INNSIDE Innterview: Seilbahnvisionär Manfred Eichberger

„ES PROFITIEREN AUCH DIE BÜRGER DAVON, NICHT NUR DIE TOURISTEN.“


Das Vorhaben, die Altstadt mit dem Oberhaus-Areal mittels einer Seilbahn

zu verbinden, schwebt schon lange über der Stadt Passau. Jetzt, im

Jubiläumsjahr „800 Jahre Veste Oberhaus“, ist das Vorhaben so konkret wie

nie. Wir sprachen mit dem Investor und möglichen Betreiber der Passauer

Seilbahn, Manfred Eichberger.


Die Fragen stellte Claudia Saller


Der Bauantrag für eine Seilbahn von der Donaulände zur Veste Oberhaus ist nun bei der Stadt Passau eingereicht. Wie sehen Sie die Chancen, dass es dieses Mal zu einem positiven Beschluss kommt?
So ein großes Projekt ist nie einfach, man greift in die Landschaft und das Stadtbild ein, auch wenn wir versuchen, dies so behutsam wie möglich zu gestalten. Und dabei gibt es Befürworter und Gegner, am Ende ist es eine politische Entscheidung. Die verschiedenen Fachstellen und Gremien geben ihre Einschätzung dazu ab und dann wird es eine Entscheidung geben. Wie diese ausfallen wird, ist noch offen.

Schon bei unserem letzten Gespräch haben wir über die Option des Rückbaus der Seilbahn gesprochen. Ist diese Option Bestandteil des Bauantrags?
Ja, wir streben eine Betriebserlaubnis für 80 Monate an, danach soll der Stadtrat, falls die Seilbahn verwirklicht wird, darüber entscheiden, ob ein Rückbau stattfinden wird.

Wie soll die Bahn denn nun genau verlaufen und wo sind die Tal- und die Bergstation geplant?
Die Talstation ist am Brückenfuß der Schanzlbrücke vorgesehen, dort wo die Auffahrt auf die Schanzlbrücke ist. Die Bergstation ist am hinteren Ende des Thingplatzes geplant, dort, wo sich derzeit ein kleiner Parkplatz befindet. Die Lage oben ist eine vertrackte Situation, weil hier die verschiedensten Interessen aufeinanderstoßen. Fest steht, dass sich die Station außerhalb des Bodendenkmals befinden würde und auch der Ensembleschutz der Veste würde gewahrt bleiben. Die Architektur der Bergstation ist sehr zurückhaltend geplant. Der Baukörper würde etwas in die Erde versenkt werden, Spiegeleffekte würden das ganze nochmal luftiger gestalten.

Was glauben Sie, wie die Passauer Bürger zu diesem Projekt stehen? Die Meinung war ja bisher durchaus gespalten.
Ich habe den Eindruck, dass sich die Ansichten zum Positiven gewendet haben. Wenn wir das Projekt vernünftig und glaubhaft vermitteln, gibt es gefühlt eine realistische Chance, die Passauer davon zu überzeugen. Es profitieren ja auch die Bürger davon, nicht nur die Touristen. Der Platz oben hat noch viel Potential und die Entwicklung geht in die richtige Richtung.

Gibt es Pläne Ihrerseits, das Oberhaus-Areal oder den Thingplatz anderweitig zu nutzen oder nutzbar zu machen?
So weit sind wir noch nicht. Das ist letzten Endes auch Aufgabe der Stadt und der Kulturschaffenden. Eine Seilbahn ist jedenfalls ein gutes Hilfsmittel, diese Plätze, gerade den Thingplatz, wieder zu beleben.

Wie würde sich der Zeitplan bis zur Inbetriebnahme darstellen, wenn die Stadt Passau grünes Licht gäbe?
Würde die Stadt ihre Zustimmung geben, könnte innerhalb von sechs Monaten die Freigabe auf Länderebene erfolgen und der Bau könnte beginnen. Die Bauzeit selbst dauert etwa ein halbes Jahr. Das heißt, ein Jahr, nachdem die Stadt grünes Licht gibt, könnte die erste Gondel fahren.

Wie lange dauert eine Fahrt?
Das ist natürlich abhängig, wie schnell die Seilbahn fährt. Im Normalbetrieb dauert eine Fahrt etwa 6 Minuten, damit auch der wunderbare Ausblick auf die Stadt genossen werden kann. Die Bahn kann aber auch wesentlich schneller fahren, so dass auch eine Großveranstaltung auf dem Oberhaus-Areal befüllt und entleert werden kann. 1.500 bis 2.000 Personen pro Stunde zu befördern ist kein Problem.

Wie viele Gondeln wären in Betrieb und wie viele Personen kann eine Gondel aufnehmen?
Die Seilbahn wird mit 12 Gondeln betrieben, wobei 3 Gondeln immer sichtbar sind, die restlichen befinden sich zum Be- und Entsteigen in der Tal- oder Bergstation.
Beim Gondelbau gibt es ein ganz neues modulares Konzept von der Firma Doppelmayr. Die Kapazität bewegt sich hier bei 12 bis 16 Sitzplätzen pro Gondel inklusive Platz für Rollstuhl, Fahrrad, Rollator und ähnlichem. Für die Gondeln kann ich mir verschiedenste Modelle vorstellen, von der komplett verglaste Gondel bis zu einer Hochzeitsgondel, da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Unsere Flussfrage haben Sie beim letzten Innterview eindeutig mit dem Inn beantwortet. Hat sich daran etwas geändert?
Einmal Inntyp, immer Inntyp. Ich mag den grünen Inn und die Innstadt, gerade am Abend ist sie ein sehr entspannter Stadtteil.

Wir danken Ihnen für das Gespräch!