INNSIDE INNTERVIEW : Peter Kratzer

VHS - Auch mit 70 Jahren immer noch up to date


WIR GRATULIEREN ZU 70 JAHREN VOLKSHOCHSCHULE PASSAU, 25 JAHREN ZWECKVERBAND VHS PASSAU UND, NICHT ZU VERGESSEN, DEM GESCHÄFTSFÜHRER PETER KRATZER ZUM 5-JÄHRIGEN DIENSTJUBILÄUM


Die Fragen stellte Claudia Saller


Herr Kratzer, Sie konnten bei der Jubiläumsfeier beeindruckende Zahlen bekannt geben, die Anzahl der
Veranstaltungen und auch der Teilnehmer befindet sich im Aufwärtstrend mit Zuwächsen zum Vorjahr im zweistelligen Bereich. Was ist das Erfolgsgeheimnis
der VHS Passau?

Die Entscheidung, in die Fläche zu gehen, war richtig und wichtig. Der Landkreis Passau ist ein Flächenlandkreis und mir war wichtig, zu den Menschen zu gehen, den Interessenten neben einem attraktiven Programm auch kurze Wege zu ermöglichen. Diese Strategie möchte ich
in den nächsten Jahren weiter verfolgen. Ziel ist es, in jeder Gemeinde präsent zu sein und auch die Zahl der Außenstellen zu erhöhen. Das Kursangebot der VHS Passau ist sehr umfangreich und reicht weit über Batiken und Zumba hinaus.

Welche Kriterien gelten bei der Programmauswahl?
Die Nähe zu den Menschen lässt uns erkennen, wo die jeweiligen Interessensschwerpunkte liegen. So können wir das Programm immer wieder dem aktuellen Zeitgeschehen anpassen und dabei scheuen wir auch nicht, ungewöhnliche Wege zu gehen. Zum Beispiel widmen wir uns ganz neu dem Thema Freimaurerei; oder ein anderes Beispiel: eine von 20 Fremdsprachen, die wir vermitteln, ist Isländisch. Immer mehr Menschen machen Urlaub in Skandinavien, diesem Trend wollen wir Rechnung tragen. Wir bemühen uns, wie ein normales Unternehmen auch, ständig up to date zu sein und uns daran zu orientieren, was gerade modern ist.

Die VHS Passau arbeitet viel mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen. Ist das der richtige Weg?
Wir haben weit mehr als 10 Kooperationspartner, als Beispiel möchte ich hier die Zusammenarbeit mit der AOK oder mit dem Zweckverband Tourismus Passauer Land nennen. Diese Kooperationen, die ich sehr befürworte, erhöhen die Attraktivität unseres Programms ungemein und bieten uns die Möglichkeit, auf völlig neue Strukturen zuzugreifen, ein Gewinn für alle Beteiligten.

Im Artikel 139 der Bayerischen Verfassung steht: Die Erwachsenenbildung ist durch Volkshochschulen und sonstige mit öffentlichen Mitteln unterstützte
Einrichtungen zu fördern. Reicht die Förderung der öffentlichen Hand aus, Ihr Angebot auf Dauer so niedrigschwellig wie bisher aufrecht zu erhalten?

Die Finanzierung der VHS Passau setzt sich aus
verschiedenen Bausteinen zusammen. Zum einen sind das die Kursgebühren, die wir sehr bestrebt sind, konstant niedrig zu halten. Zum anderen bekommen wir Mittel vom Freistaat Bayern, vom Bund und auch aus Europa. Glücklicherweise wurde im Juli die Erhöhung der Mittel für die Erwachsenenbildung durch den Freistaat Bayern beschlossen. Diese Maßnahme tut uns gut und gibt uns für die Arbeit in der Zukunft Stabilität und Kontinuität.
Der dritte Baustein ist die Fehlbetragsfinanzierung
durch Stadt und Landkreis Passau. Dafür und für
die konstruktive Zusammenarbeit möchte ich mich
an dieser Stelle ausdrücklich bedanken.

Mit der Vermittlung von Sprach- und Wertekompetenz an geflüchtete Mitbürger trägt die VHS Passau einen großen Anteil zur Integration. Wie konnten Sie diese große Herausforderung meistern?
Ein tolles Team hat sich mit Begeisterung, Ideenreichtum und sehr viel Engagement diesem Thema angenommen. Dadurch waren wir, wenige Tage nachdem die Flüchtlingswelle Passau erreichte, bereit, erste Sprachkompetenzen zu vermitteln. Die Integration der Geflüchteten war und bleibt für uns eine Herzensangelegenheit.

Herr Kratzer, die VHS Passau hat auch weniger schöne Zeiten hinter sich. Sind die Skandale der Vergangenheit komplett aufgearbeitet?
Es gab unruhige Zeiten, und es gab Zeiten, in denen
sich die VHS in turbulenten Fahrwassern befand. Im Nachhinein kann man sagen, dass diese
Schwierigkeiten notwendig waren, um zu erkennen, was der richtige und was der falsche Weg ist. Ich denke, man sollte diesen Zeitraum nicht aussparen oder totschweigen. Ich durfte in den letzten 5 Jahren die Altlasten aufarbeiten und jetzt können wir den Blick in die Zukunft richten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass uns das ein oder andere nochmal einholt, insgesamt sind wir
jedoch gestärkt aus diesen schwierigen Zeiten hervorgegangen und wir haben daraus gelernt.

Seit 5 Jahren lenken Sie die Geschicke der VHS Passau. Wie fällt Ihr Resümee über diese Zeit aus?
Ich habe vor fünf Jahren eine Einrichtung vorgefunden, die in schwierigen Fahrwassern war, hinter der jedoch ein tolles Team stand. Die Mitarbeiter waren es auch, die es mir ermöglicht haben, zukunftsfähige Entwicklungen anzustoßen und die Dinge in die richtigen Bahnen zu lenken. Und auch die Politik und die Verantwortlichen in den einzelnen Kommunen des Zweckverbandes waren willens, mich bestmöglich zu unterstützen. Gemeinsam haben wir die VHS Passau wieder zu dem gemacht, was sie sein soll, nämlich ein zuverlässiger Dienstleister für die hier lebenden Menschen mit einer Strategie für die Zukunft.

Zum Schluss wollen wir auch an Sie die INNSIDE-Flussfrage stellen: Mit welchem Fluss können Sie sich am meisten identifizieren und warum?
Der Inn ist von einer Vielfalt, wie man sie bei kaum einem anderen Fluss vorfindet: hochalpine Landschaften, canyonartige Einschnitte, flaches Land, Vogelparadiese, Regionen, die fast tropische Zustände aufweisen. Diese Kombination macht den Inn für mich zum faszinierendsten Alpenfluss, den ich mir vorstellen kann. Weiterhin verbindet mich meine oberbayerische Herkunft mit dem Inn. Sämtliches Wasser in meiner Heimat fließt in ihn. Und drittens ist grün meine Lieblingsfarbe.



WIR DANKEN IHNEN FÜR DAS GESPRÄCH!