PASSAU | 25. SEPTEMBER 2023
Zeitgenössische Kunst tritt aus dem Atelier in den öffentlichen Raum und regt zum Dialog, zur Diskussion an. Sie thematisiert historische und aktuelle Bezüge und ist als Impuls für Denkprozesse zu verstehen. Als Künstler ist es nicht die Absicht die Welt abzubilden, sondern Bilder in die Welt zu setzen, die inneren Visionen repräsentieren und die, inspiriert vom Ursprung, die Spuren des individuellen Menschseins aufnehmen.

Der künstlerische Zugang von Marion Kilianowitsch zeichnet sich durch ihren Blick auf die Dinge aus, die uns veränderte Sichtweisen nahebringen können. Dafür bedient sie sich verschiedener Materialien. Sie zeichnet, malt und bearbeitet Stahl- und Kupferplatten, mit dem Schweißgerät, Pinsel und Zeichenstifte und verbindet so Zeichnung, Malerei und Bildhauerei. Die Erweiterung ihres Materialrepertoires durch Industriewachs, Kunststoffe und Metalle, sowie durch Fotographie schafft sie Kunstwerke von hoher ästhetischer Qualität. Die Kunst von Kilianowitsch überzeugt durch ihren konzeptuellen Inhalt, ihre konsequente Umsetzung und Formgebung. „Die Materialien in meiner Kunst verwende ich, weil sie mir begegnen. Sie treiben mich an, machen mich neugierig und lassen Experimenten offenen Raum. Ich verwende sie, weil sie eine Geschichte haben und mich bewegen“.

Walter Kainz ist immer konsequent seinen eigenen Weg als Künstler gegangen und hat eigenständige Werkkomplexe geschaffen. In seinem umfangreichen Oeuvre nehmen Blütenmotive als Skulpturen wie Malereien und Grafiken einen großen Raum ein. Für Walter Kainz kommunizieren Blüten sein Seelenleben und erinnern in ihrer fragilen Schönheit und Kurzlebigkeit an die Vergänglichkeit und Endlichkeit allen Lebens. Ihr Kreislauf von Keimen, Erblühen und Verwelken erinnert an den ewigen Kreislauf von Entstehen und Vergehen, in den wir alle unausweichlich eingebunden sind. Die Blüten sind Prototypen oder Urformen, die der Künstler in seinen Werken immer wieder bearbeitet. Sie bewegen sich als eigenständige Wesen in einem abstrakten Farbraum. Sie stehen für sich und treten in Beziehung zueinander und zum Betrachter. Durch die formale Reduzierung seiner Arbeiten erreicht Kainz eine inhaltliche Kondensierung seiner Aussagen.

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln, nach dem Boden, der trägt, verlässt Christine Bauer immer wieder den ihr vertrauten Lebens- und Arbeitsmittelpunkt, nimmt Erde mit nach Hause, wie „Eindrücke, die sich ins Gedächtnis schreiben“. Dabei verwandelt die Künstlerin die dem Material Erde innewohnende Kraft zu einer universal verständlichen Kunstsprache. Diese Erden sind von ihrem Ursprung entfernte, entwurzelte. Durch die künstlerische Verarbeitung kehrt der Boden wiederum zu seiner dreidimensionalen Form zurück und wird erneut zu einem einzigartigen Ort. In ihren poetischen Bildern und Objekten nimmt sie Spuren des Lebens auf, die in der überaus differenzierten Oberflächengestaltung die Suche nach der Innenwelt der Außenwelt widerspiegeln, schafft Zentren, die sie "Erdorte" nennt. Sie sind der Ausgangspunkt einer Suche nach der Qualität des Lapidaren, des Einfachen, auch des Authentischen in der Vielfalt ihrer Unterschiedlichkeit. Sie stehen für das Bemühen, die Kraft des Materials zu vermitteln, um Malerei und Objekt zusammenzuführen.

Alois Bauer gestaltet Skulpturen für Körper und Raum. Im Ablauf von der Idee bis zur plastischen oder architektonischen Realisierung geht es um eine Modifikation der Form, Vergrößerungen - Verkleinerungen. Durch die Vergrößerung bzw. Verkleinerung muss ein Entwurf oft nur minimale Eingriffe über sich ergehen lassen. Ein Richtungswechsel soll Bewegung und Weiterentwicklung und eine neue Sicht der Dinge ermöglichen. Das Ändern der Perspektive ist ein wichtiger Teil der künstlerischen Position.
ST.-ANNA-KAPELLE PASSAU
BIS 15. OKTOBER 2023
DI - SO | 14 - 17:30 UHR