INNSIDE Innterview: Heidi Niederhofer

Gründerin der Kultursponsoren im Landkreis Passau und erfolgreiche Unternehmerin


Vor 13 Jahren hat das Unternehmer-Ehepaar Heidi und Wolfgang

Niederhofer die Kultursponsoren im Landkreis Passau ins Leben gerufen.

Zahlreiche Unternehmer und Institutionen der Region gehören dem

Netzwerk an, um die kulturelle und soziale Vielfalt im Landkreis zu

fördern. Wir hatten die Gelegenheit, mit der Gründerin und Präsidentin

Heidi Niederhofer über die Arbeit und das Engagement

der Kultursponsoren zu sprechen.


Die Fragen stellte Claudia Saller


Frau Niederhofer, Sie haben gemeinsam mit Ihrem verstorbenen Ehemann Wolfgang im Jahr 2006 die Kultursponsoren im Landkreis Passau ins Leben gerufen. Was war der Auslöser?
Begonnen hat alles damit, dass wir mit unserer Firma die Hauptsponsorenschaft beim FC Passau übernommen haben. Wir waren nicht nur Sponsoren, sondern auch Fans und haben im Laufe der Zeit gemeinsam mit weiteren 20 Unternehmern aus der Region eine Art „Fanclub“ gegründet und uns regelmäßig freitags in der Vereinsgaststätte getroffen. Irgendwann merkten wir, dass es uns als Unternehmer guttat, uns auszutauschen und Erfahrungen zu teilen. Und so ist ein Netzwerk entstanden, das keiner der Beteiligten mehr missen wollte, als die Zusammenarbeit mit dem FC Passau beendet wurde. So baten uns die Mitglieder, einen neuen „Aufgabenkreis“ zu suchen.
Durch die finanzielle Förderung der Suche/Ausgrabung des Pomeranzenhauses im Ortenburger Schlosspark kam irgendwann der damalige Kulturreferent des Landkreises Passau, Dr. Wilfried Hartleb auf mich zu, und bat unser Netzwerk um dauerhafte Unterstützung von Kulturprojekten im Landkreis. Und tatsächlich stimmten 19 von den damals 20 Unternehmern zu, künftig statt des Fußballs die Kultur zu unterstützen und mittlerweile ist unser Kreis auf ca. 130 Mitglieder angewachsen.

Für welche Projekte engagieren sich die Kultursponsoren?
Wir unterstützen jegliche Art von Kultur im Landkreis Passau. Ob es Bücher von heimischen Autoren sind, Kataloge zu Ausstellungen, Konzerte, Musikfestivals, die Kreismusikschule, Kunstprojekte an Schulen … die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Wie sieht die Unterstützung genau aus?
Hauptsächlich unterstützen wir das jeweilige Projekt finanziell durch die Spenden unserer Unternehmer. Manches Mal ist es aber auch das Know-how der Sponsoren, das hilft, einzelne Vorhaben zu verwirklichen.

Wer trifft die Auswahl?
Wir arbeiten sehr eng mit dem Kulturreferat des Landkreises zusammen, da dort auch alle wichtigen Informationen über die um Unterstützung Anfragenden vorliegen. Die Entscheidung, welches Vorhaben unterstützt wird, wird von Landrat Franz Meyer, Regierungsdirektor Armin Diewald, Kulturreferent Christian Eberle und mir gemeinsam getroffen.

Die Kultursponsoren sind ein Netzwerk aus regionalen Unternehmern und Institutionen. Gewinnt durch die Gemeinschaft nur die Kultur oder gewinnen auch die einzelnen Mitglieder?
Natürlich geht es uns in erster Linie darum, die kulturelle Vielfalt im Landkreis zu fördern. Da wir alle Unternehmer sind, gewinnt auch jeder einzelne durch das Netzwerk und den Erfahrungsaustausch. Dabei ist es jedem selbst überlassen, in wie weit er sich einbringt. Manchen reicht es, die Kultur zu unterstützen, manche schätzen es, sich untereinander auszutauschen und immer wieder neue Unternehmer kennenzulernen, manche nehmen regelmäßig an unseren Stammtischen teil, weil es eine willkommene Abwechslung zum Unternehmeralltag ist. Die Kultursponsoren sind ja kein Verein mit Statuten, alles geschieht freiwillig und deswegen aus voller Überzeugung und von Herzen.

Frau Niederhofer, Sie sind nicht nur Präsidentin der Kultursponsoren, sondern auch eine sehr erfolgreiche Unternehmerin und Inhaberin der Fensterfabrik Niederhofer, die Sie seit dem Tod Ihres Ehemannes alleine führen. Woher ziehen Sie die Kraft für diese Aufgaben?
Die Kraft hat mir Wolfgang selbst gegeben. Ich war 19 als wir den Betrieb damals als Ein-Mann-Betrieb übernommen haben. Er hat mir sehr viel zugetraut und mich auch immer angetrieben, ganz so, als hätte er geahnt, dass ich irgendwann allein zurechtkommen muss. Und wir haben immer alles ausdiskutiert und gemeinsam entschieden. So war ich, auch als die Kinder kamen, immer ins Geschäft involviert und über alles informiert.
Als mein Mann so plötzlich verstarb konnte ich mich nicht hängen lassen, da war die Verantwortung für die Mitarbeiter aber auch meine Familie und vor allem meine Enkel, die mich brauchten. Gleichzeitig haben mich meine Töchter und Schwiegersöhne, vor allem Heidi und ihr Mann Tobias Gottwald, in der Firma sehr unterstützt. Heidi ist seit zwei Jahren auch Mitinhaberin der Fensterfabrik Niederhofer.
Viel Kraft und Trost habe ich aber auch von meinen Kultursponsoren bekommen, viele von ihnen sind mittlerweile wirklich zu Freunden geworden.

Am Schluss wollen wir auch Ihnen die obligatorische Flussfrage stellen: Mit welchem Fluss können Sie sich am meisten identifizieren und warum?
Die Donau war schon immer Heimat für mich, mein Mann und ich waren viel mit dem Boot auf ihr unterwegs, da konnten wir die Seele baumeln lassen. Nachdem Wolfgang in der Donau verstorben ist, habe ich natürlich mit ihr gehadert, aber mittlerweile habe ich wieder Frieden mit ihr gemacht.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!