Prix Ars Electronica 2019

Goldene Nicas für Künstler*innen aus Kanada, den USA und Österreich

Insgesamt 3256 Einreichungen aus 82 Ländern zählte der Prix Ars
Electronica 2019. Erstmals ausgeschrieben wurde die Kategorie „Artificial
Intelligence & Life Art“ und erhielt gleich auf Anhieb 840 Einreichungen. Die
Kategorie „Computer Animation“ zählte 835 Einreichungen, die Kategorie „Digital
Musics & Sound Art“ 873 Einreichungen. Die österreichweite Kategorie u19 –
CREATE YOUR WORLD legte diesmal den Fokus auf „Young Creatives“ zwischen 0
und 14 sowie „Young Professionals“ zwischen 14 und 19 und verzeichnete 708
Einreichungen.

Die Goldenen Nicas des Jahres 2019 gehen an Kalina Bertin, Sandra
Rodriguez, Nicolas S. Roy und Fred Casia aus Kanada, Paul Vanouse aus den USA,
den Produzent und Komponist Peter Kutin sowie Alex Lazarov aus Wien.


Computer Animation | Goldene Nica
Manic VR
Kalina Bertin, Sandra Rodriguez, Nicolas S. Roy, Fred Casia (alle CA)

„Manic VR“ befasst sich mit bipolaren Störungen, einer psychische Erkrankung, die durch manische und depressive Stimmungszustände charakterisiert ist. Kalina Bertin hat die Erkrankung ihrer Geschwister Felicia und François zum Anlass genommen, in Form eines Dokumentarfilms sowie Virtual-Reality-Projekts „Manic VR“ Einblick in eine Lebenswelt zu geben, die aus verschiedenen Realitäten und Zuständen, Halluzinationen sowie schönen, aber auch beängstigenden Fantasien

besteht. Die kanadische Filmemacherin und ihr Team lassen Bilder, Musik und die eindringlichen Stimmen von Felicia und François, die seit 3 Jahren die Mailbox ihrer Schwester als persönliches Tagebuch nutzen, zu einer fesselnden und stimmigen Erzählung verschmelzen. Kalina Bertin, Sandra Rodriguez, Nicolas S. Roy und Fred Casia wollen mit „Manic VR“ helfen, mehr Empathie für Menschen mit bipolaren Störungen zu entwickeln. Sie erhalten dafür die Goldene Nica 2019 in der Kategorie Computer Animation.

Kalina Bertin

Sandra Rodriguez

Nicolas S. Roy

Fred Casia


Digital Musics | Goldene Nica
TORSO #1
Peter Kutin (AT)

„TORSO #1“ ist eine Klang-Skulptur, die visuell an eine „Klopotec“ erinnert, eine windmühlenartige Vogelscheuche. Wie die Flügel einer Windmühle drehen sich vier 100V-Lautsprecher und erzeugen Schallsignale plus Rückkopplungen im Raum.
Statische Mikrofone übertragen gleichzeitig die Bewegung der Skulptur über ein quadrophonisches PA-System. Die Schallbewegungen können sowohl horizontal als auch vertikal wahrgenommen werden, was ein völlig unorthodoxes Hörerlebnis schafft. Sämtliche Sounds wurden speziell für dieses einzigartige System entwickelt
und maximieren seinen psychoakustischen Effekt.

Peter Kutin


Artificial Intelligence & Life Art | Goldene Nica
Labor
Paul Vanouse (US)


Paul Vanouse

Wie riecht Arbeit eigentlich? „Labor“ ist eine dynamische, selbstregulierende Kunstinstallation, die den Duft von Menschen nachempfindet, die Stress ausgesetzt sind. An der Geruchsbildung selbst sind in dem Fall allerdings keine Menschen beteiligt – sie erfolgt ausschließlich durch die Vermehrung von Bakterien in drei Glasbioreaktoren. Jeder Bioreaktor inkubiert eine rinzigartige Spezies von menschlichen Hautbakterien, die für den Primärduft schwitzender Körper verantwortlich sind: Staphylococcus epidermidis, Corynebacterium xerosis und Propionibacterium avidum. Während diese Bakterien einfache Zucker und Fette metabolisieren, erzeugen sie Gerüche, die mit menschlicher Anstrengung, Stress und Angst verbunden sind. Ihre Düfte verbinden sich in einer zentralen Kammer in dem eine Ikone der Ausbeutung – ein weißes T-Shirt – hängt, das von den sich verbreitenden Gerüchen durchdrungen wird.
Die drei maßgefertigten Bioreaktoren werden von einem auf Raspberry Pi basierenden Automatisierungssystem überwacht, das Rührwerke, Biosensoren, Pumpen, Heizgeräte und Ventile umfasst. Die Installation beinhaltet zudem mehrere „Schweißflecken-Drucke“, bei denen frisch verschwitzte Hemden mit Holzkohle bestäubt und mit hohem Druck zwischen das Papier gepresst werden, was der Papieroberfläche ein geprägtes Schweißmuster verleiht.