Seit 30 Jahren offene Grenzen in der Donau-Moldau Region!

Internationalen Konferenz von Tourismusverband Lipensko und Südböhmischer Tourismuszentrale gedachte dem Fall des Eisernen Vorhangs

Außenminister Hans Dietrich Genscher und Jiří Dienstbier durchtrennen den Grenzzaun in der
streng bewachten Zone unweit der tschechischen Stadt Rozvadov.


Noch vor dreißig Jahren warnten Schilder im Böhmerwald und dem Lipno-Gebiet rund um die Moldau: „Achtung, Grenzgebiet, Zutritt nur mit Genehmigung!“. Der November 1989 und mit ihm auch die Samtene Revolution in der ehemaligen Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik waren jedoch sehr nah. Ein paar Wochen später, am 17. Dezember, zerschnitten bereits die Außenminister Österreichs und der Tschechoslowakei in Laa an der Thaya den Stacheldraht des Eisernen Vorhangs zwischen beiden Ländern. Und sechs Tage danach durchtrennten Hans Dietrich Genscher und Jiří Dienstbier an der streng bewachten Zone unweit der tschechischen Stadt Rozvadov auch die deutsch-tschechische Grenze.
Des Falls des Eisernen Vorhangs gedachten diesen April im südböhmischen Frymburk am Ufer des Moldausees die Teilnehmer der internationalen Konferenz „30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im Dreiländereck“, die vom Tourismusverband Lipensko und der Südböhmischen Tourismuszentrale im Rahmen des Projekts „Vltava, ein Fluss voller Erlebnisse, Etappe I“ veranstaltet wurde.
„Insbesondere für das Gebiet am Moldaustausee, das am Dreiländereck Bayern, Österreich und Tschechien liegt, ist die Möglichkeit des freien Grenzübertritts von großer Bedeutung. Die Reisefreiheit fördert nicht nur die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, sondern auch die touristische Entwicklung dieses dünn bevölkerten Gebiets im Zentrum Europas“, betont Jiří Mánek, Obmann des Tourismusverbands Lipensko.
Das Ziel der Konferenz war es, dieses bedeutenden Jubiläums, das den freien grenzüberschreitenden Tourismus ermöglicht, und gleichzeitig auch der Geschichte, die nicht vergessen werden darf, feierlich zu gedenken.
„Ich selbst bin in der Nähe des Eisernen Vorhangs aufgewachsen und habe viele emotionale Erlebnisse aus der damaligen Zeit“, berichtet Wilbirg Mitterlehner, Bezirkshauptfrau des österreichischen Bezirks Rohrbach. Durch den Fall des Eisernen Vorhangs war auch erst das Zusammenwachsen der Regionen möglich, was der Bezirkshauptfrau zufolge eine große touristische Bereicherung ist.
„Wir haben heute ganze Generationen, die bereits im freien Europa aufgewachsen sind. Sie wissen nicht, wie bedrückend das Leben an der Grenze war“, sagt die stellvertretende Landrätin von Freyung-Grafenau, Renate Cerny. „In den Vorträgen haben wir gehört, wie viele Kontakte und Kooperationen sich entwickelt haben. Es bedeutet aber nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Wir sollten auch weiterhin über weitere Aktivitäten nachdenken.“
Bernard Hain, Tourismusreferent aus dem Landeskreisamt Freyung-Grafenau, trifft seine Kollegen aus Tschechien mehrmals jährlich, je nach Bedarf. „Mit Obmann Mánek haben wir uns das letzte Mal im Skigebiet Mitterdorf getroffen. Wir diskutierten über organisatorische Maßnahmen, zum Beispiel über den Austausch unserer Prospekte, um die bayerischen Flyer auf der tschechischen Seite der Grenze und umgekehrt die tschechischen Prospekte bei uns anbieten zu können. Wir haben auf beiden Seiten der Grenze interessante Aktivitäten, über die die unsere Nachbarn noch nicht genügend informiert sind. Dies möchten wir verbessern, einschließlich grenzüberschreitender Veranstaltungen. Obmann Mánek brachte mehrere interessante Ideen, ein Beispiel davon ist diese Konferenz. Wir werden auch eine gemeinsame Sternwanderung aus der Tschechischen Republik, Deutschland und Österreich veranstalten, mit welcher wir am 5. Oktober des dreißigsten Jubiläums des Falls des Eisernen Vorhangs im Grenzgebiet am Dreiländereck gedenken möchten.“
Die Wanderung wird vom auf drei verschiedenen Routen jeweils durch die drei Nachbarländer zum Dreiländereck führen, wo ein Imbiss auf alle Teilnehmer warten wird. Den Anstoß zu dieser Veranstaltung hat der Tourismusverband Lipensko gegeben. Zusammen mit ihm wird die Wanderung vom Landratsamt Freyung-Grafenau und dem Bezirk Rohrbach organisiert. Die Veranstalter werden dazu ein Treffen Anfang Juli haben.
„Ein weiteres Beispiel der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist die Oldtimner-Rallye South Bohemia Classic und ihre geplante Erweiterung nach Bayern. Es ist für uns interessant zu verfolgen, wie sich das Lipno-Gebiet entwickelt. Ich muss sagen, dass viele Menschen im österreichischen und auch im bayerischen Grenzraum ein bisschen „neidig“ auf das Lipno-Gebiet schauen. Andererseits muss man sich bewusst sein, dass der Tourismus in einigen Teilen der Region schon sehr intensiv ist. Er kann sich in dieser intensiven Form nicht überall entwickeln – zum Beispiel in den Nationalparken Böhmerwald und Bayerischer Wald“, merkt Bernard Hain an.
Karl Matchiner, Pressesprecher am Landratsamt Freyung-Grafenau, weist noch auf einen weiteren Aspekt des grenzüberschreitenden Tourismus hin: „Auf beiden Seiten der Grenze gibt es ein unterschiedliches Preisniveau, eine andere Kaufkraft. Ein tschechischer Tourist, der in den Bayerischen Wald fahren möchte, zahlt für vergleichbare Aktivitäten am Lipno spürbar weniger Geld. Dieser Unterschied ist uns bewusst, aber trotzdem hoffen wir, dass es uns gelingen wird, tschechische Touristen aus dem Lipno-Gebiet zu Tagesausflügen auf die bayerische Seite zu animieren. Man wird jedoch Angebote vorbereiten müssen, die genau für sie maßgeschneidert sind.“
Der stellvertretenden Landrätin von Freyung-Grafenau, Renate Cerny, zufolge wäre es gut, das Angebot der TOP-Aktivitäten aus allen drei Regionen gemeinsam in einem Prospekt zu bewerben. Bernard Hain informiert, dass der erste Schritt für diese Vorhaben bereits im Juni gemacht wird. Es werden sich Vertreter von Einrichtungen treffen, die Freizeitaktivitäten im Grenzgebiet anbieten. Man wird auch über die Verbesserung der gemeinsamen Bewerbung reden. Nach Worten von Jiří Mánek bietet die Webseite des Tourismusverbands Lipensko bereits heute die touristischen Ziele der Region auch in der deutschen Sprache. „Meinen Erfahrungen nach würden Tschechen gern nach Bayern reisen, es mangelt ihnen allerdings an Informationen in tschechischer Sprache. Ich möchte vorschlagen, dass wir für diesen gemeinsamen Grenzraum eine gemeinsame Webseite mit touristischen Attraktivitäten aller drei Länder vorbereiten.“