Das 39. Passauer ScharfrichterBeil ist vergeben

Der erste Preis und damit das große Beil geht an Stefan Danziger

PASSAU | 21. JUNI 2023

Am Dienstag, dem 20.06.2023 wurde auf der Bühne des Passauer ScharfrichterHaus der Wettbewerb um das 39. ScharfrichterBeil ausgetragen. Es handelte sich hierbei um den Verschiebetermin vom 07.12.2022.

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Der Beilgewinner aus dem Jahr 2000, Ludwig Müller, führte mit seinen Schüttelreimen durch den Abend | Fotos: Claudia Saller

Unter der Moderation des Kabarettisten Ludwig Müller traten dieses Jahr fünf Finalisten an, um die begehrte Trophäe, das scharfgeschliffene ScharfrichterBeil zu gewinnen.

Der Gewinner kann sich einreihen in eine Abfolge von illustren Namen, wie H.P. Kerkeling (1983), Andreas Giebel (1985), Urban Priol (1986), Günter Grünwald (1988), Rolf Miller (1994), Luise Kinseher (1999), Ludwig Müller (2000), Hagen Rether (2004), Torsten Sträter (2012) und Friedemann Weise (2013).

Im Wettkampf um Ruhm, Ehre und das große Beil standen in diesem Jahr folgende Finalisten
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Der Tod (Kabarett)
Seit 2011 ist der Berliner Comedian und Kabarettist „Der Tod“ im deutschsprachigen Raum unterwegs und versucht auf seiner Image-Kampagne dem Sensenmann einen besseren Ruf zu verschaffen. Mit Humor und großer Lebensfreude tritt er nicht nur in Theatern oder Konzerthallen auf, sondern immer wieder auch in Hospizen, Krankenhäusern und Altenheimen. Neben den Büchern „Mein Leben als Tod“ (Fischer-Verlag) und „Tod in Deutschland“ (Satyr) veröffentlichte und entwickelte der stets verhüllt agierende Künstler, dessen wahre Identität konsequent im Schatten verborgen bleibt, drei abendfüllende Solo-Programme, die unter anderem mit dem Jurypreis des Kleinkunstfestivals der Wühlmäuse, dem Publikumspreis der Leipziger Lachmesse oder dem Thüringer Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurden.

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Stefan Danziger (Kabarett) *1983
Stefan Danziger wurde in Dresden geboren. 1988 zog er mit seiner Familie in die Sowjetunion, wo er von seiner Einschulung bis 1994 eine russische Schule besuchte. 1995 kehrte er mit seinen Eltern nach Dresden zurück.
2006 zog er in den Berliner Stadtteil Wedding und arbeitete als Stadtführer für Touristen. 2011 begann er, seine Erlebnisse als Stadtführer auf englischsprachigen Comedybühnen zu erzählen. Auslandsauftritteführten ihn nach London, Amsterdam, Edinburgh (Fringe Festival), Krakau und Warschau. Auf der Bühne tritt Danziger mit Schnurrbart, Schiebermütze und Holzfällerhemd auf und präsentiert die Skurrilitäten des Alltags seiner Wahlheimat Berlin, die er auch als Stadtführer erlebt. Zum Repertoire gehören auch humorvolle Einblicke in seine privaten Erlebnisse als Kind, Verlobter und junger Vater.
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Hinnerk Köhn (Stand-Up / Slam) *1993
Hinnerk Köhn wurde 1993 in Eckernförde geboren. Seit 2012 hat er Auftritte als Poetry Slammer, Moderator und Stand-Up Comedien und war 2013 sogar deutschsprachiger Vizemeister im U20 Poetry Slam.
Seit 2017 ist er Moderator der regelmäßigen Live-Show „Schund & Asche“ mit Moritz Neumeier und Till Reiners, außerdem arbeitet er als als Texter und Performer für das ZDFneo-Format „Homies“. 2022 hat er sein Buch „Mein Leben ist ein Kissen, in das man schreit“ veröffentlicht. Hinnerk Köhn ist Ende 20 und alleine. Wenn er nicht traurig in der WG-Küche trinkt macht er Stand Up Comedy über Alkohol, Sucht, Liebe und Suizid. Das klingt traurig, aber ist witzig. Die Peinlichkeiten seines Lebens, seine Jugend in der schleswig-holsteinischen Peripherie und Oldesloer Doppelkorn formten eine Mischung aus Heinz Strunk, Moritz Neumeier und den melancholischen Songs von AnnenMayKantereit. Seine verklärte Sicht auf die Welt in Kombination mit seinem Hang zur Romantik ergeben ein tragikomisches Gesamtwerk um das man sich immer ein wenig Sorgen macht.
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Frau Rotkohl (Musik) *1987 / *1987 / *1990
Frau Rotkohl (Jahrgang 2014) ist ein Musikkabarett-Trio bestehend aus Jon Lorenzen (Jahrgang 1987), Nathanael „Natze“ Siering (Jahrgang 1987) und Jonas Zimmermann (Jahrgang 1990), die sich ursprünglich auf den Poetry-Slam-Bühnen Berlins kennenlernten. 2018 gewannen sie den Bielefelder Kabarettpreis, sowohl in der Jury- als auch in der Publikumswertung und waren seitdem unter anderem für den Prix Pantheon nominiert. 2020 veröffentlichten sie ihr Buch Das Schweigen der Limericks, 2022 folgte dasDebütalbum Das Beste aus 35.000 Jahren Musikgeschichte.
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Christl Sittenauer (Kabarett) *1982
Christl Sittenauer wurde 1982 in Freising geboren. Aufgewachsen in der Hallertau machte sie 2001 ihr Abitur am musischen Gymnasium „Camerloher“ in Freising, wo sie in der Kabarettgruppe „Camerett“ aktiv war. Anschließend studierte sie Architektur an der TUM, dann Kunst, Mathematik und Pädagogik an der LMU und dann nochmal Architektur an der Hochschule.
Sie arbeitet neben der Kunst noch an der Technischen Universität München als Dozentin für Bauphysik. Außerdem spielt sie seit über 15 Jahren Improtheater und ist aktiv in zwei Gruppen, Bühnenpolka und dem fastfood-theater. Seit März 2020 ist sie Ensemblemitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Ihr Solo-Debüt startete 2022, wo sie gleich bei ihrem ersten Wettbewerb den 1. Platz, Jury- und Publikumspreis, beim St. Prosper Kabarettpreis gewann.

Am späten Abend fiel die Entscheidung um das ScharfrichterBeil. Nach langen und ausführlichen Diskussionen hat die hochkarätig besetzte Jury schließlich die Gewinner der handgeschmiedeten Henkersbeile ausgewählt. Der erste Platz, das große Passauer ScharfrichterBeil, geht an Stefan Danziger, das mittlere Beil an Frau Rotkohl und das kleine Beil an Der Tod.

1. Platz: Stefan Danziger
Es gelingt ihm, innerhalb von 20 Minuten das Publikum immer wieder zu überraschen und Haken zuschlagen, gerade wenn man zu wissen glaubt, wie der Hase läuft. Er ist ein smarter Erzähler, schräg und hinterfotzig im besten Sinne, der fast beiläufig Verbindungen herstellt zwischen Putin und Trump zwischen Kolonialismus und Sonnenblumenöl.

2. Platz: Frau Rotkohl
„Wer mit so viel Selbstironie und Mut zur charmanten Inkorrektheit auf die Bühne geht, hat die Sympathie des Publikums ehrlich verdient. Applaus für die schwarz-humorige, musikalische Wiederbelebung des Limericks. Die Jury rät den drei jungen Männern aus dem Norden dazu, vor der ersten Bayern-Tour „Frau Rotkohl“ in „Fräulein Blaukraut“ umzubenennen.“

3. Platz: Der Tod
„Schon aus reinem Selbstschutz verleiht die Jury dem Tod nur das kleine Beil, um zu viel Kundenbindung zu verhindern. Trotz der unvorteilhaften Startposition und ohne seine Kapuze zu lüften, hält er das Publikum bei bester Laune ganz ohne Mimik und Gesichtsverlust.

Der Publikumspreis geht an Frau Rotkohl. (Gruppenfoto: ScharfrichterHaus)