Niederbayerische Kurorte verabschieden Konzept zur Wiedereröffnung

Gemeinsame Erklärung wird der Staatsregierung vorgelegt – Landrat Kneidinger: „Gesundheit der Gäste steht im Fokus“

14.5.2020


Nachdem sich die Vertreter der sieben niederbayerischen Thermen aus den fünf hochprädikatisierten Kurorten Bad Füssing, Bad Griesbach, Bad Birnbach, Bad Gögging und Bad Abbach bereits am Montag auf ein Rahmenkonzept zur Wiederinbetriebnahme nach der staatlich verordneten Corona-Pause verständigt haben, konnten die Verantwortlichen nun in einem Treffen am Mittwoch im Bad Griesbacher Kurhaus einen weiteren Meilenstein setzen.


Sie stehen hinter ihren Kurbädern: MdL Martin Wagle (v.l.), Bürgermeister Tobias Kurz, Vertreter des Bayerischen Heilbäderverbands, Ernst Stapfer, Landrat Raimund Kneidinger, Bürgermeister Thomas Memmel, Bürgermeister Jürgen Fundke, MdL Walter Taubeneder, Landrat Michael Fahmüller, Bürgermeister Benedikt Grünewald und Bürgermeisterin Dagmar Feicht.

Sie wollen mit ihrem gemeinsamen Konzept einen klaren Fahrplan für die Wiedereröffnung der Thermalbäder vorlegen.


So wurden den Landtagsabgeordneten Martin Wagle (Rottal-Inn) und Walter Taubeneder (Passau, beide CSU) sowie den Landräten Michael Fahmüller (Rottal-Inn) und Raimund Kneidinger (Passau) ein detaillierter Plan vorgestellt. Die Landräte wollen diesen Plan nun mit den zuständigen Gesundheitsämtern in Pfarrkirchen, Passau und Kelheim abstimmen und das Konzept an die Staatsregierung geben. Die Abgeordneten übernehmen die Detailabstimmung und die Kommunikation mit der Staatsregierung sowie den beteiligten Ministerien. „Ziel ist eine möglichst rasche Wiederinbetriebnahme, wobei wir natürlich ein Höchstmaß an Sicherheit für alle Besucher und Mitarbeiter bieten wollen“, sagte Bürgermeister Jürgen Fundke als Gastgeber der Konferenz. Mit am Tisch saßen auch die Rathauschefs Dagmar Feicht (Bad Birnbach), Tobias Kurz (Bad Füssing), Dr. Benedikt Grünewald (Bad Abbach) und Thomas Memmel (Neustadt a. d. Donau).

Natürlich wird es kein einfaches „weiter so“ in den Thermalbädern geben, die Corona-Regeln sind auch hier – wie in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens – durchaus tiefgreifend. „Aber wir brauchen das Angebot, um wirtschaftlich überleben zu können“, machte Bad Füssings Bürgermeister Tobias Kurz deutlich. Es ist das Hauptangebot in den Kurorten, die gemeinsam fast fünf Millionen Übernachtungen und rund 800.000 Gästeanreisen verzeichnen.
Im Maßnahmenkatalog sind Mindestabstände im Eingangs- und Kassenbereich sowie in den Umkleiden geregelt. Attraktionen in den Becken, etwa Bodensprudler oder Schwanenhälse, sollen nicht in Betrieb gesetzt werden. Strömungskanäle laufen auf der niedrigsten Stufe, während Dampfbäder, Sole-Inhalation und Infrarotkabinen ganz ausgeschaltet bleiben. Medizinische Behandlungen im Wasser, also Unterwassergymnastik oder Aqua Fit, sollen laut Konzept angeboten werden. Hier kann das eingesetzte Personal überwachen, dass alle Abstände eingehalten werden. Auf kostenlose Angebote wie Aqua Dance wird aber vorerst zur Vermeidung einer ungewollten Gruppenbildung verzichtet. Zutritt wird während der Corona-Phase nur für Personen ab 16 Jahren gewährt (Kinder und Jugendliche mit medizinischen Verordnungen ausgenommen). Die Zeitdauer der Eintritte wird in allen Thermen zwischen drei und vier Stunden betragen, um einer maximal möglichen Anzahl von Gästen den Thermenbesuch zu ermöglichen. Tageskarten werden in dieser Zeit nicht angeboten, es wird auch keinerlei Aktionen geben. Im Umkehrschluss will man aber auch auf Preisanpassungen aufgrund des durch Corona verursachten Mehraufwandes verzichten. Dieser Mehraufwand dürfte erheblich sein, wollen doch alle Thermenbetreiber ihren Personaleinsatz massiv erhöhen, um all die angekündigten Maßnahmen auch in die Tat umzusetzen. Auch für die Saunen soll es Sonderregeln geben. So will man auf Schwitzangebote unter 80 Grad ganz verzichten. Aufgüsse will man zwar durchführen, aber ohne Aufgussverteilung, sprich ohne sog. Wedeln. Der Aufenthalt in den Saunen darf nur sitzend erfolgen, die Plätze sind erheblich reduziert. Den Gästen wird ausdrücklich empfohlen, beim Duschen Gel oder Shampoo zu verwenden, da bereits dadurch die Verbreitung von Viren gehemmt werde. Die Betreiber sorgen dafür, dass die verfügbaren Duschplätze räumlich entsprechend weit voneinander entfernt sind.

In den Therapieabteilungen soll bald wieder behandelt werden. Wenn es um physikalische Therapie im Trockenen geht, ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sowohl vom Therapeuten, als auch vom Patienten zwingend erforderlich. Kosmetische Behandlungen werden in den Thermen zunächst nicht umgesetzt. Soweit zu den Eckpunkten des Konzeptes, für das die Thermalbäder sowohl von den Landräten Michael Fahmüller und Raimund Kneidinger sowie ihr Kelheimer Amtskollege Martin Neumeyer viel Lob. Neumeyer war zwar beim Treffen nicht dabei, hatte aber bereits vorab seine Zustimmung zu dem Konzept geäußert. Wichtig sei nun eine verstärkte Zusammenarbeit der Kurorte untereinander, so der Passauer Landrat Raimund Kneidinger. „Das heute gemeinsam beschlossene Konzept ist ein erster Schritt hin zur Wiedereröffnung unter Beachtung erhöhter Sicherheitsregeln. Denn es muss uns auch gelingen, damit das Vertrauen unserer Gäste zu gewinnen. Wir müssen deutlich machen, dass für unsere Heilbäder die Gesundheit unserer Gäste mehr denn je im Fokus steht,“ bekräftige Kneidinger.

Mit Lob und Zustimmung sparten auch die Abgeordneten Walter Taubeneder und Martin Wagle nicht. „Das ist der richtige Weg, die Thermen zeigen ein Höchstmaß an Verantwortung“, lobten die beiden unisono. Bei allen Maßnahmen bleibe natürlich ein hohes Maß an Eigenverantwortung, wie erneut von allen Seiten betont wurde. Daran zweifelt aber angesichts der hohen Akzeptanz in der Bevölkerung für alle bisher getroffenen Corona-Entscheidung letztlich niemand. Was die Thermen betrifft, wurde auch deutlich gemacht, dass jedes Zuwiderhandeln sofort mit Verweis auf Hausrecht geahndet würde. Die Hausaufgaben sind also gemacht worden in den niederbayerischen Kurorten. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der Gesundheitsämter und der Staatsregierung, ehe sich die fünf Kurorte vom schweren Corona-Schlag, der zahlreiche der rund 20.000 Arbeitsplätze in der Branche bedroht, wieder etwas erholen können.