Schwerverkehr im Stadtgebiet Passau

Ministerium spricht sich gegen Durchfahrtsverbot aus


Auf der Bundesstraße B 12, die über die Ilzstadt und den Anger durch das Stadtgebiet führt, hat in den letzten Jahren der Verkehr und auch der Schwerverkehr deutlich zugenommen. Die Folgen daraus sind neben regelmäßigen Überlastungen des Verkehrsnetzes insbesondere auch stetig wachsende Anwohnerbelastungen durch Lärm und Immissionswerte. Auch die rasant ansteigenden Unfallzahlen unter Beteiligung von Lkws erfordern Gegenmaßnahmen. Um hier eine Verbesserung zu erreichen, hat Oberbürgermeister Jürgen Dupper der zuständigen Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Ilse Aigner, in einem Schreiben die Situation dargelegt und erneut um die Prüfung einer Ableitung des grenzüberschreitenden Schwerverkehrs auf den Autobahnzubringer und die B 85 gebeten. In einem Antwortschreiben des Ministeriums an die Stadt Passau wurde die beantragte Verlagerung als ungeeignet bewertet.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Auch wenn das Staatliche Bauamt für die Bundesstraße zuständig ist, so sind wir dennoch bemüht, eine Reduktion des Verkehrsaufkommens zu erreichen. Ein Durchfahrtsverbot für den überregionalen Schwerlastverkehr haben wir mehrfach gefordert. Wir werden auch weiterhin nicht müde, das Thema bei den zuständigen Stellen vorzubringen und uns für eine Entlastung der betroffenen Anwohner und Verkehrsteilnehmer einzusetzen.“

Im Besonderen beruft sich das Staatsministerium auf Zahlenmaterial, das die von der Stadt Passau vorgeschlagene Nordumfahrung zu den Autobahnanschlussstellen Passau-Mitte und Aicha vorm Wald über den Autobahnzubringer bzw. über die B 85 als ungeeignet erscheinen lässt. In dem Schreiben wird u. a. ausgeführt, dass der Schwerverkehrsanteil auf der St 2622 mit 1.118 Fahrzeugen deutlich über den Werten der B 12 liegt. Dem der Stadt Passau vorliegende durchschnittlich tägliche Verkehrswert von 2015 zufolge wurden auf der B 12 bei Kastenreuth jedoch 1.363 Fahrzeuge festgestellt. Im Schreiben wurde zudem der Wert des Schwerverkehrsanteils der B 85 (807 Schwerlastfahrzeuge) der B 12 zugeordnet.

Außerdem wurde das Argument vorgebracht, dass Lkws über 12 to bei einem Durchfahrtsverbot durch die Stadt Passau vermehrt den Schleichweg „Hutthurm nach Ruderting über Fischhaus“ nutzen könnten. Da diese Verbindung jedoch sehr kurvenreich, nicht ausgebaut und insbesondere für große Fahrzeuge schwer passierbar ist, wird diese Einschätzung von der Stadt Passau nicht geteilt.

Die St 2622 ist aktuell mit einem durchschnittlichen täglichen Verkehr von insgesamt 9.328 Fahrzeugen und einem Schwerverkehrsanteil von 12 Prozent belastet. Für die zu untersuchende Trasse bei der Bewertung im Bundeswegeverkehrsplan wurde ein Verkehrsaufkommen von 19.000 Fahrzeugen unterstellt. Hier stellt sich die Frage, ob diese Zahl realistisch ist, wenn in vergleichbarer Situation von knapp 10.000 Fahrzeugen ausgegangen wird. Die Vergleichszahlen aus dem Stadtgebiet übersteigen den Wert der Nordumfahrung um ein Vielfaches.
Seit mehreren Jahren gibt es intensive Bestrebungen der Stadt Passau, den grenzüberschreitenden Schwerverkehr nicht mehr über die B 12 durch die bewohnten Teile des Stadtgebietes sondern über die Nordumfahrung zu den Autobahnanschlussstellen Passau-Mitte und Aicha vorm Wald zu führen. Diese Verbindung wäre weitgehend anbaufrei, bedeutet aber einen Umweg von etwa sechs bis sieben Kilometern. Zeitlich ergibt sich kein nennenswerter Mehrbedarf.