Mehr Lebensraum für seltene Arten

Interreg-Projekt „Flechten, Moose, Pilze und Insekten“ gestartet – Ziel ist Biotop-Verbesserung

19.3.2021


Sie sind unauffällig und in der Forschung noch vergleichsweise wenig beachtet. Für den Erhalt der Artenvielfalt unserer Ökosysteme spielen sie jedoch eine bedeutende Rolle. Die Rede ist von Flechten, Moosen, Pilzen und Insekten. Um Kenntnisse über diese Artengruppen zu erhalten, hat der Nationalpark Bayerischer Wald nun das grenzüberschreitende Interreg-Projekt „Förderung der Biodiversität und Entwicklung von Waldnaturschutzkonzepten im Böhmerwald“ ins Leben gerufen. Kooperationspartner sind der Nationalpark Šumava sowie die Goethe Universität in Frankfurt am Main.


 

Der duftende Feuerschwamm (Phellinidium pouzarii) ist in Deutschland nur an sehr wenigen Stellen, unter anderem im Nationalpark Bayerischer Wald, zu finden. Er wächst nur auf altem, dicken Tannentotholz. Nachdem dieses im Nationalpark selten ist, wird es auf Versuchsflächen angehäuft und der Pilz dort gefördert.
(Foto: Annette Nigl /Nationalpark Bayerischer Wald)

 

Zu Beginn des Projekts, das hauptsächlich auf Nationalpark-Flächen in der Gemeinde Bayerisch Eisenstein umgesetzt wird, haben sich die Verantwortlichen mit Bürgermeister Michael Herzog, seinem Stellvertreter Manfred Schröder und Nationalleiter Dr. Franz Leibl getroffen und erläutert, wie die ersten Maßnahmen ausschauen werden. „Ich bin sehr gespannt, welche Ergebnisse bei dem neuen Projekt erzielt werden können“, sagte Herzog. „Die Forschungsabteilung des Nationalparks erfährt international hohe Anerkennung. Umso mehr freut es mich, dass in Bayerisch Eisenstein nun ein weiteres Kapitel geschrieben wird.“

Auch Dr. Franz Leibl, Leiter des Nationalparks, begrüßt das Projekt. „Zum einen gibt es bei dem Thema Totholz und die dadurch entstehende Artenvielfalt noch einiges zu verbessern und zu erforschen. Zum anderen freuen mich Kooperationen, die grenzüberschreitend stattfinden, ganz besonders. Damit kommen sich die beiden Nationalparks wieder ein Stück näher.“

Bei dem Vorhaben werden zum Beispiel auch seltene Pilze, wie der Duftende Feuerschwamm (Phellinidium pouzarii), der nur auf Tannentotholz wächst, gefördert. Während in der Naturzone das Prinzip „Natur Natur sein lassen“ gilt, können in der Randzone auch aktive Maßnahmen zur Förderung seltener Arten durchgeführt werden, so Karasch. Gleichzeitig kann durch das Monitoring der Arten zusätzliches Wissen in der Forschung erlangt werden.

Wie Pferd Moritz Buchenstämme in die Versuchsflächen zieht, erklärte Nationalparkmitarbeiter Stephan Melch (v.l.) dem Nationalparkleiter Dr. Franz Leibl, Bürgermeister Michael Herzog (v.r.) und seinem Stellvertreter Manfred Schröder.
(Foto: Elke Ohland/Nationalpark Bayerischer Wald)


Hauptziel des Projekts ist eine Biotop-Verbesserung in der Randzone. Zusammen mit der Revierförsterin Silvia Pflug werden am Rande des Nationalparks auf insgesamt 100 Hektar Waldflächen ökologisch aufgewertet, an definierten Stellen optimiert und ideale Lebensräume für Flechten, Moose, Pilze und Insekten geschaffen. „Dort soll zum einen die Menge und Qualität an Totholz verbessert werden“, erklärt Projektkoordinator Peter Karasch. Dadurch werden gefährdete Arten, die bestimmtes Totholz als Lebensraum benötigen, unterstützt. „Zum anderen geht es darum, seltene Baumarten – wie Linde, Bergulme und Eibe – sowie alte Bäume zu fördern.“

Doch vom Projekt sollen nicht nur die beiden Nationalparks profitieren. Es werden Waldnaturschutzkonzepte entwickelt und diese an forstwirtschaftliche Betriebe und Naturschutzbehörden weitergegeben. Ziel ist es Möglichkeiten aufzuzeigen, wie in Wirtschaftswäldern Holz genutzt werden kann und gleichzeitig die Biodiversität bestehen bleibt.

Auch Jaroslav Červenka, Projektverantwortlicher beim Nationalpark Šumava, verspricht sich viel von diesem Ansatz. „Wir hoffen, dass wir andere Institutionen dazu inspirieren können, Totholz im Wald zu lassen, denn Totholz ist ein Schlüsselfaktor für die Artenvielfalt.“ Gerade in der jetzigen Situation, in der es in Mitteleuropa viele Borkenkäfer-Schäden gibt und die Holzpreise sehr niedrig sind, könne man das erlangte Wissen sicher erfolgreich weitervermitteln.

Finanziert wird das Projekt mit Kosten in Höhe von knapp 800 000 Euro zu 85 Prozent aus Interreg-Mitteln der Europäischen Union. 15 Prozent der Kosten übernehmen die Projektpartner.