Startschuss für die Digitale Zukunft im Ilzer Land erfolgt

ILE Ilzer Land erhält Förderbescheid von Bundesminister Andreas Scheuer – Digitaler „Marktplatz Ilzer Land“ ist eine vielseitige Informationsplattform und soll Menschen auf dem Land zusammenbringen.

Die Bürgermeister und Firmenvertreter des Ilzer Landes, Verantwortliche der ILE-Handlungsfelder, stellv. FRG-Landrätin Renate Czerny (vorne 2.v.l.), ILE-Vorsitzender Manfred Eibl (vorne 5.v.re.), die Landtagsabgeordneten Max Gibis (vorne 3.v.re.) und Bernhard Roos (vorne 2.v.re.), ILE-Geschäftsführerin Dr. Carolin Pecho (re.) und Projektträger Bauoberrat Werner Weny vom Amt für Ländliche Entwicklung (2. Reihe li.) freuten sich auf den Förderbescheid aus den Händen des Bundesminister Andreas Scheuer (vorne 4.v.re). Foto: Roswitha Prasser


„Das alles gibt es bei uns, das macht unseren Landstrich lebenswert.“ So formuliert die ILE Ilzer Land das Ziel des Projekts, mit dem sie sich um die Fördergelder des Bundes im Projekt Land.Digital erfolgreich beworben und diese gewonnen hat. Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Andreas Scheuer, übergab der ILE am 8. Oktober 2018 im Kulturpavillon BÄREAL in Grafenau den Förderbescheid im Förderprogramm “Land.Digital: Chancen der Digitalisierung für ländliche Räume” für das Projekt „ILE.digital“.
„Wir freuen uns über die Wertschätzung des Bundes für unsere Region, unsere Ideen und unsere Menschen“, sagt Manfred Eibl, 1. Vorsitzender der ILE und Bürgermeister der Marktgemeinde Perlesreut. „Dass Bundeminister Scheuer uns persönlich diesen Bescheid über 168.000 Euro überreicht, freut uns in besonderer Weise. Auch, dass wir als eines von wenigen Projekten nach einem Antragsverfahren, in dem wir sehr genau unsere Pläne dargelegt haben, nun zum Zuge gekommen sind. Beides erfüllt uns mit Stolz und zeigt uns, dass wir mit dem stetigen Bemühen um Kooperation für ein lebenswertes Ilzer Land für alle unsere Bürgerinnen und Bürger auf dem richtigen Weg sind. Aber jetzt beginnt die Arbeit, jetzt müssen wir die Umsetzung schaffen!“ Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.
Bundesminister Andreas Scheuer würdigte in seiner Festansprache die engagierte Vorbereitungsarbeit und das Projekt. Zusammen mit Unternehmern aus der Region und Verantwortlichen im Bereich Energie und Gesundheit wurde mit den zwölf Bürgermeistern der ILE Ilzer Land darüber nachgedacht, wie konkret „Digitalisierung“ auf dem Land weiterhelfen kann. Dabei wurden drei Punkte ganz deutlich: Digitalisierung kann nur regional verankert funktionieren, sie muss zur Erhaltung und Steigerung der Lebensqualität vor Ort beitragen und sie muss auf die Bedarfe vor Ort zugeschnitten sein.
Die neue Datenschutzgrundverordnung, die sich wandelnden Technologien und der Bedarf Daten stetig zu sichern, zu migrieren und auf Stand zu halten, fordert von vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern vor Ort fast zu viel. Der Verwaltungsaufwand im Ehrenamt wird immer höher und erschwert das Engagement. Gleichzeitig ist deutlich: Ehrenamtliches Engagement in Vereinen und Initiativen ist das Rückgrat unserer Gemeinschaft. Ob bei der freiwilligen Feuerwehr, bei Elternbeiräten oder bei Jugend- und Seniorengruppen – es sind die Menschen vor Ort, die mit ihrer Zeit, ihren Ideen und ihrem Können ihr Leben und das der anderen verbessern. Dort will die ILE Ilzer Land ansetzen und ein fruchtbares Hilfsinstrument entwickeln: Den digitalen Marktplatz Ilzer Land. Auf diesem Marktplatz finden Vereine, Initiativen und Kommunen sowie Betriebe eine sichere, verfügbare, findbare und leicht handhabbare digitale Heimat, die den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort eben das zeigt: „Das alles gibt es bei uns, das macht unseren Landstrich lebenswert.“
Vereinsverwaltung, Mitgliederlisten, Infonewsletter – all das kann über den Marktplatz laufen. Ebenso die Informationen zu Angeboten der Kommunen, Lieferdiensten für regionale Produkte und einem gemeinsamen Veranstaltungskalender. Am Marktplatz soll wie es auf einem Dorfplatz eben üblich ist, alles zusammenlaufen und sich das Wissen darüber rasch verbreiten. Das Ilzer Land soll eine digitale Heimat bekommen, in der es auch seine eigenen Initiativen präsentiert, aber vor allem offen ist, um den vielen ehrenamtlich Aktiven das Leben ein wenig leichter zu machen und den Nutzerinnen und Nutzern das vielfältige Angebot zu präsentieren. So wird plötzlich sichtbar werden, wie facettenreich das Angebot vor Ort ist: Vom Spray-Workshop über die Nähnachmittage bis hin zu gemeinsamen Wanderungen, Kletterabenteuern und Krimierlebnissen ist in der Freizeit viel geboten, gleichzeitig gib es regionale Versorger, die Bio-Milch im Hofladen anbieten, Bäckereien die schon jetzt einen Semmel-Lieferdienst haben und vieles mehr. Bei Ile.digital wird es findbar, nutzbar und damit wird die Zukunft im Ilzerland digital, regional und lebenswert. Die Förderung begann am 1.9.2018 und läuft bis zum 28.2.2021, insgesamt werden Projektkosten von rund 218.000 Euro veranschlagt, davon werden rund 168.000 Euro als Fördermittel bereitgestellt, 50.000 Euro kommen von den Gemeinden des Ilzer Landes.
In der Ausschreibung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hieß es: „Das Bundesprogramm Ländliche Entwicklung dient der Förderung und Erprobung innovativer Ansätze in der ländlichen Entwicklung. Es soll dazu beitragen, durch Unterstützung bedeutsamer Vorhaben und Initiativen, deren Erkenntnisse bundesweit genutzt werden können, die ländlichen Regionen als attraktive Lebensräume zu erhalten. Die Digitalisierung wirkt mittlerweile in nahezu alle Lebensbereiche hinein: von Arbeiten, Einkaufen und Mobilität über Wohnen und gesellschaftliches Miteinander bis hin zu Gesundheit, Bildung, Informationsbeschaffung und Unterhaltung. Nicht zuletzt eröffnet sie gerade für periphere ländliche Räume Chancen, Standortnachteile zu kompensieren. Die Rahmenbedingungen für digitale Anwendungen in ländlichen Räumen unterscheiden sich von städtischen Regionen. Deshalb können entsprechende Erkenntnisse nicht deckungsgleich auf ländliche Räume übertragen werden. Große Entfernungen und spezifische demografische Entwicklungen führen vielerorts zu sinkender Nachfrage und Wirtschaftlichkeit von Infrastruktur- und Versorgungsangeboten. Es gilt, neue Lösungen zu finden, um dem Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Deutschland gerecht zu werden und Perspektiven für ein Leben auf dem Land zu bieten“ (Ausschreibung ble.de vom 23.02.2017)


Hand in Hand im Ilzer Land

Ursprünglich neun Kommunen um das Ilztal im Bayerischen Wald haben sich im Jahr 2005 zu einer landkreisübergreifenden Kommunalallianz zusammen geschlossen, um gemeinsam zur Stärkung des Wirtschafts-, Kultur- und Lebensraums rund um die Flusslandschaft des Jahres 2002/2003 beizutragen. Diese neun Kommunen erweiterten sich Anfang 2015 um weitere drei Gemeinden zu mittlerweile 12 ILE-Gemeinden.
Seit März 2006 werden im Projekt “Integrierte Ländliche Entwicklung im Ilzer Land” (kurz: ILE Ilzer Land) gemeindeübergreifend und querschnittsorientiert verschiedene Handlungsfelder bearbeitet.

Die Koordination des ILE-Projekts, die Initiierung und die Projektkoordination werden durch das BayStMELF gefördert. Das Amt für Ländliche Entwicklung in Landau a. d. Isar steht der Gemeindeallianz fachlich begleitend zur Seite. Im Jahr 2005 gründeten die Bürgermeister der Stadt Grafenau, der Märkte Schönberg, Perlesreut, Röhrnbach und Hutthurm sowie der Gemeinden Fürsteneck, Ringelai, Saldenburg und Thurmansbang den Verein Ilzer Land e.V. Die erfolgreiche interkommunale Zusammenarbeit auf Basis einer Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) mit insgesamt zwölf Kommunen, elf davon aus dem Landkreis Freyung-Grafenau und eine aus dem Landkreis Passau (Hutthurm), basiert auf einem von gegenseitigen Verständnis geprägten Umgang miteinander.

Früheres Kirchturmdenken ist einem WIR- Gefühl zur Gestaltung der Zukunft im gemeinsamen Lebensraum um die Ilz gewichen. Der Verein Ilzer Land e.V., dem alle zwölf Kommunen angehören, hat sich zum Ziel gesetzt, die
o nachhaltige Entwicklung der natürlichen Lebensgrundlagen,
o heimatliche Verbundenheit,
o kulturelle Identität
o und den Wirtschaftsstandort zu fördern, um die Zukunftssicherung seiner Mitgliedsgemeinden zu unterstützen. Gemeinsam brachten die Gemeinden seit 2005 rund 500 Projekte zum Laufen, an denen etwa 450 Aktive beteiligt waren.
Viele Projekte wurden durch das ALE Niederbayern angestoßen und durch öffentliche Mittel gefördert. Die größten Erfolge konnte die ILE Ilzer Land mit dem Bundespreis im Wettbewerb „Engagement für die Region“ (2010) und dem Bayerischen Staatspreis Land- und Dorfentwicklung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (2012) verbuchen. Weit über die Grenzen Bayerns hinaus ist die ILE Ilzer Land ein Vorzeigeprojekt.
Die 12 Gemeinden des Ilzer Landes liegen im Regierungsbezirk Niederbayern in den Landkreisen Freyung-Grafenau und Passau. Sie erstrecken sich über 350 km² und verfügen über 38.000 Einwohner.

DIE MITGLIEDSGEMEINDEN
Gemeinde Eppenschlag, Gemeinde Fürsteneck, Stadt Grafenau, Markt Hutthurm, Gemeinde Innernzell, Markt Perlesreut, Gemeinde Ringelai, Markt Röhrnbach, Gemeinde Schöfweg, Markt Schönberg, Gemeinde Saldenburg, Gemeinde Thurmansbang