VON SCHARFZÜNGIGEM MUSIKKABARETT UND GSTANZLTEXTER DER TOTEN HOSEN, KOMMT MIT DEN WELLBAPPN ZU ZWEI KONZERTEN NACH WINZER UND SCHÄRDING. 35 JAHRE LANG WAR ER MIT SEINEN BRÜDERN CHRISTOPH UND MICHAEL ALS BIERMÖSLBLOSN UNTERWEGS, NUN HAT ER SICH DER NÄCHSTEN FAMILIENBANDE ZUGEWANDT, DENN DIE WELLBAPPN, DAS SIND SEINE KINDER SARAH, TABEA UND JONAS. SEINE MITSTREITER SIND JÜNGER GEWORDEN, DIE TEXTQUALITÄT HAT SICH NICHT VERÄNDERT, SIE IST SATIRISCH, KRITISCH UND BITTERBÖSE WIE EH UND JE.

Die Fragen stellte Claudia Saller


Herr Well, Sie kommen mit den Wellbappn zu Konzerten nach Niederbayern und Oberösterreich. Was fällt Ihnen spontan zu diesen beiden traditionsgeprägten „Heimat“- regionen ein?
Das sind die Premiumregionen Bayerns, damit meine ich auch
„unser“ Innviertel. Aus Niederbayern
kommen die Humorgranaten
bayrischer Politik – den Andi
Scheuer toppt deutschlandweit
keiner so leicht.

Mit der Biermösl Blosn waren Sie
35 Jahre lang unterwegs, seit gut
sechs Jahren stehen Sie nun mit
Ihren Kindern auf der Bühne.
Was hat sich musikalisch und
thematisch dadurch geändert?

Wir haben weniger Gebläse, mehr
Streichinstrumente dabei. Zwei
Mädchen erweitern natürlich das
inhaltliche und ästhetische Spektrum und das Alter der drei Wellbappn zwischen 22 und 27 lässt auch Themen zu, für die ich oder meine Brüder die Altersgrenze deutlich überschritten hatten.

Die Themen gehen Ihnen dank
Söder, Diesel, Flüchtlingspolitik
und Lobbyismus so schnell nicht
aus. Sind Sie nicht manchmal
müde ob des Geschehens in diesem Lande und wollen davon gar nichts mehr hören?

Nur Lieder über Politik wären langweilig. Was hinten rauskommt ist relativ schnell klar. Was zu dem führt, was hinten raus kommt, ist schon interessanter. Und dann gibt’s noch eine Menge an Absurdem, Komischem, das durch die Ontologie des Wesens des Seins der Bayern entsteht.

Sind Ihre Scharfzüngigkeit, Ihr Humor und Ihre rhetorische Begabung dem Aufwachsen mit 14 Geschwistern geschuldet?
Das war eine Familienkonstellation in der einem der Humor bisweilen eher abhanden gekommen ist. Die Lust, sich mit Sprache zu beschäftigen, kam durch meine
Bekanntschaft mit dem Werk von
Karl Valentin, Georg Kreisler, später auch Sigi Zimmerschied.

Gibt es Themen, die für Sie tabu sind, die Sie niemals kabarettistisch verarbeiten würden?
Wenn jemand sich nicht wehren kann, ohnmächtig ist, also ohne Macht. Sich über arme Schweine, die in einer miesen Lebenssituation sind, lustig zu machen, ist in der Regel billig.

Am Ende wollen wir Ihnen unsere obligatorische INNSIDE-Flussfrage stellen: Mit welchem Fluss können Sie sich identifizieren und warum?
Am nächsten liegt mir die Amper, sowohl räumlich als auch von der Vertrautheit. Der Ammersee war in meiner Kindheit das, was Karibik,
Seychellen und die Kanaren heute
für viele Bayern sind. Und die Amper
speist ja als Ammer den See.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!