INNSIDE Innterview: Maxi Schafroth

"DU MUSST DA STEHEN UND DIR WAS EINFALLEN LASSEN!"


MAN KENNT IHN AUS DER “HEUTE-SHOW” UND AUS “EXTRA DREI” UND NUN AUCH NOCH ALS PREDIGER VOM NOCKHERBERG. MAXI SCHAFROTH, DER ALLGÄUER BUB, HAT IN DEN LETZTEN JAHREN EINE STEILE KABARETTKARRIERE HINGELEGT. AM 6. JULI WIRD ER WIEDER EINMAL IN PASSAU, DIESES MAL BEIM EULENSPIEGEL ZELTFESTIVAL, VORBEISCHAUER. MIT SEINEM PROGRAMM “FASZINATION BAYERN” STEHT ER DORT ERSTMALS AUF DER BÜHNE. WIR HATTEN GELEGENHEIT, IHM EIN PAAR FRAGEN ZU STELLEN.


Wie hast du den Hype um die Nockherberg-Rede verkraftet?
Ich muss das innerlich noch verarbeiten, in München grüßen mich fremde Menschen, Fahrradfahrer schauen um und sagen, „He! Des is doch der vom Nockherberg“ und dann hängen die mit dem Vorderrad im Tramgleis, außerdem komme ich in Läden und die sagen zu mir:
Herr Schafroth, griaß eana Gott, wollens anschreiben lassen? Das ist alles sehr schön aber auch gewöhnungsbedürftig.

Wie hast du die CenSUr dort umgangen?
Ich war überrascht, dass man mir völlig freie Hand
gelassen hat. Es war auch der Moment wo ich
gemerkt hab, das ist jetzt deine Aufgabe, keiner
sagt mach das so oder so, sondern du musst da
stehen und dir was einfallen lassen. Ich hatte zum
Glück viele liebe und lustige Menschen in
meinem Umfeld auf deren Meinung ich zähle und
die mir den Rücken gestärkt haben. Zensur war
nicht vorhanden, ist bei einer live Sendung ja auch
nicht wirksam, ich hätt es halt aus dem Text
rausgelöscht und dann trotzdem gesagt.

Was ja nicht alle wissen, du bist außer Kabarettist auch noch Filmemacher und Finanzexperte!? Das bedarf einer genaueren Erläuterung.
Ich habe eine Bankausbildung gemacht in Memmingen im Unterallgäu und ich kann im Nachhinein nur sagen, das war der direkte Weg ins Kabarett. Ich liebe Deutsche Büromentalität und stromlinienförmige Führungskräfte, die einen dann in der Kantine fragen: So Herr Schafroth wo sehen Sie sich denn in 10 Jahren? Ich hab immer gesagt, auf Ihrem Stuhl. Es hat mir Spaß gemacht die Leute da etwas zu verwirren.

Du hast ja schon mit jungen Jahren einige Preise eingeheimst. Zuletzt sogar den Bayrischen Kabarettpreis. Aber wieso nur das kleine Scharfrichterbeil? Haben wir in Passau wiedermal ein Genie verkannt?
He! Moment! Es war das Mittlere Beil, da wollen wir schon genau sein. Ja mei, der Passauer ist da, wie der Allgäuer, man ist halt erst mal skeptisch, das ist schon in Ordnung. Es hat gedauert aber der langsame Erfolg ist halt auch der nachhaltigere.

Du spielst im Juli hier in Passau beim Eulenspiegelfestival. Was können wir da von dir erwarten?
Ein ganz und gar heimatlicher Heimatabend. Drin gibt’s den Mitarbeiter-Chor vom Heimatministerium, draußen wird Hubert Aiwanger in der Pause einen Motorsägenkurs geben, bitte Schnittschutzhosen einpacken! Zudem Analysen der Altbayrischen und Allgäuer Seele und Allgäuer Bluegrass Blues von mir samt meinen Gitarristen
Markus Schalk.

Gibt es eine besondere Erinnerung an deine Passauer Auftritte? Wie fühlt sich ein Allgäuer in den niederbayerischen Niederungen?
Ich erinnere mich, dass ich ganz schwäbisch pünktlich um acht hinter der Bühne stand und gewartet hab, es war dann zehn nach acht, irgendwann zwanzig nach acht und ich hab gesagt: „Entschuldigat Sie i glaub ich dät jetzt gern anfanga!“, da hat der Wirt gesagt: „Gib a Ruah, bei uns geht’s mitm Kabarett los wenn d’Leid satt sind.“ Das war eine sehr intensive emotionale Erfahrung, als ich wieder daheim war, war ich dann auch froh.

Zum Schluss noch die Innside Frage: Gibt es einen Fluss in deinem Leben, der eine besondere Bedeutung für dich hat?
Der Lech. Die bayrische Trennlinie zwischen alemannischer Kargheit und barockem Altbayern. Darum wird’s auch gehen.

WIR DANKEN DIR FÜR DIE ANTWORTEN!

Die Fragen stellte Gerd Jakobi