Innterview | 5 Jahre Museum Angerlehner

Raum für Kontemplation auf 1200 Quadratmetern

Vor fünf Jahren öffnete mit dem Museum Angerlehner in Thalheim bei Wels das zweitgrößte Privatmuseum
Österreichs seine Pforten. Zum Jubiläum hatte INNSIDE Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Museumsgründer, Kunstsammler und Mäzen Heinz J. Angerlehner.


Die Fragen stelle Kathrin Schubert

Grundlage für Ihr Museum ist Ihre umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst, die Sie in über 35 Jahren aufgebaut haben. Gibt es da einen „Lieblingskünstler“ bzw. gibt es auch Künstler, die Sie heute nicht mehr sammeln würden?
Natürlich habe ich einige Lieblingskünstler. Aber ich möchte hier nicht einen Künstler besonders herausheben. Ich habe vor 35 Jahren schon Künstler gesammelt, die ich heute auch noch sammle. Ich habe mein Geld nicht in Kunst angelegt, wie manche andere, die in 10 Jahren eine Wertsteigerung von 30 bis 40 % erwarten.

Ihr Museum steht in Wels-Thalheim, sozusagen auf der grünen Wiese. Was hat Sie zu diesem Standort bewogen und würden Sie sagen, dass es die richtige Entscheidung war?
Ich bin in Wels geboren und habe im Bezirk Wels meine Schul- und Jugendzeit verbracht, später in Wels meine Firma gegründet und habe dann den Firmensitz nach Thalheim verlegt. Insofern war es für mich ein besonderes Anliegen, in dieser Region, wo meine Wurzeln sind, auch mein Museum anzusiedeln, um meine Sammlung der Öffentlichkeit
zugänglich zu machen. Die Entscheidung, hier in der Marktgemeinde Thalheim das Museum zu bauen, war trotz gewisser anfänglicher Schwierigkeiten richtig. Es gibt viele Vorteile auch bei uns in der Region. Nicht nur, dass wir nun ein tolles großes zeitgenössisches Museum haben und genügend Parkplätze. Auch der Bahnhof ist nicht weit weg.
Das Museum wird sicher nachhaltig sein, allerdings müssten uns auch die Stadtväter und das Land noch mehr Wertschätzung entgegenbringen. Wir sind das zweitgrößte Privatmuseum in Österreich nach dem Museum Liaunig. Bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung am 30. September waren sehr viele Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur anwesend. Ich kann an dieser Stelle gar nicht alle aufzählen, unter den Prominenten war auch der deutsche Botschafter, der inzwischen ein Fan des Museum Angerlehner ist. Das hat mich natürlich sehr gefreut und motiviert.

Die Kunst- und Kulturvermittlung nimmt heutzutage einen immer höheren Stellenwert in Museen ein. Wie sieht es hier im Museum Angerlehner aus?
Die Kunstvermittlung, die bei uns der Verein der Freunde und Förderer des Museums unterstützt, ist uns natürlich sehr wichtig: Zeitgenössische Kunst jungen Menschen näher bringen. Ich denke, wir machen das ganz gut. Wir haben pädagogische Programme und Workshops, die auf die jeweiligen Ausstellungen sowie Altersstufen abgestimmt sind.
Wir bieten aber auch Workshops für Senioren an. Die Kunstvermittlung wendet sich an Kinder ab 5 Jahren bis Senioren. Auch namhafte Maler machen hier oft Workshops. An dieser Stelle möchte ich auf einen besonderen Termin hinweisen.
Am 4. November haben wir alle zwölf Künstlerinnnen und Künstler der Jubiläumsausstellung „Zweimal 6“ eingeladen, vor ihren Werken über ihre Intentionen und ihre Kunst zu sprechen. Zwölf Künstler auf einmal, das ist schon etwas
Besonderes und fast Einmaliges.

Auch etwas ganz Besonderes in Ihrem Museum ist das Schaulager. Und das Haus ist eine tolle Event-Location für die gesamte Region in der Mitte Oberösterreichs.
Mit dem Schaulager ist mir sicher etwas Gutes gelungen. Ich war in vielen Museen und konnte nichts Vergleichbares finden. Ich habe nichts zu verbergen. Die Leute dürfen sehen, was ich habe. Das Schaulager ist wirklich einzigartig. Das künstlerische Flair und die hohen Räume, in denen der Geist atmen kann. Wir haben einen einzigartigen Vorteil und das ist diese Kunstatmosphäre. Das Museum ist wie ein Rückzugsort. Man kann hier zur Ruhe kommen. Wir haben diese wunderbare Idylle. In diesem Museum kann man aufatmen. Wir sehen das als Vorteil, weil es der Kontemplation dient. Und das braucht man bei Kunst. Man braucht einfach Ruhe, um die Werke sozusagen aufzusaugen und sich Gedanken zu machen. Außerdem haben wir die größte säulenfreie Ausstellungshalle in ganz Österreich mit ca. 1200 m².

In fünf Jahren Museum Angerlehner wurde eine Vielzahl von Ausstellungen gezeigt. Die meisten Ausstellungen stehen natürlich im Zusammenhang mit Ihrer Sammlung. Wie ist Ihre Ausstellungsprogrammatik?
Wir zeigen etwa acht Ausstellungen pro Jahr. Im Erdgeschoss in der großen Halle zeigen wir Jahresausstellungen. Die verschiedenen Ausstellungsräumlichkeiten im ersten Obergeschoss werden mit Einzel- und Gruppenausstellungen
mit kürzerer Laufzeit bespielt und im Salon bieten wir jungen Künstlern eine Ausstellungsplattform. Natürlich werden die meisten Ausstellungen aus der Sammlung bespielt, aber das Museum Angerlehner schaut immer wieder auch über die Grenze und stellt gute deutsche Künstler hier aus, wie jetzt den Münchner Henning von Gierke. Damit sind
wir mit unseren Nachbarn verbunden. Übrigens besuche ich immer wieder auch Kunstmessen in Deutschland.

Die Situation der Privatmuseen, ich denke hier z. B. auch an das Aus der Sammlung Essl in Klosterneuburg, ist
nicht einfach. Wie wird es mit dem Museum Angerlehner weitergehen? Ihr Ausblick auf die nächsten Jahre?

Das hängt von meiner Gesundheit ab. Natürlich will ich das Museum so lange wie möglich betreiben. Meine Kinder oder meine Frau werden das sicher nicht übernehmen können, denn es kostet zuviel Zeit und Geld. Wenn bei mir ein Partner oder beispielsweise auch ein Sammler einsteigen möchte, habe ich damit kein Problem. Ich möchte natürlich, dass das Museum weiter Bestand hat. Ich habe ja mein Herzblut nicht umsonst hier eingebracht. Da müssten sich auch die
Politiker etwas einfallen lassen. Darüber hinaus muss man natürlich auch unternehmerisch denken und sich mit Veranstaltungen für Firmen oder Privatleute sozusagen ein weiteres Standbein schaffen, um zusätzliche
Einnahmen zu haben, denn die Einnahmen aus Eintrittsgeldern sind eher spärlich und reichen bei Weitem nicht aus. Förderungen aus der öffentlichen Hand habe ich bisher für das Museum nicht bekommen. Bedauerlich, dass bei Kunst und Kultur an erster Stelle gespart wird. Kunst und Kultur sind Lebensmittel, die wir für unser gesellschaftliches
Zusammenleben brauchen. Daher finde ich es wichtig, dass auch dezentrale und bürgerschaftliche Kulturinitiativen von der öffentlichen Hand unterstützt werden.

Abschließend auch an Sie unsere Flussfrage. Ich nehme an, bei dieser Nähe zur Traun ist es die Traun?
Eh klar. Traunside und Innside, das passt doch super, oder? Aber mit dem Hochwasser, da seid’s ihr schon arme
Luder in Passau!

WIR DANKEN FÜR DAS GESPRÄCH


AUSSTELLUNGEN

ZWEIMAL 6 – ZUM JUBILÄUM
Die Auswahl der Werke fand in enger Zusammenarbeit des Museumsgründers KR Heinz J. Angerlehner, dessen hausinterner Sammlungskuratorin Marlene Elvira Steinz und des hausexternen freien Kurators Lucas Cuturi statt und gibt einen repräsentativen Querschnitt der Sammlung wieder. Hauptkriterium war, dass es sich bei den ausgewählten
Positionen, um Künstlerinnen und Künstler mit einem starken Bezug zum Bundesland Oberösterreich handelt
BIS 11. FEBRUAR 2019

HENNING VON GIERKE – REFLEXIONEN
Seit nunmehr fünf Jahrzehnten zieht der Münchner Maler Henning von Gierke ein internationales Publikum mit seiner realistischen Malweise in den Bann. Er hinterfragt in seinen Arbeiten unser Dasein im Kontext von Natur, Religion und Philosophie. Die klassischen Themen der Mythologie, des Christentums und der Religionen gehören ebenso zu seinem umfangreichen Oeuvre wie Portraits, Stillleben oder Interieurs. Er malt Sehnsuchtsorte mit lakonischer Zurückhaltung und einer Diskretion, die den Zuschauer einladen, das Gesehene ins „Eigene” fortzuspinnen, mit Erinnerungen, Wünschen und Empfindungen aufzuladen. Nicht nur als Maler, auch als Regisseur und Bühnenbildner (u. a. Kasper Hauser, Woyzeck, Fitzcarraldo, Nosferatu) ist von Gierke weltweit gefragt. Für seine Filmausstattungen wurde er mit dem deutschen Filmpreis in Gold und dem silbernen Bären ausgezeichnet.
BIS 10. MÄRZ 2019

KÜNSTLERINNENGESPRÄCH ZUR AUSSTELLUNG 2 X 6 | SO | 04. 11. 2018 | 14 – 16 UHR
Alle zwölf Kunstschaffenden der Ausstellung „Zweimal 6“ werden für einen persönlichen Dialog zur Verfügung stehen und zu ihren Werken und über ihren künstlerischen Werdegang sprechen. Irene Andessner, Dietmar Brehm, Oliver Dorfer, Astrid Esslinger, Lorenz Estermann, Manfred Hebenstreit, Edgar Honetschläger, Katharina Karner, Bettina Patermo, Elisabeth Plank, Antonia Riederer und Werner Schrödl.
Der Kurator der Ausstellung, Dr. Lucas Cuturi, wird ebenfalls anwesend sein.