INNSIDE Innterview: Stephan Marold

Rückbesinnung auf regionale Verlässlichkeit!

8.6.2020


Stephan Marold war einst einer der jüngsten Brauereichefs in Deutschland. So manch einer der gestandenen

Brauer war damals skeptisch. Mittlerweile ist er auch einer der erfolgreichsten und allgemein

hoch anerkannt. Er hat nicht nur die Brauerei Hacklberg zu neuer Blüte geführt, sondern auch die Marke

Innstadt in einem sehr schwierigen Umfeld übernommen und gerettet. Und krisenerprobt ist er auch. Man

denke nur an die große Flut, die die Brauerei schwer getroffen hatte. Nun die Corona-Krise. Wir haben ihn nach

den Auswirkungen und den Aussichten für die wichtigste Passauer Brauerei gefragt.


Die Fragen stellte Gerd Jakobe | Foto: Claudia Saller


Die Gastronomie ist eine von den am härtesten von der Corona-Krise getroffenen Branchen. Wie geht es der Brauerei Hacklberg?

Die Corona-Krise trifft die Gastronomie besonders hart. Für die Saison 2020 wurden bereits zeitraubende Vorbereitungen getroffen, verbunden mit viel Aufwand und Investitionen. Vorleistungen, die sich nicht mehr zurückdrehen lassen. Jedes nicht getrunkene Getränk bzw. nicht gegessene Gericht bedeutet Umsatzausfall und ist unwiederbringlich. Das trifft nicht nur unsere Wirte, sondern auch die Brauerei. Auch hier sind die Einschläge enorm. Ganze Absatzwege sind abrupt ausgefallen und es ist zu erwarten, dass sich diese Situation erst langsam wieder normalisieren wird.

HILFE MUSS INDIVIDUELL SEIN

Welche Maßnahmen haben Sie getroffen und wie geht es nun weiter in der Gastronomie?

In der Brauerei Hacklberg hat die Reduzierung von Aufwand und Kosten derzeit oberste Priorität. Zudem müssen wir eine geraume Zeit mit Kurzarbeit überbrücken. Natürlich versuchen wir unsere Wirte mit allen Mitteln im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen. Ein generelles Gastro-Hilfspaket kann man dafür nicht schnüren. Hilfe wird an unterschiedlichen Ecken und Enden benötigt und so werden auch unsere unterstützenden Maßnahmen kundenindividuell abgestimmt.
Einen Funken Hoffnung versprüht die Wiedereröffnung von Biergärten und Speiselokalen. Zwar verbunden mit strengen Auflagen, dennoch blicken wir wieder etwas positiver in die Zukunft und hoffen auf ein baldiges, geregeltes und gemütliches Beisammensein in der Gastronomie. Bereits an den ersten Öffnungstagen kamen viele Gäste in die Biergärten, die glücklich und erleichtert waren, dass es endlich wieder losgeht.

HERBSTDULT OPTIMIEREN

Die Volksfeste sind komplett abgesagt worden. Sehen Sie eine Chance auf einen Ersatz und sollte die Gelegenheit ergriffen werden, die beiden Dulten zu reformieren und neu aufzustellen?

So sehr es schmerzt, aber abgesagt ist abgesagt! Einen Ersatz für die ausgefallenen Feste wird es leider nicht geben. Wir können das Jahr nicht mehr zurückdrehen. Eine Reformierung für die Maidult wird dabei nicht nötig sein, die läuft ganz zufriedenstellend. Allerdings besteht für die Herbstdult, der ältesten Dult Passaus, definitiv Handlungsbedarf. Hier gibt es aber bereits erste Ansätze zur Optimierung.

ZUSAMMENHALT UND VERSTÄNDNIS

Sie sind seit vielen Jahren Chef der größten Passauer Brauerei und haben viel Herzblut in den Betrieb investiert. Wie geht es Ihnen persönlich dabei?

Natürlich geht diese Zeit nicht spurlos an einem vorüber, denn auf den Schultern der Geschäftsleitungen lastet nicht nur wirtschaftliche, sondern auch personelle Verantwortung. Jeder Tag stellt uns vor neue Herausforderungen und muss an die aktuelle Lage angepasst werden. Kein Leichtes – aber mit viel Zusammenhalt und Verständnis werden wir auch diese Zeit überstehen und gestärkt aus dieser Krise herauskommen. Da bin ich mir sicher!

INNSTADT WIRD ÜBERRASCHEN

Wie sieht die Zukunft der Brauerei aus? Welche Pläne sollen umgesetzt werden?

Die Planbarkeit ist zur aktuellen Zeit nur bedingt vorhanden, dennoch versuchen wir, nicht Trübsal zu blasen, sondern bereits jetzt einen Schritt weiter zu denken. Wie und wann wirken sich weitere Lockerungen aus? Was passiert in der Zeit nach Corona? Eines macht uns das Virus und dessen Auswirkungen jedoch bewusst. Sie zeigt uns schonungslos den unabdingbaren Wert regionaler Verlässlichkeit und ehrlicher Rohstoffe! Werte, die in letzter Zeit vielleicht ein gesellschaftliches als auch wirtschaftliches Mauerblümchen-Dasein fristeten und ins Hintertreffen gerieten. Diese Werte leben wir mit Hacklberg und Innstadt seit Jahrzehnten. Vor allem unser geliebtes Innstadt-Bräu wird sich künftig dessen verstärkt annehmen und bereits Mitte Juni für den ein oder anderen verdutzten Blick in Passau sorgen. Sie dürfen gespannt sein!

Verraten Sie uns Ihren Lieblingsfluss? Und wieso genau der?

Die Ilz, denn ich verbringe einen Großteil meiner Freizeit an diesem Fluss und habe aufgrund der örtlichen Nähe zu meiner Heimat eine besondere Verbindung zum Fluss und seiner einzigartigen Naturlandschaft.

WIR DANKEN IHNEN FÜR DAS GESPRÄCH!