„Mehr Demokratie wagen, Herr Oberbürgermeister!“

Bündnis zur Stärkung der direkten Demokratie in Passau gegründet

PASSAU | 18. NOVEMBER 2021


ÖDP, Grüne, Bund Naturschutz, Greenpeace und der Landesbund für Vogelschutz arbeiten zusammen, um in Passau wieder bürgerfreundliche Volksbegehren-Eintragungszeiten einzuführen.


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Sie setzen sich für die Stärkung der direkten Demokratie in Passau ein (von links): Dr. Stefanie Wehner, Matti Weigl und Karl Synek (Grüne), Franz Prügl (ÖDP), Gudrun Dentler (Landesbund für Vogelschutz), Günter Kunkel (Bienenzuchtverein Passau), Johanna Seitz (ÖDP), Karl Haberzettl (Bund Naturschutz), Urban Mangold (ÖDP) und Stefanie Auer (Grüne). Foto: Auer

Auch weitere Unterstützer des letzten erfolgreichen Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ wie Günter Kunkel vom Bienenzuchtverein Passau sind dabei. Das Bündnis will mit einem „Bürgerantrag zur Stärkung der direkten Demokratie“ erreichen, dass der Passauer Stadtrat die "drastische Verschlechterung" für Volksbegehren zurücknimmt, die der Ferienausschuss im August beschlossen hat. „Unsere Stadt soll weiterhin landesweit führend bei der Förderung der direkten Demokratie bleiben“, lautet die Forderung des am Mittwoch (17.11.) gegründeten Bündnisses.

Zum Hintergrund: Läuft landesweit ein Volksbegehren wie zuletzt „Rettet die Bienen“ müssen laut Landeswahlordnung die Unterschriftenlisten 14 Tage in den Rathäusern und weiteren Eintragungslokalen ausliegen. Es gibt Mindeststunden, die die Kommunen aber ausweiten können, zum Beispiel am Abend und am Wochenende.  Passau war nach München Vize-Landesmeister bei der Öffnungsdauer der Eintragungsbüros. Erkämpft wurde das im Jahr 2009 auf Antrag von ÖDP-Bezirksrat Urban Mangold. Vor allem für viele Berufstätige oder Pendler, die nicht tagsüber zum Unterschreiben ins Rathaus gehen können, war die alte Regelung wichtig, ist das Bündnis nach wie vor überzeugt.

Der Ferienausschuss hat nun aber am 17. August (2021) mit den acht Stimmen von SPD, CSU, FW und FDP entschieden, dass das zurückgenommen wird. Grüne, ÖDP und PAL plädierten für die Beibehaltung. „Die neue Stadtratsmehrheit will, dass in Passau künftig nur noch die vor Jahrzehnten von der Staatsregierung landesweit festgelegte gesetzliche Mindesteintragungszeit gelten soll und keine Stunde mehr. Dass so etwas von einer SPD-Stadtspitze veranlasst wird, ist nicht verständlich. ‚Mehr direkte Demokratie wagen‘ war die Losung, auf die sich die damalige Stadtratsmehrheit 2009 verständigen konnte. Das wünschen wir uns vom OB auch heute“, kritisieren Stefanie Auer (Grüne) und Johanna Seitz (ÖDP).

Der Bürgerantrag, mit dem das wieder geändert werden soll, läuft bereits. Alle Passauerinnen und Passauer können unter der Nummer 0851/20091960 die Unterschriftenlisten anfordern. Im Grünen Büro in der Lederergasse 1 und im ÖDP-Büro im Heuwinkel 6 liegen die Listen auch zum Unterschreiben aus. Wenn 530 Passauerinnen und Passauer unterzeichnen, muss sich der Stadtrat erneut damit befassen. „Derzeit arbeitet ein großes überparteiliches Bündnis auch an einem neuen Klimaschutz-Volksbegehren. Es wäre schön, wenn bis zum Start die bürgerfreundlichen Eintragungszeiten in Passau wieder hergestellt wären“, sagen Stefanie Auer und Johanna Seitz.