INNSIDE-Innterview:
Thomas Steierer alias metromadrid

"Wenn ich mich verbiegen lasse, ist es wohl vorbei mit dem Erfolg."


Thomas Steierer alias metromadrid hat mit seinem mutigen Auftritt

und einer literarisch extrem verdichteten „Immerhin-Aufzählung“

das Große ScharfrichterBeil 2017 gewonnen und kehrt im Oktober

bereits das zweite Mal zurück auf die ScharfrichterBühne.

Im INNSIDE-Innterview versuchen wir, Einblick in das Seelenleben eines

„Urbanen Dorfdeppen“ zu bekommen.


Die Fragen stellte Claudia Saller

(C) Gerald von Foris


Du hast vor zwei Jahren das Große ScharfrichterBeil gewonnen, ist dein Leben dadurch aus den Fugen geraten? Welche Änderungen hat dieser Erfolg für dich mit sich gebracht?
Kling pathetisch, ist aber so: Seit dem Beilgewinn ist aus der Berufung auch ein Beruf geworden. Es haben sich einige Auftrittsmöglichkeiten auf tollen Bühnen wie dem Scharfrichterhaus in Passau oder dem Vereinsheim und dem Schlachthof in München ergeben oder auch im Quatsch Comedy Club in Berlin, Schmidts Tivoli in Hamburg und bei Nightwash in Köln. Es gibt seitdem Medieninteresse. Ich durfte bereits mehrmals im Fernsehen auftreten. Auch das Ansehen in meinem Umfeld ist wohl ein Stück weit gestiegen.
Aber auch ein paar wohl typische Schattenseiten der Branche habe ich inzwischen kennengelernt. Etwa, dass bei mir nun andere Maßstäbe angelegt werden, ich nun nicht mehr als Underdog gelte, was sich bei Wettbewerben bemerkbar macht, zu denen ich nicht mehr eingeladen werde, weil ich es ja schon geschafft habe, worauf ich auch im Programm eingehe.
Ich versuche, meinen eigenen Weg weiterzugehen und mich auf keine Kompromisse einzulassen, von denen ich nicht überzeugt bin. Das Eigene ist wohl mein kleines Erfolgsgeheimnis, wenn ich mich verbiegen lasse, ist es wohl vorbei mit dem Erfolg.

In deinem Programm DER URBANE DORFDEPP stehst du beinahe regungslos mit den Händen in der Tasche auf der Bühne und haust dabei Sätze raus wie: „Ich habe ein Alleinstellungsmerkmal, ein Mutterseelenalleinstellungsmerkmal“ und du lässt uns wissen, dass du in den Überhauptnichtsozialen-Social-Medias gemobbt wurdest. Ist das Programm Therapie für dich oder eine Warnung an alle anderen?
Mein Bühnenprogramm ist in erster Linie gedacht als allgemeingültiges Plädoyer fürs Durchhalten trotz aller Widrigkeiten im Leben welcher Art auch immer und als Ermutigung, mit Galgenhumor alles nicht zu ernst zu nehmen.

Du bezeichnest dein Bühnenprogramm mit „Galgenhumor 4.0“, was ist Galgenhumor für dich und ist Galgenhumor Humor?
Galgenhumor ist für mich: Das Glück im Unglück zu erkennen, die Ironie des Schicksals zu schätzen zu wissen. Zum Galgenhumor gehören für mich auch Selbstzweifel und Gewaltphantasien samt relativierender Reflexion und das Kokettieren mit eigenen Ängsten und Schwächen. So wird Galgenhumor zum Humor.

Bei manchen deiner Aussagen bleibt einem als Zuschauer das Lachen im Hals stecken und man fragt sich, ob du das alles wirklich ernst meinst. Hast du manchmal Mitleid mit deinem Publikum?
Ich hoffe stark, die Zuschauer erkennen die Entwicklung im Rahmen des Programms, vom pessimistischen Negativen zum Optimistischen. Somit bedarf es am Ende hoffentlich keines Mitleids. Beiderseits.

Du hast dein Programm mit Hilfe einer Regisseurin weiterentwickelt, worauf dürfen sich die Passauer bei deinem Auftritt freuen? Was ist anders als bei deinem Besuch im letzten Jahr?
Den Sommer über hatte ich Zeit für Durchschnaufen und einen Rückblick auf die ersten drei Bühnenjahre, und habe weitere meiner Lebensstationen textlich verarbeitet und ins Programm eingebaut. Das Programm ist nun wohl noch klarer strukturiert -wobei ich mir und meinem ungefilterten Stil treu geblieben bin. Es ist weiterhin vielschichtig, nicht zuletzt dank der Mischung aus kurzen Miniaturen und Nachdenklichem sowie permanentem Dialog mit dem Publikum. Freue mich nach dem Beilgewinn und dem ersten Solo letztes Jahr im Scharfrichterhaus sehr auf die Rückkehr nach Passau. Aller guten Dinge sind drei!

Am Ende eines jeden INNSIDE-Innterviews stellen wir die Flussfrage: Mit welchem Fluss kannst du dich identifizieren und warum?
Die Donau. Denke gerne an meine Radtour von Passau nach Wien im goldenen Oktober 2005 zurück – an der schönen Donau entlang. Fortsetzung folgt hoffentlich bald.

WIR DANKEN DIR FÜR DIE ANTWORTEN AUF UNSERE FRAGEN


25. OKTOBER | 20 UHR | SCHARFRICHTERHAUS PASSAU

INNSIDE-Kulturkalender