INNSIDE-INNTERVIEW: Prof. Josef Schütz

Schütz Art Museum in Engelhartszell wird im Oktober 2021 eröffnet

3.5.2021


Der aus dem Österreichischen Mühlviertel stammende Kunstexperte, Kunstsammler und Kurator Josef Schütz verwirklicht derzeit ein Privatmuseum im grenznahen Engelhartszell und setzt mit diesem Projekt über die kulturelle Komponente hinaus auch innovative Impulse für Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Tourismus in unserer Grenzregion.
Über die Pläne zu diesem Herzensprojekt und deren Verwirklichung haben wir mit dem engagierten Österreicher gesprochen.


Die Fragen stellte Claudia Saller

Das Schütz Art Museum in Engelhartszell fügt sich nach Fertigstellung im Oktober 2021 leicht und luftig in die es umgebende Natur ein.


Professor Schütz, was hat Sie bewogen, Ihrer umfangreichen Sammlung von Exponaten zeitgenössischer Künstler sowie von Künstlern der Klassischen Moderne im beschaulichen Engelhartszell eine Heimat zu geben?

Die Nähe zu Passau spielte bei der Planung eine große Rolle. Wir wollen damit sozusagen die „Lücke“ zwischen München und Wien schließen, die Menschen im gesamten Südbayerischen Raum sind sehr kunstaffin. Der Ort eignet sich aber auch besonders für unsere Pläne, internationale Künstler einzuladen als „Artists in Residence“ in eigenen Ateliers Kunst zu schaffen. Durch unsere engen Verbindungen zu China und in den Iran können wirklich spannende Projekte in Engelhartszell entstehen. Ein weiterer wichtiger Grund für die Erbauung des Museums in Engelhartszell war die positive Einstellung und Unterstützung des Landtagspräsidenten AD Friedrich Bernhofer und des Bürgermeisters Roland Pichler MBA wie auch vieler Bürger von Engelhartszell.

Wäre nicht auch Passau ein passender Standort für Ihr Museum gewesen?

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe meine Bayerischen Nachbarn, auch meine Frau kommt aus Bayern, aber in dem Fall bin ich patriotisch, ich wollte mit dem Museum Österreich nicht verlassen. Meine Sammlung umfasst 600 Werke der Klassischen Moderne, diese werden in Engelhartszell zu sehen sein, je nach Ausstellung auch ergänzt mit Werken anderer Privater Sammler oder mit musealen Leihgaben. Die Besucher bekommen nie gesehene Werke geboten, ich bin sicher, das wird eine einzigartige und spannende Sache.

Der Museumsneubau wird das Ortsbild von Engelhartszell verändern, gab es Widerstände der Anwohner gegen das Projekt?

Es gab einige wenige Nachbarn, die den Änderungen vor Ort negativ gegenüberstanden und auch Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht haben. Da wir uns aber an alle gesetzlichen Vorgaben halten, wurden diese Einsprüche alle abgelehnt. Diese Leute haben viel Geld an ihre Anwälte bezahlt, das hätten Sie besser anderweitig investiert (lacht).

Beim Spatenstich im Sommer letzten Jahres war neben dem Botschafter Li Xiaosi aus China eine Abordnung zahlreicher hochrangiger Politiker vertreten und sogar Bundeskanzler Kurz sprach in einer Videobotschaft. Welche nationale und internationale Bedeutung hat der Museumsneubau in Engelhartszell?

Meine enge Verbindung mit China und der dortigen Kunst und Kultur ermöglicht eine enge Kooperation mit diesem Land, das die älteste Kulturgeschichte der Welt vorzuweisen hat. China wird uns mit Künstlern und Leihgaben unterstützen und ich hoffe, viele Künstler aus diesem Land für „Artist in Residence“ gewinnen zu können um so das Museum national und international zu etablieren.

Sie kuratieren zahlreiche hochklassige und vielfach ausgezeichnete Ausstellungen in China. Welche Verbindung haben Sie zu diesem Land?

Die Verbindung mit China hat sich eher zufällig ergeben durch eine Ausstellung im Rahmen „40 Jahre Diplomatische Beziehungen Österreich-China“, die wir ausrichten durften. Diese Ausstellung fand großen Anklang so dass das Chinesische Nationalmuseum an mich herangetreten ist mit der Bitte um weitere Ausstellungen.

Die Eröffnung des Kunsthauses ist für den Herbst diesen Jahres terminiert. Werden die Zeitpläne eingehalten? Wie ist der Baufortschritt?

Ich ziehe den Hut vor allen Personen, die bei diesem Bau involviert sind, angefangen von den Arbeitern, über die Planer bis zu den Technikern. Wir sind mit allen Arbeiten im Zeitplan, selbst die Pandemie hat bisher zu keinen Verzögerungen geführt. Stand heute werden wir im Oktober 2021 das Museum eröffnen.

Auf welche Ausstellungen dürfen wir uns anlässlich der Eröffnung freuen?

Es sind zwei Sonderausstellungen geplant. Zum einen eine Ausstellung mit Werken der Klassischen Moderne Österreichs 1900 bis 1960 mit Schöpfungen von Klimt, Schiele, Kokoschka, Hundertwasser usw. In der zweiten Sonderausstellung zeigen wir Chinesische Kunst aus verschiedenen Epochen.

Die Verwirklichung eines Projektes dieser Größenordnung ist zweifellos ein Wagnis; ist es die Risikofreude, die Sie antreibt oder eher die Zuversicht, die Sie trägt?

Ich bin ein grundsätzlich ein sehr zuversichtlicher Mensch, ich bin nackt zur Welt gekommen und ich werde nackt von dieser Welt gehen. Schon als Kind habe ich die Dinge, die ich mir vorgenommen habe, immer durchgesetzt. Ich habe versucht, jeden Traum, den ich hatte, mit Leben zu erfüllen. Das ist mir bis heute gelungen.

Hemmt Ihrer Meinung nach die derzeitige Krise die Kreativität der Kunstschaffenden oder ist es ganz im Gegensatz so, dass ein derartiger Einschnitt auch beflügeln kann und damit Wegbereiter für neue kreative Ansätze ist?

Ich glaube, Krisen wirken sich immer positiv auf die Kunst aus. Es gibt dafür unzählige Beispiele. Betrachtet man die Malerei des 19. Jahrhunderts muss man feststellen, dass es keine großen Richtungsänderungen gab. Die Krise des 1. Weltkriegs und die damit einhergehende Armut brachte jedoch mit dem Expressionismus, dem Kubismus oder der Neuen Sachlichkeit zahlreiche großartige Werke hervor.

Am Ende eines jeden Innterviews stellen wir unsere Flussfrage: Gibt es einen Fluss in Ihrem Leben, der Sie geprägt hat, oder mit dem Sie sich identifizieren können?

Die Donau ist der Lebensstrom Österreichs und auch mich hat die Donau mein Leben lang begleitet.

WIR DANKEN IHNEN FÜR DAS GESPRÄCH


Josef und Irene Schütz freuen sich auf die Eröffnung des Schütz Art Museums im Oktober diesen Jahres in Engelhartszell


Die Arbeiten am Museum liegen im Zeitplan, selbst die Pandemie hat zu keinen Verzögerungen geführt.

• 1954 in Linz geboren
• Grundschule & Ausbildung im Bauwesen in Linz
• 1973 mit bereits 19 Jahren Auswanderung nach Südafrika & als jüngster Bauleiter für u.a. das deutsche Bauunternehmen „Hochtief“ tätig
• 1973-1976 Aufenthalt in Südafrika & Kennenlernen von Irene (aus Bayern)
• 1976 Rückkehr nach Österreich
• 1977 Heirat & Gründung eines Bauunternehmens „Firma Reitermayr & Schütz“
• 1984 Gründung der ersten Immobilienfirma
• 1986 Gründung der zweiten Immobilienfirma
• 1995 Gründung des Kunsthandels „Schütz Fine Art“ in Linz
• 1998 Übersiedlung nach Wien in die Gluckgasse, Innere Stadt
• 2000 Übergabe des Bauunternehmens an Bruder Erwin Schütz
• 2011 bis 2019 10 internationale Ausstellungen in China
• Verleihung des Staatspreises Chinas und des Innovationspreises der Stadt Peking für die
• Ausstellung „Österreichische Kunst von 1860-1960“ (beste Ausstellung 2015/2016 in China)
• 2015 Verleihung des Professortitels durch den Bundespräsidenten
• 2015 Eröffnung der zweiten Dependance „Schütz Fine Art- Chinese Department“ in der Spiegelgasse, Innere Stadt
• 2019 Kauf des Grundstückes in Engelhartszell
• 2020 Baubeginn des Schütz Art Museums
• Oktober 2021 Fertigstellung des Schütz Art Museums