SALZBURG | 17. JANUAR 2023
Als Oswald Wiener und seine Frau Ingrid 1984 nach Kanada zogen, war das nicht nur ein Akt der Erkenntnissuche, sondern auch ein bewusster Schritt des Schriftstellers, die Kunst hinter sich zu lassen. Interesse an den Extremen der Natur am Polarkreis, an außergewöhnlichen gesellschaftlichen Umständen machte Dawson City in der arktischen Tundra zum idealen Schauplatz eines Lebensexperiments: Wohnen und Arbeiten, das Haus im Wald, das Claims-Café − ein vom Künstlerpaar Wiener betriebenes Restaurant − wurden zu Stätten der Selbstbeobachtung und zu einer Praxis des Denkens jenseits von Kunst, Wissenschaft und Philosophie.

Oswald Wiener | aus: 4./5. Oktober 2003 daheim | C-Print | 30,3×44,8 cm | Courtesy CFA - Contemporary Fine Arts, Berlin
Das Ende des langjährigen Aufenthalts Mitte der 1990er Jahre ließ das Bedürfnis entstehen, das Haus, den innersten Ort des Wirkens und der langen Reflexionen, festzuhalten. Auf den über 300 von Wiener noch zu Lebzeiten angefertigten Fotografien machte er das Haus, die Lebens- und Arbeitsbedingungen zum Gegenstand einer fotografischen Vermessung. Diese Bilder sind als Dokument eines persönlichen Denk- und Wahrnehmungsraums eine Welt für sich, aber symptomatisch stehen sie für den größeren Kontext Oswald Wieners künstlerischen Denkens. (Aus Peter Pakesch (Kurator der Ausstellung): "Oswald Wiener − 4./5. Oktober 2003 daheim")
Oswald Wiener (geb. 1935 in Wien − gest. 2021 ebenda), war Schriftsteller, Kybernetiker, Sprachtheoretiker und Gastronom, Mitglied der Wiener Gruppe und Vertreter des Wiener Aktionismus.
FOTOHOF SALZBURG
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