Passauer Klimacamps

Nach Räumung des ersten Baumhauses errichten Klimaaktivist*innen zwei neue Baumhausklimacamps

5.5.2021


Nachdem ein Sondereinsatzkommando der Polizei vergangenen Montagabend das erst in der Früh errichtete Passauer Baumhausklimacamp räumte, errichtete dieselbe Gruppe am heutigen Mittwoch (5.5.2021) in aller Frühe zwei
neue Baumhausklimacamps.

“Ihr könnt unsere Häuser räumen, nicht aber die Kraft, die sie schuf”, erklärte am Montag schon Klimagerechtigkeitsaktivist Kim Schulz (25). Diese Ansage machten die Aktivist*innen nun wahr.


 

Das Klimacamp wird von Aktivist*innen diverser Klimagerechtigkeitsbewegungen
gemeinschaftlich organisiert. Es befindet sich an der Ortsspitze. Die beiden Baumhäuser sind Tag und Nacht besetzt.

 

“Der immense Polizeieinsatz beweist, dass wir mit unserer Protestform einen Nerv trafen”, so Schulz’ Mitstreiterin Juliane Diehl (20). “Das Augsburger Bodenklimacamp besteht nun seit 309 Tagen. Möchte Oberbürgermeister Jürgen
Dupper 309 Mal das SEK rufen? Herr Dupper wird sich damit auseinandersetzen müssen, dass er um das Thema Klimagerechtigkeit nicht herum kommt. Wir fordern einen kostenlosen ausgebauten ÖPNV, ein Ende der einseitigen
Autosubventionierung und echte Bürger*innenbeteiligung, sodass nicht Mieter*innen und Arbeitnehmer*innen alleine für die Kosten der Klimapolitik des Nichtstuns aufkommen müssen.”

Das Klimacamp sieht sich als Teil einer größeren Gemeinschaft von Menschen, die bundesweit Baumbesetzungen und andere Klimacamps ins Leben gerufen haben. Es steht im engen Austausch mit dem Baumhausklimacamp in Ravensburg, das mit SEK-Einsatz geräumt wurde, dann aber neu entstand.

Adressat des Protests seien nie Einzelpersonen, sondern die Politik, die Aktivist*innen durch komplettes Versagen in der Klimapolitik zu solch drastischen Schritten zwinge. Das Baumhausklimacamp diene nicht in erster Linie dazu, nur auf den Klimawandel aufmerksam zu machen, sondern um wirksame und sozial gerechte Klimaschutzmaßnahmen einzufordern.

Weitere Details:
passau.klimacamp.eu


In dieser Sache erreichte uns ein Kommentar von Dirk Wildt, Vorsitzender des Kreisverbands Passau Land von Bündnis 90/Die Grünen:

Das Anliegen der Klima-Aktivisten ist ohne jede Frage ehrenwert. Die Forderungen der Baumbesetzer und Baumbesetzerinnen, auf den Bau der Nordtangente zu verzichten und sich für einen Dauerbetrieb der Ilztalbahn einzusetzen, richten sich an den Landkreis. Landrat Raimund Kneidinger sollte die Gelegenheit nutzen, und den Jugendlichen ein Gespräch anbieten, bei dem konstruktiv über die richtigen Schritte für den Klimaschutz diskutiert werden kann. Ich würde es begrüßen, wenn die Landkreis-CSU insbesondere den dringend notwendigen Ausbau der Windenergie nicht länger blockiert.