Oby’s Opinion

Unsere Europäischen Wochen

Die Europäischen Wochen haben es in ihrer langjährigen Geschichte
wirklich nicht immer leicht gehabt und sie haben es
sich selbst nicht immer leicht gemacht. Wenn in diesem Monat
dieses Europäische Kulturfestival zum 64. Mal eröffnet wird, hat
es aber zumindest eines geschafft: zu überleben. Der neue künstlerische
Leiter Carsten Gerhardt sieht sich ausdrücklich nicht als
Intendant. Er präsentiert ein Jahr nach dem Bruch mit dem „Star“
Thomas Bauer ein Programm, das sich ausdrücklich zu den Intentionen
der Gründer des Festivals bekennt. Denn ausgerechnet
amerikanische Offiziere wollten mit dem Festival den politischen
Willen hin zur europäischen Einigung befördern. Fast 65 Jahre
später ist dieser Ansatz aktueller denn je. Mit seinem engagiert
politisch geprägten Programmansatz setzt Gerhardt neue, alte
Maßstäbe und schickt die EW auf einen Weg zurück in eine Zukunft,
der die Einzigartigkeit dieses Festivals wieder unterstreicht.
30 Jahre nach dem Fall des eisernen Vorhangs, dem dieses Festival
ja entgegengesetzt war, bauen sich neue Hürden und neue
Grenzen in und um Europa auf, die es wiederum mit Kunst und
Kultur zu durchlöchern gilt. Dass dies möglich zu sein scheint,
dafür stehen die EW und das betonen auch die diesjährigen Festredner
und Friedenspreisträger Aleida und Jan Assmann in einem
Innterview in diesem Heft. Doch es ist und bleibt eine wichtige
und in der Vergangenheit nicht wirklich wahrgenommene Aufgabe,
dieses Festival endlich in die Mitte der Gesellschaft zu holen.
Längst verschmelzen die Unterschiede zwischen E- und U-Musik,
Pop-, Jazz- und Blasmusik. Die EW müssen sich in Zukunft
noch mehr öffnen und auf eine breitere Basis zielen, um endlich
zu „unserem“ Europäischen Festival zu werden. Dazu benötigen
sie aber eine wie auch immer geartete zentrale Spielstätte!